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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fechner; Fechser; Fecht; Fechtart

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Fechner - Fechtart.

wurden auf einer gallo-römischen Begräbnisstätte 97 Gräber aufgefunden, welche an 300 irdene und gläserne Gefäße (aus dem 2. und 3. Jahrh.) enthielten. Vgl. Fallue, Histoire de la ville et de l'abbaye de F. (Fécamp 1840); Gourdon de Genouilhac, Histoire de l'abbaye de F. (das. 1872).

Fechner, Gustav Theodor, Physiker, geb. 19. April 1801 zu Groß-Särchen in der Niederlausitz, studierte zu Leipzig Naturwissenschaften, habilitierte sich für dieses Fach bei der Universität und erhielt 1834 die ordentliche Professur der Physik. Er lieferte wertvolle Untersuchungen über den Galvanismus, über elektrochemische Prozesse und über die subjektiven Komplementärfarben. Ein Augenleiden veranlaßte ihn 1839, sich der Naturphilosophie und Anthropologie zuzuwenden. Dieser Richtung gehören an seine Schriften: "Über das höchste Gut" (Leipz. 1846); "Nanna, oder über das Seelenleben der Pflanzen" (das. 1848); "Zendavesta, oder über die Dinge des Himmels und des Jenseits" (das. 1851, 3 Bde.); "Professor Schleiden und der Mond" (das. 1856); "Über die Seelenfrage" (das. 1861); "Die drei Motive und Gründe des Glaubens" (das. 1863). Er veröffentlichte ferner: "Physikalische und philosophische Atomenlehre" (2. Aufl., Leipz. 1864) und "Elemente der Psychophysik" (das. 1860, 2 Bde.), sein Hauptwerk, in welchem das Verhältnis der psychischen zu den physischen Erscheinungen mit Hilfe der Erfahrung und der Mathematik zu erforschen versucht wird; "In Sachen der Psychophysik" (das. 1877); "Revision der Hauptpunkte der Psychophysik" (das. 1882), in welcher Schrift er die gegen seine Psychophysik gemachten Einwürfe zu widerlegen und die Lehren derselben fester zu begründen suchte. Die Resultate seiner galvanischen Untersuchungen finden sich in den "Maßbestimmungen über die galvanische Kette" (Leipz. 1831) und in dem von ihm allein bearbeiteten fünften Band seiner Übersetzung von Biots "Lehrbuch der Experimentalphysik" (2. Aufl., das. 1828-29, 5 Bde.). Er übersetzte auch Thénards "Lehrbuch der Chemie" (Leipz. 1825-28, 6 Bde.) und gab heraus: "Resultate der bisherigen Pflanzenanalysen" (das. 1829); "Repertorium der neuen Entdeckungen in der Chemie" (das. 1830-33, 5 Bde.); "Repertorium der Experimentalphysik" (das. 1832, 3 Bde.); "Hauslexikon" (das. 1834-38, 8 Bde.); bis 1835 redigierte er das von ihm begründete "Pharmazeutische Zentralblatt". Unter dem Namen Dr. Mises gab er eine Sammlung vortrefflicher humoristischer Aufsätze: "Stapelia mixta" (Leipz. 1824), und mehrere kleine Schriften heraus: "Beweis, daß der Mond aus Jodine bestehe" (Germanien [Penig] 1821; 2. Aufl., Leipz. 1832); "Panegyrikus der jetzigen Medizin u. Naturgeschichte" (das. 1822); "Vergleichende Anatomie der Engel" (das. 1825); "Das Büchlein vom Leben nach dem Tode" (das. 1836, 2. Aufl. 1866); "Schutzmittel für die Cholera" (2. Aufl., das. 1837); "Vier Paradoxa" (das. 1846); "Einige Ideen zur Schöpfungs- und Entwickelungsgeschichte der Organismen" (das. 1873). Eine Sammlung der unter dem Namen Dr. Mises verfaßten ältern kleinen Schriften erschien 1875. Seine ebenfalls unter diesem Pseudonym erschienenen "Gedichte" (Leipz. 1842) sowie das "Rätselbüchlein" (4. Aufl., das. 1874) enthalten viele wahrhaft poetische und sinnige Stücke. Noch schrieb er drei Untersuchungen über die Holbeinsche Madonna (Leipz. 1866 u. 1871); "Erinnerungen an die letzten Tage der Odlehre und ihres Urhebers" (das. 1876); "Vorschule der Ästhetik" (das. 1876, 2 Tle.); "Die Tagesansicht gegenüber der Nachtansicht" (das. 1879).

