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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fatipur-Sikri - Faucher.

von der Allahabad-Dehli-Eisenbahn durchschnitten und ist mittels des 1870 begonnenen "untern Gangeskanals" mit einem Netz von Bewässerungsgräben versehen, welche seine reichen Zucker-, Indigo-, Baumwoll-, Mohn- und Getreidefelder befruchten. Die Stadt F., mit 21,328 Einw., an der Eisenbahn, ist der Hauptstapelplatz der Umgebung.

Fatipur-Sikri, Stadt in der Division Agra der britisch-ind. Nordwestprovinzen, westlich von der Stadt Agra, an deren Stelle es 1560-84 Residenz Akbars war, der die Stadt mit unzähligen Palästen schmückte, welche längst verfallen sind. Am besten erhalten ist die große Moschee im Stil der bei Agra und Dehli beschriebenen Gebäude. Die heutige, aus zwei durch Felder getrennten Ortschaften bestehende Stadt zählt nur (1881) 6243 Einw.

Fatiszieren (lat.), verwittern, zerfallen, z. B. von Kristallen, die an der Luft ihr Kristallwasser verlieren und zu Pulver zerfallen.

Fatra, Gebirgszug der Karpathen in Ungarn, besteht aus der zwischen der Kisutcza und der Arva einen Gebirgsknoten bildenden Kleinen F. mit dem westlich von der Arvamündung liegenden Krivan-F. (auch Kleiner Krivan, 1667 m) und aus dem von ihr durch die Waag getrennten südlichen Gebirgszug, der Großen F., welche, im W. von der Thurócz begrenzt und im O. durch einen Knoten mit den Liptauer Bergen verbunden, sich im S. bis an den Granfluß erstreckt. Die höchsten Kuppen sind: die Große F. (an der Waag, 1776 m), der Czerna Kamen (1400 m), der Krizna (oberhalb Neusohl, 1572 m) und der Trachytberg Laurin (östlich von Kremnitz, 956 m). Die F. besteht aus Trachyt, Porphyr und Basalt, ist reich an edlen Metallen und stark bewaldet.

Fatsia japonica s. v. w. Aralia Sieboldii, s. Aralia.

Fattura (ital.), s. v. w. Faktur.

Fatuieren (lat., von fatuus, albern), albern sein, sich benehmen; Fatuität, schwerere Idiotie, Blödsinn.

Fatum (lat., "Spruch"), bei den Römern der von den Göttern, namentlich von Jupiter, ausgesprochene Götterwille, ein fest bestimmtes, unwiderrufliches Geschick, das gute wie das schlimme Lebenslos, dann auch s. v. w. Lebensziel, Tod. Die Mehrzahl Fata bezeichnet teils die einzelnen Schicksale der Menschen, teils die Schicksalsgottheiten (sonst Parzen genannt), welche die Lebenslose der Menschen bei ihrer Geburt niederschreiben; daneben findet sich aber auch Fata in der Einzahl (Mehrzahl: Fatae) mit dem Zusatz Scribunda s. v. w. Schicksalsgöttin.

Fatuus, Beiname des Faunus (s. d.).

Faublas (spr. fobla), Held eines schlüpfrigen Romans von Louvet de Couvray (s. d.).

Faubourg (franz., spr. fobür), Vorstadt.

Fauces (lat., Mehrzahl von faux, Schlund), Rachenhöhle.

