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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fahne

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Fahne.

recht stehende Hand von Erz und unter welchem kleine Schilde von Silber oder Gold angebracht waren. Das Vexillum (s. d., mit Abbildungen), vorzüglich die F. der Reiterei, bestand in einem quadratischen Stück Zeug an einem Stab, der quer an einer Lanze aufgehängt war. Da diese Fahnen gewöhnlich ohne Bilder waren, so galt meist die Farbe als Unterscheidungszeichen. Der Drache kam erst unter Kaiser Aurelian als Feldzeichen in Gebrauch, war von rotem Zeuge gefertigt und wurde auf einer vergoldeten, mit Edelsteinen besetzten Stange getragen. Das Labarum, ein Stück purpurrotes Zeug, hing in Form der jetzigen Kirchenfahnen quer über der Fahnenstange. Lange vor Cäsar im Gebrauch, erhielt es erst zu Konstantins Zeiten, der es reich verzierte, sein hohes Ansehen; die ihm beigegebene Fahnenwache von 50 Mann stand in besondern Ehren. Vgl. v. Donaszewski, Die Fahnen im römischen Heer (Wien 1885). Auch die Germanen und Gallier hatten ihre Feldzeichen, obgleich sie eigentliche Fahnen erst später führten, nachdem sie dieselben durch ihre Kriege mit den Römern kennen gelernt hatten. Zur Zeit Kaiser Ottos I. war das Hauptfeldzeichen ein Engel, schon unter Otto II. aber erscheint der Adler als des Reichs Heerbild. Erst später kam der Doppeladler (s. Adler) in Aufnahme. Das Heerbild des deutschen Königs Otto IV. war das Bild eines Adlers auf einer Stange und wurde auf einem sogen. Fahnenwagen geführt. Durch Friedrich I. erhielt der Adler in der Reichsfahne seine bleibende Stelle. Die Blutfahne war von Purpur zum Zeichen des Kaisertums oder der obersten Lehnsherrlichkeit. Ihren Namen hatte sie davon, daß unter ihr bis ins 17. Jahrh. vom Kaiser die mit dem Blutbann verknüpften Reichslehen verliehen wurden. Die Führung der Reichsfahne galt als Ehrenamt für die Tapfersten aus dem höchsten Adel des Reichs. Pfalzgraf Otto von Wittelsbach trug sie dem Kaiser Friedrich I. auf den italienischen Zügen vor, und Kaiser Ludwig der Bayer belehnte 1336 mit ihrer Führung den Grafen Ulrich von Württemberg, bei welcher Gelegenheit sie zum erstenmal in den Urkunden des Reichs Sturmfahne genannt wird. Sie bestand aus einer roten Lanze mit gelber F. und dem Bild eines einfachen schwarzen Adlers, darüber ein roter Schwenkel als Hindeutung auf die Blutfahne. Im Gegensatz zur letztern gab es noch eine Reichsrennfahne, mit deren Führung das Kurhaus Sachsen in der Würde des Reichserzmarschalls belehnt war; sie war schwarz und weiß quergestreift, darin zwei gekreuzte rote Schwerter; im 16. Jahrh. wurden jedoch auch die Fahnen der Reiterei Rennfahnen genannt. Als Zeichen der Vereinigung der Streitkräfte der Nation unter dem Reichsoberhaupt galt die Sturmfahne bis zu Ende des 15. Jahrh. Seitdem waren die Fahnen der kaiserlichen, fürstlichen und ständischen Truppen verschieden, der Adler schmückte nur die der erstern. Im byzantinischen Kaisertum waren vom 9. Jahrh. bis zum Untergang dieses Reichs für größere Heerabteilungen große, flatternde Fahnen, kleinere aber für die Unterabteilungen im Gebrauch. Erstere waren am obern Teil des Fahnenblattes einfarbig und mit verschiedenen Bildern und Zeichen ausgeschmückt, letztere buntfarbig. In den Kreuzzügen hatten die einzelnen Streithaufen auch ihre verschiedenen Farben und die geistlichen Orden ihre eignen Banner. So flatterte neben Bohemunds blutrotem Banner das schwarzweiße des Templerordens. Längere Zeit war das heilige Kreuz das allgemeine Heerzeichen für die Kreuzfahrer und dessen Träger stets ein Bischof, in der Schlacht von Hittin ging es jedoch verloren.

