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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Faidit; Faience; Faille; Faillieren; Faillit; Failly; Failsworth; Fain

1 ^[Original ohne Seitenzahl]

F.

Das im laufenden Alphabet nicht Verzeichnete ist im Register des Schlußbandes aufzusuchen.

Faidit (spr. fädih, Faydit), Gaucelm oder Anselm, Troubadour, geboren zu Uzerche in Limousin, trieb sich mit seiner Frau als Histrione und Jongleur in der Welt herum, bis er sich durch einige seiner Gedichte den Schutz Richards von Poitou erwarb, der 1189 den englischen Thron bestieg, von welcher Zeit an F. unter die Troubadoure gerechnet wurde. Er folgte Richard Löwenherz auf dem Kreuzzug und dichtete sehr schöne Stanzen auf den Tod desselben. Auch am Hof des Marquis von Montferrat und des Raymond von Azoult lebte er längere Zeit und soll an letzterm um 1240 gestorben sein. Man hat von ihm mehr als 60 Gesänge; eine Anzahl derselben findet sich in Raynouards Sammlung. Vgl. Diez, Leben und Werke der Troubadours (2. Aufl., Leipz. 1883); Meyer, Leben des Troubadours G. F. (Heidelb. 1876).

Faience, s. Fayence.

Faille (franz., spr. faj), ein die Schultern mit bedeckendes Kopftuch der Flamänderinnen, daher soeurs de la f., Klosterfrauen, die solche Kopfbedeckung trugen. Auch Bezeichnung eines Seidenstoffs für Kleider.

Faillieren (franz., spr. fajie-), s. Falliment.

Faillit (franz., spr. faj-), s. Falliment.

Failly (spr. faji), Pierre Louis Charles Achille de, franz. General, geb. 21. Jan. 1810 zu Rozoy sur Serre (Aisne), machte seine militärischen Studien in St.-Cyr, trat 1826 in die Armee ein, ward 1828 Unterleutnant, wohnte 1830 der Einnahme von Algier bei, avancierte 1837 zum Kapitän, 1843 zum Bataillonschef, 1851 zum Obersten und diente während dieser Zeit meist in Afrika. Von 1848 bis April 1850 war er Kommandant der Militärschule zu Toulouse. 1854 zum Brigadegeneral befördert, machte er den Krimfeldzug mit und that sich sowohl in der Schlacht an der Alma als später beim Sturm auf die Weißen Werke von Sebastopol (7. Juni 1855), den er leitete, und beim Angriff auf den Redan (10. Juni) sowie in der Schlacht an der Tschernaja durch Tapferkeit und Umsicht hervor. Hierfür ward er zum Divisionsgeneral und zum kaiserlichen Adjutanten ernannt. 1859 befehligte er eine Division in Niels Korps. Als Präsident des beratenden Komitees der Infanterie führte er das Chassepot ein, das er als Kommandeur des Korps, welches 1867 nach Rom zum Schutz des Papstes gegen Garibaldi geschickt wurde, bei Mentana zu erproben Gelegenheit hatte; nach seinem Bericht that es Wunder. 1870 erhielt F. das Kommando des 5. Armeekorps, spielte aber in dem Krieg mit Deutschland eine sehr unglückliche Rolle, indem er 6. Aug. von seinem Hauptquartier Bitsch weder Frossard noch Mac Mahon zu Hilfe kam und, nachdem er sich auf Châlons zurückgezogen, bei dem Marsch nach Sedan sich von dem Feind 30. Aug. bei Beaumont überraschen ließ. Er wurde nach den empfindlichen Verlusten dieses Tags 31. Aug. abgesetzt und geriet 2. Sept. in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach dem Friedensschluß hat er kein Kommando in der französischen Armee wieder erhalten. Gegen die heftigen Vorwürfe, die ihm wegen seiner Fehler gemacht wurden, schrieb er: "Campagne de 1870. Opérations et marches du 5. corps jusqu'au 31 août" (Brüss. 1871).

Failsworth (spr. fehls-), Fabrikort in Lancashire (England), 5 km nordöstlich von Manchester, mit (1881) 7907 Einw.

Fain (spr. fäng), Agathon Jean François, Baron, erster Geheimsekretär Napoleons I., geb. 11. Jan. 1778 zu Paris, ward sehr früh in den Büreaus der Nationalversammlung angestellt, 1793 Sekretär des Militärausschusses des Nationalkonvents und 1796 Divisionschef der Archive sowie bald darauf Staatssekretär, kam 1806 als Archivsekretär in das geheime Kabinett des Kaisers, ward 1807 Requetenmeister, 1809 zum Baron und Anfang 1813 zum Geheimsekretär des Kaisers ernannt, den er auf allen seinen Zügen bis zur Abdankung in Fontainebleau begleitete, wo er die Abdikationsakte entwarf. Die Restauration raubte ihm seine Stelle als Vorsteher des französischen Archivs, doch trat er nach Napoleons Rückkehr wieder in seine frühere Stellung. Nach der zweiten Restauration ohne Anstellung, ward er erst 1830 erster Kabinettssekretär Ludwig Philipps, 1832 Generalintendant der Zivilliste, Staatsrat und Großoffizier der Ehrenlegion, 1834 Deputierter und starb 14. Sept. 1837. Merkwürdig für die diplomatische Geschichte der damaligen Zeit sind die auch ins Deutsche übersetzten Schriften Fains: "Manuscrit de l'an 1814, trouvé dans les voitures impériales prises à Waterloo" (Par. 1823; deutsch, Berl. 1823); "Manuscrit de l'an 1813" (Par. 1824-25, 2 Bde.; deutsch, Stuttg. 1825); "Manuscrit de l'an 1812" (Par. 1827, 2 Bde.; deutsch, Leipz. 1827); "Manuscrit de l'an III (1794-95)" (Par. 1828; deutsch, Leipz. 1829).