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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Faunalien; Faunus; Faure; Fauriel

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Faunalien - Fauriel.

Kontinents und durch Annahme eines frühern Zusammenhanges mit ihm deuten. Die F. der größern Süßwasserseen scheint auf Bevölkerung aus dem Meer hinzuweisen. Ein Beispiel auffälliger faunistischer Verhältnisse liegt im Ostindischen Archipel vor, wo die Inseln Sumatra, Borneo und Java nebst Bali in Bezug auf ihre Tierwelt zu Indien, die Inseln östlich von Lombok zu Australien gehören, und wo doch die Grenze nur von einem schmalen, allerdings sehr tiefen Meeresarm zwischen Bali und Lombok gebildet wird. S. auch die Besprechung der geographischen Verbreitung der Tiere im Artikel "Tier" und vgl. Wallace, Die geographische Verbreitung der Tiere (deutsch, Dresd. 1876, 2 Bde.).

Faunalien, s. Faunus.

Faunus ("der Holde"), altitalische Gottheit, Sohn des Picus (Mars), nach andern des Merkur, Enkel des Saturnus, durch die Nymphe Marica Vater des Latinus, ward von pragmatisierenden Autoren für einen König von Latium erklärt, der sich hauptsächlich durch die Hebung des Landbaues und der Viehzucht verdient gemacht habe, aber auch Urheber religiöser Institute geworden sei, indem er Opfer für seinen Großvater Saturnus anordnete und seinen Vater Picus unter die Götter versetzte. Herkules soll ihn bei seiner Ankunft in Italien, da er ihn dem Mercurius opfern wollte, getötet haben. Von den Römern wurde F. vorzugsweise als Gott der Berge, Triften und Fluren, als Beschützer der Herden verehrt, der das Vieh fruchtbar machte (daher Inuus, "Bespringer", genannt) und die schädlichen Raubtiere von ihnen abwehrte (daher Lupercus, "Wolfsabwehrer"), und erscheint somit als ein dem Silvanus verwandtes Wesen, wie er denn auch mit dem griechischen Weidegott Pan identifiziert wurde. Wie letzterer, liebt er den Aufenthalt im Wald, wo er gelegentlich die Menschen schreckt und ängstigt, die er auch nachts in ihren Häusern beschleicht, um sie durch Träume und schreckhafte Erscheinungen zu plagen (daher auch Incubus, "Alp", genannt). Sein jährliches Fest, die Faunalien, wurde am 5. Dezember von den Landleuten im Freien begangen. Man opferte ihm als Spender aller Frucht, alles Triebes Böcke mit Wein- und Milchspenden, betete, daß der Gott den Äckern und Herden, zumal den jungen Geschöpfen, sich hold erweise, und entschädigte, während auch das Vieh sich frei umhertummeln durfte, die Sklaven durch Tanz auf Wiesen und Kreuzwegen und andre Genüsse für die Jahresarbeit (Horaz, Carm. III, 18). Das eigentliche Sühnungsfest des F. waren aber die schon von Romulus eingesetzten Luperkalien (s. d.), welche alljährlich am 15. Februar unter Beobachtung höchst altertümlicher Gebräuche gefeiert wurden. Wie so manche Macht des Zeugens und Gebärens, galt auch F. zugleich für einen weissagenden Gott und hatte als solcher den Beinamen Fatuus oder Fatuelus. Seine Prophezeiungen pflegte er teils durch Traumerscheinungen, teils durch Stimmen von sonst unerklärlichem Ursprung zu geben. Sein Orakel erteilte er vorzüglich in dem heiligen Hain der Albunea (wahrscheinlich) bei Tibur. Wie aber jene Stimmen bald hier, bald da erschollen, gab es bald ein ganzes Heer von Faunen: mutwillige Dämonen mit krummen Nasen, Hörnern, Schwänzen und Bocksfüßen, die man nun den griechischen Satyrn und Silenen gleichsetzte und mit den Nymphen in Verbindung brachte. Man suchte sich gegen ihre Neckereien durch Zaubermittel, wie die Gichtrose (Paeonia officinalis L.) u. dgl., zu schützen. Ein Tempel des F. befand sich, 196 v. Chr. erbaut, auf der Tiberinsel in Rom; in demselben wurde am 13. Februar, dem Tag des Unterganges der Fabier (zwei Tage vor den Luperkalien), geopfert. Das weibliche Gegenbild des F. ist Fauna, die Tochter oder Frau des Faunus, eine fördernde und segnende Göttin der Flur, auch Fatua, Maia oder Bona Dea (s. d.) genannt. Die künstlerische Darstellung des F. entsprach vielleicht der des griechischen Silen, wenn man die Silensmasken und -Bilder auf den Münzen italischer Städte auf den einheimischen Gott beziehen darf.

