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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fenn; Fenner von Fenneberg; Fennich; Fenrir; Fens; Fenster

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Fenn - Fenster.

von Torfmoor, Moosen oder andern Gewächsen schwimmt, welche noch nicht dick genug ist, um einen festen Grund zu bilden. Je stärker diese Decke wird, desto mehr Gewächse siedeln sich darauf an. Von holzigen Gewächsen erscheinen zuerst Vaccinium oxycoccos, Ledum palustre, Salix rosmarinifolia, zu denen sich dann auch Birken, Schwarzerlen, Kiefern und Wasserweiden gesellen. Im Lauf der Zeit wandelt sich ein F. allmählich zu einem Torfmoor um.

Fenn, George Manville, engl. Schriftsteller, geb. 3. Jan. 1831 zu London, wandte sich nach sorgfältiger Erziehung dem Journalismus zu und wurde Mitarbeiter, dann Herausgeber von "Cassel's Magazine" und der Wochenschrift "Once a Week". Nachdem er eine Reihe von Jahren diese Stellung bekleidet, trat er 1866 mit seinem ersten selbständigen Werk: "Featherland", auf, dem er seitdem fast alljährlich einen oder mehrere Romane nachfolgen ließ. Sie empfehlen sich sämtlich, ohne auf den ersten Rang Anspruch zu machen, doch als eine anziehende und gesunde Lektüre; ein besonderes Talent zeigt F. in der scharfen Beobachtung und Behandlung des Lebens der Geistlichen. Dahin gehört namentlich "Eli's children" (1882), vielleicht sein bedeutendster Roman. Zu seinen neuesten Werken gehören: "Middy and ensign" (1883) und "Sweet Mace" (1883).

Fenner von Fenneberg, 1) Johann Heinrich Christoph Matthäus, Mediziner, geb. 25. Dez. 1774 zu Kirchhain in Kurhessen, studierte zu Marburg Medizin, habilitierte sich daselbst als Dozent, ward später Badearzt in Schwalbach, dessen nach langer Blüte in Verfall geratene Bäder erst durch ihn wieder Berühmtheit erlangten, und starb 16. Dez. 1849. Außer vielen Schriften über Schwalbach, Schlangenbad, Selters gab er das "Taschenbuch für Gesundbrunnen und Bäder" (Darmst. 1816-18, 3 Bde.) und mit Döring u. a. die "Jahrbücher der Heilquellen Deutschlands" (Wiesb. 1821-22, 2 Bde.) heraus. Von poetischen Arbeiten veröffentlichte F. unter andern: "Das Gebet des Herrn in vier Gesängen" (Wiesb. 1819) und "Winterblumen" (das. 1819).

2) Ferdinand, Führer der pfälzischen Insurrektion von 1849, geb. 1820 zu Trient, Sohn des österreichischen Feldmarschallleutnants Freiherrn Franz Philipp F. (geb. 1762 zu Salurn in Südtirol, gest. 19. Okt. 1824 zu Jaroslaw in Galizien), war Zögling der Militärakademie zu Wiener-Neustadt, trat im Herbst 1837 als Kadett in die Armee, nahm 1843 als Offizier seinen Abschied und verließ, durch seine Schrift "Österreich und seine Armee" (1847) mißliebig geworden, Österreich, um in Süddeutschland zu leben. Im J. 1848 nach Wien zurückgekehrt, war er während der Wiener Oktoberereignisse Chef der Feldadjutantur bei den Insurgenten und zuletzt Befehlshaber der Nationalgarde neben Messenhauser, gegen den er schließlich agitierte, entfloh nach der Einnahme der Stadt durch die kaiserlichen Truppen und wurde Anfang Mai 1849 Oberbefehlshaber und Chef des Generalstabs des pfälzischen Volksheers. In dieser Eigenschaft entwarf er eine kurze, vom Landesausschuß genehmigte sogen. Heeresordnung, erhielt aber nach dem unglücklichen Versuch einer Überrumpelung der Festung Landau seine Entlassung und ging in die Schweiz. Von Zürich ausgewiesen, wandte er sich nach Nordamerika, wo er seit 1851 zu New York eine deutsche Wochenschrift, "Atlantis", herausgab, sich in Cincinnati mit Journalistik und Privatunterricht ernährte und 1855 beim Polizeigericht daselbst als Dolmetsch, später als öffentlicher Notar angestellt, schließlich Eisenbahndirektor, 1858 aber wegen Geisteskrankheit zum Aufgeben dieser Stellung genötigt wurde. Er ging dann nach Hamburg, von wo aus seine Frau Fenners Amnestierung und die Erlaubnis zum sechsmonatlichen Aufenthalt zu Bregenz in Vorarlberg erwirkte, wo er auch 15. Febr. 1863 starb. F. schrieb: "Geschichte der Wiener Oktobertage" (Leipz. 1849) und "Zur Geschichte der rheinpfälzischen Revolution und des badischen Aufstandes" (2. Aufl., Zürich 1850).