Fauche-Borel (spr. fohsch-borell), Louis, einer der gewandtesten Unterhändler der durch die Revolution vertriebenen Bourbonen, geb. 1762 zu Neuenburg in der Schweiz, ward Buchdrucker und Buchhändler. Nach Ausbruch der französischen Revolution war er im Interesse der königlichen Familie und der Emigranten thätig, druckte und verbreitete deren Manifeste und ließ sich behufs der Verhandlungen mit dem von den Bourbonen gewonnenen Pichegru in Straßburg als Buchhändler nieder. Hier 1795 aus Befehl des Direktoriums verhaftet, ward er, da man keine verdächtigen Papiere bei ihm fand, bald wieder freigelassen und ging nun noch dreister zu Werke. Er war es, der 1797 die Proklamation Ludwigs XVIII. verbreitete, worin den Franzosen eine Konstitution versprochen wurde; auch machte er in Ludwigs Auftrag mehrere Reisen an die befreundeten Hofe, bis der 18. Brumaire alle seine Pläne vernichtete. Von neuem verhaftet, erhielt er zwar durch Fürsprache des preußischen Gesandten seine Freiheit wieder, doch nur unter der Bedingung, den französischen Boden nicht wieder zu betreten. 1804 verbreitete er das Manifest Ludwigs XVIII. an die französische Nation hielt sich seit 1806 in England und Schweden auf und zog 1814 mit den Verbündeten in Paris ein, wo er vom Fürsten Hardenberg zu geheimen Sendungen gebraucht wurde. Nach Napoleons I. Rückkehr ging er im Auftrag des Wiener Hofs zu Ludwig XVIII. nach Gent und lebte hierauf längere Zeit in England, bis ihn der Fürst Hardenberg als preußischen Generalkonsul nach Neuenburg sandte. Karl X. bewilligte ihm eine Pension von 5000 Frank. Er starb 4. Sept. 1829 durch einen Sturz aus dem Fenster. Seine "Mémoires" erschienen nach seinem Tod (Par. 1830, 4 Bde.).

Faucher (spr. foscheh), 1) Léon, franz. Publizist und Staatsmann, geb. 8. Sept. 1803 zu Limoges von jüdischen Eltern, trieb anfangs in Paris philologische und archäologische Studien und ward Hauslehrer, wandte sich aber nach der Julirevolution der Journalistik und Nationalökonomie zu. Er war Redakteur des "Temps", des "Courrier français" und des "Constitutionnel" von 1830 bis 1842 und gab mehrere staatswirtschaftliche Schriften heraus, worunter die "Études sur l'Angleterre" (Par. 1845, 2 Bde.; 2. Aufl. 1856) die wichtigste ist. 1846 erhielt er für Reims einen Sitz in der Kammer und stimmte hier mit der dynastischen Opposition, wie er denn auch einer der Hauptagitatoren für den Freihandel war. Für die Wahlreform trat er mit größtem Eifer ein. Nach der Februarrevolution vom Departement Marne in die Konstituante wie in die Legislative gewählt, stimmte er mit den gemäßigten Republikanern und ward nach Ludwig Napoleons Wahl zum Präsidenten (10. Dez. 1848) Minister des öffentlichen Bauwesens, 20. Dez. auch Minister des Innern und war für die Herstellung der Ordnung mit Erfolg thätig, legte aber, in der Legislative hart angefeindet, 15. Mai 1849 sein Portefeuille nieder, das er jedoch 11. April 1851 wieder annahm. Kurz vor dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 zog er sich vom politischen Schauplatz ganz zurück und starb 15. Dez. 1854 in Marseille. Seine staatswissenschaftlichen Abhandlungen sind zum großen Teil gesammelt in den von seinem Schwager Wolowski herausgegebenen "Mélanges d'économie politique et de finance" (Par. 1856, 2 Bde.). Außer obigen "Études" sind noch zu nennen die "Recherches sur l'or et sur l'argent" (Par. 1843). Vgl. "Léon F.; biographie, correspondance, vie parlementaire" (2. Aufl., Par. 1875, 2 Bde.).

2) Julius, deutscher Volkswirt, Hauptvertreter der Freihandelspartei, geb. 13. Juni 1820 zu Berlin, studierte daselbst Philosophie, gründete nach Veröffentlichung kleiner volkswirtschaftlicher Schriften über die Wohnungsfrage und über das Bankwesen. 1846 mit Prince-Smith, E. Wiß u. a. den ersten "Freihandelsverein" in Berlin und übernahm dann die Redaktion der "Ostseezeitung" in Stettin. 1848 als Abgeordneter von Elbing zum ersten Kongreß der deutschen Handels- und Fabrikstädte nach Frankfurt gesendet, war er an der Abfassung des Zolltarifs für das Deutsche Reich beteiligt. 1850 ward er Mitbegründer und Redakteur der Berliner "Abendpost". Nach Unterdrückung dieser Zeitung wandte er sich nach London,