Faure (spr. för), Jean Baptiste, franz. Sänger, geb. 15. Jan. 1830 zu Moulins, kam frühzeitig nach Paris, wo er 1852 als Pygmalion in der "Galathée" an der Opéra Comique debütierte und 1861 ein Engagement an der Großen Oper erhielt, das er als Pierre de Médicis eröffnete. Fortan war er der entschiedene Liebling der Pariser, erntete aber auch auf Gastrollen in London, Brüssel und Wien großen Beifall. Seit 1876 hat er sich von der Bühne zurückgezogen. F. glänzte nicht bloß als Sänger, sondern war auch ein ausgezeichneter Darsteller. Als seine Hauptrollen sind Hoël ("Dinorah"), Mephisto, Don Juan, Hamlet und Tell zu nennen. Auch als Komponist ist er aufgetreten mit einem "Pie Jesu" und mehreren Heften Lieder. - Seine Gattin Constance Caroline, geborne Lefebvre, geb. 21. Dez. 1828 zu Paris, war eine beliebte Sängerin erst der Opéra Comique, später des Théâtre lyrique, zog sich aber schon 1864 von der Bühne zurück.

Fauriel (spr. foriell), Claude Charles, franz. Litterarhistoriker, geb. 21. Okt. 1772 zu St.-Etienne, erhielt seine erste Ausbildung im Kollegium der Brüder des Oratoriums zu Tournon, trat während der Revolution in die Armee und war zuletzt Sekretär des Generals Dugommier. Von 1795 bis 1799 widmete er sich dem Studium der Geschichte, der ältern Sprachen und der Litteratur. Kurz vor dem 18. Brumaire wurde er Fouchés Sekretär, trat aber bald wieder zurück und lebte auf seinem Landsitz La Maisonnette wie in Paris, in der besten litterarisch gebildeten Gesellschaft, namentlich mit Frau v. Staël und Benjamin Constant, auch mit Baggesen und Manzoni, in litterarischem Verkehr stehend. 1830 ward er Professor der ausländischen Litteratur an der Faculté des lettres zu Paris, wo er 15. Juli 1844 starb. Seine ersten Arbeiten waren Übersetzungen: Baggesens "Parthenais" (1810), Manzonis Tragödien (1823) und besonders neugriechische Volkslieder (1824; deutsch von W. Müller, 1825). Sein Hauptwerk ist die "Histoire de la Gaule méridionale sous la domination des conquérants germains" (Par. 1836, 4 Bde.), das Bruchstück einer geplanten allgemeinen Litteratur- und Kulturgeschichte Frankreichs. Außerdem veröffentlichte er die Abhandlung "Sur l'origine de l'épopée du moyen-âge" (1833) und eine Ausgabe der provençalischen "Histoire de la croisade contre les hérétiques albigeois" (1837). Die nach seinem Tod erschienenen Werke: "Histoire de la poésie provençale" (Par. 1846, 3 Bde.) und "Dante et les origines de la langue et de la littérature italienne" (das. 1854, 2 Bde.) beruhen auf seinen Vorlesungen. Mitglied der Akademie (seit 1836) und des von Guizot eingesetzten historischen Komitees, war er auch Mitarbeiter an der von den Benediktinern begonnenen "Histoire littéraire de la France". Seine Werke zeichnen sich durch umfassende Gelehrsamkeit aus, während die Methode der Forschung manches zu wünschen übrigläßt. Neuerdings veröffentlichte Lalanne aus seinem Nachlaß noch: "Les derniers jours du Consulat" (Par. 1885).