In Frankreich wurde jedem Gaugrafen von den Kapitularien der Könige der zweiten Dynastie die Führung einer F. anbefohlen, unter welcher sich die Vasallen und ihre Mannschaften versammeln mußten, wenn es der Verteidigung von Kirchen oder Kirchengütern galt. Sie hieß Gonfanon oder Gonfalon, während die militärischen Fahnen mit Beginn der dritten Dynastie Bannières und Pennons genannt wurden. Letztere waren sehr lang, erstere viereckig, gleich unsern heutigen Standarten, so daß ein Ritter, welcher zum Bannerherrn (banneret) erhoben wurde, seine F. bloß abzuschneiden brauchte, um sein Banner zu haben, woher die Redensart rührt: faire de pennon bannière, für: im Rang steigen. Der Stoff zu Fahnen war gewöhnlich Seide, Farbe und Form waren verschieden. Bei der Einnahme einer Stadt wurde die F. des Siegers auf dem Turm aufgesteckt. Fast sechs Jahrhunderte lang diente die Kappe des heil. Martin (s. d.) als F. Frankreichs, neben welcher jedoch noch das pennon royal, eine mächtig große F., auf einem mit Ochsen bespannten Wagen im Zentrum der Armee gefahren wurde. Unter Ludwig VI. ward die berühmte Oriflamme (Auriflamme, oriflamme), eine fünfgezipfelte F. von rotem Seidenzeug, welche von einem Querstab herabhing, an den beiden Querseiten mit grünseidenen Quasten versehen, das Heerzeichen Frankreichs. Ihr Name ist von dem mit vergoldetem Kupfer beschlagenen Schaft und dem im Mittelalter für Standarte oder kleine F. gebräuchlichen lateinischen Wort flammatum (franz. flamme) abzuleiten und bedeutet demnach "Goldfahne". Angeblich ein Geschenk des Himmels für die Könige von Frankreich, nach Guitart (1190) aber unter Dagobert verfertigt, nach andern die F. Karls d. Gr., war sie ursprünglich das Banner der Abtei des heil. Dionysius (saint Denis) und wurde in deren Fehden von den Schirmvögten des Klosters getragen, welche später, als die Grafschaft Vexin an die Krone gefallen, die Könige von Frankreich waren. Diese ließen das Banner durch einen Stellvertreter tragen, welcher jedesmal den Eid leisten mußte, die F. zu Ehren des Königs und des Reichs zu führen und lieber zu sterben, als sie zu verlassen. In der unglücklichen Schlacht bei Azincourt (1415) wehte die Oriflamme zum letztenmal, nach andern ging sie schon 1250 vor Damiette verloren. Wenigstens finden wir bereits unter Karl VI. die bannière royale oder Königsfahne von blauer Farbe mit weißem Kreuz. Karl IX. und seine Nachfolger nahmen wieder die mit goldenen Lilien übersäete weiße F. an, welche schon Philipp August geführt hatte. Unter Ludwigs XIV. Regierung wurden die Fahnen die Unterscheidungszeichen einzelner Regimenter, aber erst 1789 wurde die Farbe derselben gesetzlich bestimmt. Mit der Revolution ward die republikanische Trikolore französische Nationalfarbe und ist es bis jetzt geblieben, obgleich sie während der Restauration der weißen F. weichen mußte. Nur erhob sich unter dem ersten und zweiten Kaiserreich ein Adler über der F., während der Julidynastie aber der zum Streit gerüstete gallische Hahn. Vgl. Bouillé, Le drapeau français (2. Aufl., Par. 1874); Desjardins, Recherches sur les drapeaux français (das. 1874).

Das Fahnentuch der preußischen Fahnen ist quadratisch und trägt auf weißem Grund ein stehendes schwarzes Kreuz oder umgekehrt. In der Mitte befindet sich ein schwarzer Adler, von einem Lorbeerkranz umgeben, ebenso in jeder Ecke ein Lorbeerkranz, der oben durch die Königskrone geschlossen wird. Die Fahnen der Osmanen haben Gibbon und Hammer sehr umständlich beschrieben. Der zweispitzige Säbel Osmans