Fechser, Stecklinge und junge Pflanzen vom Weinstock und Hopfen; Fechsen, das Ziehen von Sämereien und Gartenprodukten. Samen eigner Fechsung, Samen eigner Zucht.

Fecht, Nebenfluß der Ill im Oberelsaß, entspringt auf dem Wifsort in den Vogesen, durchfließt in nordöstlicher Richtung das schöne Münsterthal, tritt bei Türkheim in die Ebene, wo aus ihr der Logelbach nach Kolmar führt, und mündet nach einem Laufe von 49 km bei Illhäusern östlich von Gemar.

Fechtart (Fechtweise), die einem Heer, einer Truppengattung oder einem Volk eigentümliche Art zu kämpfen, sowohl in Bezug auf die Gliederung des Heers in sich als auf die Zusammenordnung der einzelnen Streiter zu einander wie endlich im Gebrauch der Waffen selbst. Jede Waffe hat ihre eigne F., welche mit der Vervollkommnung der Waffe sich ändert, und überdies ist auch der Kulturzustand wie der Charakter eines Volkes bestimmend für seine F. Die F. bildet einen wesentlichen Teil der Taktik, in welche auch die Bewegung der Truppen auf dem Gefechtsfeld inbegriffen ist. Die Begriffe F. und Taktik decken sich also um so mehr, je mehr die Gefechtsbewegungen zurücktreten. Die Truppenbewegungen auf dem Gefechtsfeld sind aber zunächst bedingt durch die Wirkung der Fernwaffen; je weiter sie reichen, um so früher beginnt der eigentliche Kampf als Feuergefecht, und je weitere Wege sind zurückzulegen, um mit dem Bajonett an den Feind zukommen. Je größer die Treffsicherheit und Schußweite der Feuerwaffen sind, um so mehr wird man sich gegen ihre Wirkung zu schützen suchen, sowohl durch Benutzen von Deckungen als durch Auflockern der Kämpferlinien und Aufstellen derselben in mehr oder weniger weiten Abständen hintereinander, in zerstreuter F. Nichts ist gefährlicher, als in geschlossener Ordnung in den Schußbereich der Artillerie zu kommen. Je tiefer die Glieder hintereinander und je näher die Rotten nebeneinander stehen, um so verheerender wird die Wirkung einschlagender Granaten sein. Die zerstreute F. zwang wiederum die Artillerie zu ausgedehnterer Anwendung des Schrapnells.

Wenn auch die Völker des Altertums mit Fernwaffen, Bogen, Schleuder, Wurfspieß, kämpften, konnte deren Wirkungsweise bei dem gebräuchlichen Schutz der Streiter durch Schild und Harnisch doch nicht eine zerstreute F. im modernen Sinn hervorrufen, obgleich die Schlacht durch zerstreute Fechter eröffnet wurde. Der eigentliche Kampf der Massen war ein Nahkampf mit Spieß und Schwert in geschlossener Ordnung. Die Grundform der griechischen Schlachtordnung war die Phalanx; die einzelnen Heerhaufen standen in Einer Linie nebeneinander, die Reiter und die Leichtbewaffneten, Bogen, Wurfspieß, Schleuder führend, auf den Flügeln; letztere eröffneten zerstreut, unsern Schützenlinien vergleichbar, das Gefecht; ihnen folgte die schwer bewaffnete Hoplitenphalanx, deren Stoßkraft bei der Geschlossenheit der großen Massen eine gewaltige war. Die Reiterei, im griechischen Gebirgsland schwer verwendbar, blieb für den Kampf von untergeordneter Bedeutung, bis sie Alexander d. Gr. zu glänzender Entwickelung führte. Obgleich die griechischen Heere in ihrer wohlgeordneten Gliederung den unbeholfenen persischen Heerhaufen taktisch überlegen waren, fehlte ihnen doch für ein besseres Ausnutzen günstiger Gefechtsmomente die nötige Beweglichkeit, in welcher Richtung Epameinondas in der Schlacht bei Leuktra 331 v. Chr. mit seiner schiefen Schlachtordnung den ersten entscheidenden Schritt that. Er teilte sein Heer in einen Offen-^[folgende Seite]