Fennich (Fench), s. Setaria.

Fenrir, in der nord. Mythologie der grimme (heulende Sturmes-) Wolf, der beim Weltuntergang Odin im Kampfe verschlingt und dann von Odins Sohn Widar zerrissen wird, war der Sohn Lokis und Bruder der Hel. Vgl. Götterdämmerung.

Fens ("Sümpfe"), Name einer Marschgegend an der "die Wash" genannten seichten Bucht an der Ostküste Englands, 3100 qkm (46,5 QM.) groß, durch zahlreiche Kanäle entwässert und durch Deiche gegen die Überschwemmungen der Flüsse Ouse, Nen, Welland und Witham geschützt und jetzt eine der fruchtbarsten Gegenden Englands. Die Römer bereits bauten hier die ersten Deiche, aber die größern Kanalbauten datieren vom 17. Jahrh. und wurden durch eine vom Herzog von Bedford gegründete Gesellschaft ausgeführt (daher eine Strecke der "Fehn" Bedford Level heißt). Später (1652) arbeiteten holländische Kriegsgefangene, und ihnen verdankt man den "Holland" genannten Teil der F. In dem Torf, der hier den Thon überlagert, sind Reste von Wäldern und ausgestorbenen Tieren entdeckt worden. Die Städte und Dörfer sind auf Thonhöhen gebaut, die über der flachen Ebene hervorragen. Am wichtigsten sind Ely, March, Whittlesea, Spalding und Boston.

Fenster (lat. Fenestra), Öffnungen in den Umfangswänden der Gebäude, durch welche den innern Räumen derselben Licht und Luft zugeführt werden, und die meist nach Bedürfnis geöffnet und geschlossen werden können. Die Größe richtet sich nach dem Umfang des zu erleuchtenden Raums, das Verhältnis ihrer Höhe zur Breite sowie ihre Form nach dem Stil des Gebäudes. Der Form nach unterscheidet man gewöhnlich viereckige F., deren oberes Begrenzungsstück, der Fenstersturz, wagerecht liegt; Bogenfenster, welche oben mit einem Rund-, Spitz- oder Segmentbogen geschlossen sind; ihrem Zweck nach Kellerfenster, welche meist die Breite der Stockwerksfenster haben, aber niedriger, in der Regel nur ¼ m hoch sind; Oberlichtfenster, die zur Erleuchtung dunkler Räume über Thüren angebracht werden; Balkonfenster, welche keine Brüstung haben, sondern bis zum Fußboden herunterreichen; englische, auch venezianische F., die schmale, viereckige, durch dünne Pfeiler getrennte Nebenfenster haben; englische Schiebfenster, die mit Hilfe von Rollen und Gegengewichten sich auf- und abschieben lassen; Dachfenster, Öffnungen im Dach; Speicher- oder Bodenfenster, Öffnungen im obern Teil der Umfassungswände, welche beide zur Erleuchtung des Dachraums dienen (s. Dachfenster). Fensteröffnungen in massiven Wänden, die ganz aus Steinen gebildet werden, erhalten eine über die Mauerfläche etwas hervorragende Fenstereinfassung, das Fenstergestell, welche aus einer Unterlage, der Sohl- oder Fensterbank, aus zwei senkrecht stehenden seitlichen Einfassungen, den Fenstergewänden (Fensterleibungen), und einer wagerechten oder bogenförmigen Überlage, dem Fenstersturz, besteht, welche zuweilen noch ein Gesims, die Fensterverdachung, trägt. Die Breite der Gewände, der Sohlbank und des