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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Falcon; Falconbridge; Falcōne; Falconer; Falconet; Falconetto; Faldistolĭum; Faleme

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Falcon - Faleme.

Falcon, Staat der Republik Venezuela, 93,815 qkm (1703,8 QM.) groß, liegt auf beiden Seiten des Lago de Maracaibo (s. d.) und ist meist eben, mit flachen Küsten; Seen und Sümpfe erfüllen die fruchtbare, aber ungesunde Ebene im S. des Lago. Im W. bildet die wüste Sierra de Perijá (1254 m) die Grenze gegen Kolumbien; das Innere der westlichen Hälfte (das eigentliche F.) ist bewaldetes Hügelland, bis 1253 m hoch. Die Halbinsel Paraguana (s. d.), durch eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden, springt hier weit nach N. vor. Die Einwohner (1883: 188,903) beschäftigen sich meist mit Ackerbau und Viehzucht. Kaffee, Kakao, Baumwolle, Zucker und Kokosnüsse sind die wichtigsten Artikel, die über Maracaibo und Corvo ausgeführt werden. Eingeteilt wird F. in die Sektionen Zulia und F. Hauptort ist Capatarida, ein unbedeutendes Dorf an der Küste, westlich von Corvo.

Falconbridge (spr. fahk'nbridsch), Thomas, Bastard von, ein illegitimer Neffe des "Königmachers" Warwick (s. d.), der im englischen Bürgerkrieg 1471 als Anhänger des Königs Heinrich VI. London belagert, aber von Heinrichs Gegner Eduard von York gefangen genommen und, obgleich ihm sein Leben zugesichert worden war, enthauptet wurde. Shakespeare läßt in "König Johann" einen Philipp von F. als Bastard des Königs Richard Löwenherz und kecken Parteigänger Johanns auftreten.

Falcōne, Aniello (Angelo), ital. Maler und Kupferstecher, geb. 1600 zu Neapel, war Schüler Spagnolettos, gründete sodann selbst eine vielbesuchte Schule. Als die Revolution unter Masaniello ausbrach, bildete F. aus seinen Schülern und einer Anzahl andrer Künstler die sogen. Compagnia della morte, welche alle in ihre Hände fallenden Spanier niederstach. Nach der Unterdrückung des Aufruhrs floh F. nach Frankreich, kehrte aber später zurück und starb 1665. F. malte besonders Kriegsbilder und erwarb sich dadurch den Namen eines Orakels der Schlachten (Oracolo delle battaglie); in seinen sehr seltenen Gemälden herrscht große Lebendigkeit; die Zeichnung ist korrekt und das Kolorit ansprechend. Seine Kupferstiche sind leicht und geistreich behandelt.

Falconer (spr. fahk'ner), 1) William, schott. Dichter, geb. 1732 zu Edinburg als der Sohn eines Barbiers, widmete sich, früh verwaist, dem Seemannsstand und befand sich, 18 Jahre alt, an Bord eines Leither Kauffahrteischiffs, das auf der Fahrt von Alexandria nach Venedig in der Nähe des Kap Colonna scheiterte; nur er und zwei andre kamen mit dem Leben davon. Dies veranlaßte sein Gedicht "The shipwreck" (Lond. 1762; neuere Ausgabe mit Kupfern, Anmerkungen und Biographie von Clarke, das. 1804; zuletzt 1872), das großen Beifall fand und ihm eine Anstellung in der königlichen Flotte verschaffte. Im September 1769 ging er als Schiffszahlmeister auf der Aurora nach Indien; das Schiff erreichte im Dezember das Kap der Guten Hoffnung, seitdem aber ward nichts mehr von ihm vernommen. Sein Gedicht schildert in korrekten und wohlklingenden Versen die Geheimnisse der Tiefe, die Schrecken des Meers, den Mut der Seeleute, die ihnen trotzen, und zugleich die Einrichtung des Schiffs mit solcher Wahrheit, daß es selbst in technischer Hinsicht von Wert ist. Außer andern Gedichten (Oden, Satiren etc., neueste Ausgabe 1870) gab F. auch ein wertvolles "Universal dictionary of the marine" (1771; neue vermehrte Ausgabe von Burnay, 1815) heraus.

