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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fassade - Fasten.

Erbsen = 8,673 Lit., für Hafer = 9,878 L., in Mecklenburg-Schwerin = 10,097 L. Ein Fäßchen Blech enthält in Deutschland 450 Blatt.

Fassade (franz. Façade), die architektonisch gestaltete Außenseite, im engern Sinn Vorderseite eines Gebäudes. Die architektonische Gliederung einer F. ist durch die Raumanordnung im Innern bedingt und hat diese an der Außenseite eines Baues möglichst zu zeigen. Hat ein Gebäude mehrere Stockwerke, so wird dies schon durch die gleiche Zahl der Fensterreihen ersichtlich. Außerdem werden die Fußböden der verschiedenen Stockwerke mittels durchlaufender Gesimse markiert, die der Leere und Einförmigkeit einer glatten Außenwand vorbeugen. Der meist durch alle Stockwerke als ein in sich zusammenhängendes Ganze führende Treppenraum wird dadurch markiert, daß man seine Fronte vor der Fluchtlinie des Gebäudes etwas vorspringen läßt. Ferner läßt sich der Unterschied in der Bestimmung der Zimmer und der Treppe durch die verschiedene Größe, resp. Breite der Fenster ausdrücken. Weiter kann man der Anordnung und Gruppierung der innern Räumlichkeiten in der F. und deren Gliederung Ausdruck geben z. B. durch das Aneinanderrücken (Kuppeln) mehrerer zu Einem Raum gehöriger Fenster und deren Absonderung von andern durch breitere Mauerflächen oder durch Wandpfeilerstellung. Größere Gebäude gliedern sich auf die einfachste Weise in einen Mittelbau, welcher die bedeutendsten Räume, und in Flügelbauten, welche die Nebenräume enthalten. Endlich kann eine Thür, ein Einfahrtsthor einer F. Leben und Interesse geben, und es ist deshalb vom künstlerischen und ästhetischen Standpunkt als ein Mangel zu betrachten, wenn die Thür an die Neben- oder Hinterseite des Hauses verlegt wird. Eine mit Geschick angebrachte Thür macht die F. einladend und freundlich, und eine reicher gestaltete, z. B. über mehreren Stufen einer Freitreppe erhöhte, von Pfeilern oder Säulen eingefaßte, mit einer wohlgegliederten Oberschwelle oder einem besondern, flachen Giebel gedeckte Thür gibt der F. Mannigfaltigkeit und Würde. Durch Ausbauten, vorspringende Balkone oder Erker läßt sich die F. besonders beleben. Bei Anordnung einer F. sind beachtenswert: klare Vertikal- und Horizontalteilung des Gebäudes in die Hauptraumgruppen und in die einzelnen Stockwerke durch kräftige Vor- oder Rücksprünge und Gesimse; einfacher, aber solider Sockel; stark vortretendes, reicheres Hauptgesims; Fenster- und Thüröffnungen von hinreichender Weite und gutem Verhältnis mit klar gegliederten Thür- und Fensterpfeilern, Thür- und Fensterbedeckungen; die Unterbrechung größerer Wandflächen durch Wandpfeiler oder Nischen mit Statuen, Säulen oder Halbsäulen; Karyatiden oder Atlanten als Träger des Gebälkes, Arabeskenornamente unter Thür- und Fensterverdachungen, durchbrochene Arbeit an Balkonen, Arabesken- und Figurenfriese etc.; endlich gelegentliche Anwendung der Malerei mit dauerhaften, nicht allzu grellen Farben, welche den Profilierungen der Gesimse, Thür- und Fensterbekleidungen keinen Eintrag thun. Neuerdings hat die Fassadenmalerei im Anschluß an die Farbenlust der italienischen und deutschen Renaissance wieder eine größere Ausdehnung gewonnen. Ganze Fassaden werden mit Sgraffitomalerei in Schwarz, Braun, Rot, Gelb etc., mit Glasmosaiken und mit polychromen Gemälden überzogen. Auch werden diese verschiedenen Techniken kombiniert.

Fassaït, s. Augit.

Fassaner Alpen, s. Fassathal.

Fassathal, hohes Alpenthal in Tirol, Bezirkshauptmannschaft Cavalese, bildet den obern Teil des vom Avisio durchströmten Thals (dessen mittlerer und unterer Teil das Fleimser und das Zimmer- oder Cembrathal heißen) und erstreckt sich von den Quellen des Flusses an den Gletschern der Vedretta Marmolata bis gegen Moëna. Der das F. umschließende Teil der Südtiroler Dolomitalpen führt auch den Namen Fassaner Alpen. Das Thal ist berühmt wegen seines Reichtums an Mineralien und hat zum Hauptort das Dorf Vigo mit Bezirksgericht u. (1880) 771 ladinischen Einwohnern. Vgl. Brocchi, Mineralogische Beschreibung des Thals von Fassa (a. d. Ital., Dresd. 1817).

Fassel, Hirsch B., jüd. Gelehrter, geb. 19. Aug. 1802 zu Boskowitz, wirkte 32 Jahre lang als Rabbiner in Groß-Kanizsa, wo er noch lebt. F. gehört der Partei des entschiedenen Fortschritts im Judentum an. Von Geiger angeregt, betonte er eindringlich die Reformbedürftigkeit des jüdischen Ritualgesetzes und schloß sich den meisten Beschlüssen der Augsburger Synode an. Außer Predigten und kleinern Arbeiten veröffentlichte er: "Das mosaisch-rabbinische Zivilrecht" (Gr. Kanizsa 1852-54, 2 Bde.); "Das mosaisch-rabbinische Gerichtsverfahren in zivilrechtlichen Sachen" (das. 1858); "Die mosaisch-rabbinische Tugend- und Rechtslehre" (2. Aufl., das. 1862) u. "Das mosaisch-rabbinische Strafrecht und strafrechtliche Gerichtsverfahren" (das. 1870).

Fasseln, s. Faseolen.

Fassen, in Süddeutschland und Österreich gebräuchlicher militär. Ausdruck für Brot, Geld, Furage etc. empfangen.

Faßglasur, s. Pech.

Fassion (lat.), Bekenntnis, Angabe (besonders Vermögens- oder Einkommenangabe); vgl. Fatieren.

Fassokl, nubische Landschaft, s. Fazogl.

Faßschnecke (Dolium galea L. s. Tafel "Schnecken"), Schneckengattung aus der Gruppe der Vorderkiemer (Prosobranchia) und der Familie der Faßschnecken (Doliidae), die größte Schnecke des Mittelmeers, mit großem Rüssel und dünnschaligem, bauchigem Gehäuse, zeichnet sich durch die ungemein stark entwickelten Speicheldrüsen aus. Diese erzeugen in sich eine Flüssigkeit, welche zur Verteidigung weit fortgespritzt werden kann und auf Marmor heftiges Aufbrausen hervorruft. In der That enthält der Speichel, von dem bisweilen 100 g auf einmal entleert werden, freie Schwefelsäure (die Analysen schwanken zwischen 2,7 und 4,88 Proz.) und auch freie Salzsäure (0,26-0,4 Proz.). Liegt die Drüse an der Luft, so sondert sie beträchtliche Mengen Kohlensäure ab. Unerklärt ist vor allem der Umstand, wie diese so stark saure Flüssigkeit in der Drüse erzeugt und dann in ihr aufbewahrt werden kann, ohne sie zu zerstören. Ähnliche, jedoch weniger hervortretende Eigenschaften zeigt der Speichel von Cassis, Tritonium, Pleurobranchus und einigen andern Schnecken.

Faßsteuer, eine Form der Biersteuer (s. d.).

Fassungskraft (Fassungsvermögen, Kapazität), die Eigenschaft des Geistes, wodurch er imstande ist, eine Erkenntnis leicht und schnell in sich aufzunehmen und sich anzueignen.

Fastage (Faßtage), s. Fustage.

Fasten, im allgemeinen die Enthaltung von Nahrungsmitteln während einer gewissen Zeit, im besondern nach dem kirchlichen Sprachgebrauch entweder die gänzliche Enthaltung während eines Tags (jejunium a vespera ad vesperam) oder die Enthaltung von Fleischspeisen (abstinentia). Das F. hat von jeher, namentlich in sittlich-religiöser Beziehung, eine