2) Hugh, Paläontolog, geb. 29. Febr. 1809 zu Forres in Schottland, studierte zu Aberdeen und Edinburg, ging 1830 als Assistenzarzt nach Indien und wurde 1832 Superintendent des botanischen Gartens zu Saharunpur. Hier begann er eine paläontologische Untersuchung der Siwalikkette und brachte mit Cautley eine reichhaltige Sammlung miocäner Säugetierreste zusammen. Er untersuchte auch die Himalajakette in botanischer Hinsicht und trug wesentlich zur Einführung der Thee- und Chinakultur bei. Im J. 1837 begleitete er die zweite Expedition Burnes' nach Kabul und besuchte viele Gegenden der Transindusregion und von Kaschmir sowie die großen Gletscher der Mustaghkette. Im J. 1842 ging er zur Herstellung seiner Gesundheit nach England und veröffentlichte hier mehrere Arbeiten über die fossile Fauna der Siwalikkette und die fossilen Reste der Insel Perim. Falconers größte Arbeit ist die mit Cautley herausgegebene "Fauna antiqua Sivalensis" (1846-49, 9 Tle.). Im J. 1848 wurde F. Direktor des botanischen Gartens zu Kalkutta und Professor der Botanik am Medical College, und 1850 besuchte er zur Untersuchung der Teakwälder die Provinz Tenasserim. Im J. 1855 nach England zurückgekehrt, widmete er sich besonders dem Studium der fossilen Höhlenfauna und veröffentlichte "On the species of Mastodon and Elephant" und 1860 eine Abhandlung über die Knochenhöhlen am Gower. Auch die Höhlen Italiens und Gibraltars hat er untersucht. Er starb 31. Jan. 1865. Seinen Nachlaß: "Palaeontological memoirs and notes" (Lond. 1868, 2 Bde.) gab Murchison heraus.

Falconet (spr. -nä), Maurice Etienne, franz. Bildhauer, geb. 1716 zu Vevey in der Schweiz, ging nach Paris, wo er sich unter Lemoine ausbildete, und machte sich zuerst 1739 durch eine Statue des Milo von Kroton bekannt. Nachdem er noch mehrere Statuen für öffentliche Plätze, Kirchen und Paläste geschaffen, erhielt er 1766 einen Ruf nach Petersburg, wo er sein Hauptwerk, die kolossale, kühn und energisch komponierte Reiterstatue Peters d. Gr., in Erz ausführte. Nachdem er 1778 nach Paris zurückgekehrt war, wurde er Direktor der Maler- und Bildhauerakademie. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich meist mit litterarischen Arbeiten. Er gab heraus: "Réflexions sur la sculpture" (Par. 1768); "Observations sur la statue de Marc Aurèle" (das. 1771); "Œuvres littéraires" (das. 1781-82 u. 1787). Er starb 4. Jan. 1791 in Paris.

Falconetto, Giovanni Maria, ital. Maler und Architekt, geb. 1458 zu Verona, lernte bei Melozzo da Forli und malte zu Verona Fresken in der Kapelle San Biagio der Kirche San Nazaro (1493), im Dom (1503) und in San Pietro Martiro. Bedeutender als seine Malereien sind seine architektonischen Schöpfungen. Er baute zu Padua mehrere Stadtthore und den Palazzo Giustiniani (1524), ein Werk in edlem Renaissancestil. F. starb 1534.

Faldistolĭum (Faldistorium, mittellat.), tragbarer Stuhl, dessen sich der Bischof bei kirchlichen Handlungen bedient, wenn er nicht auf der Kathedra sitzt. S. Faltstuhl.

Faleme, der dritte große Quellfluß des Senegal in Nordwestafrika, entspringt als Tenneh bei Timbo in Futa Dschallon, ganz nahe den Quellen des Bafing, verfolgt nördliche Hauptrichtung und mündet oberhalb Bakel in den genannten Strom, der nun den Namen Senegal annimmt. Die F. ist in ihrem noch nicht völlig bekannten, etwa 400 km langen Lauf zwei Monate hindurch 200 km von der Mündung aufwärts für kleine Dampfer schiffbar, dann treten Stromschnellen und Wasserfälle auf. Die Franzosen