Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ferdinand

140

Ferdinand (Spanien).

Monarchie F. V., einziger Sohn des Königs Johann II. von Aragonien, geb. 10. März 1452 zu Soz, ward bereits 1466 zum Mitregenten von Aragonien und 1468 zum König von Sizilien ernannt und vermählte sich 1469 mit der Infantin Isabella von Kastilien. Nach dem Tod Heinrichs IV. (des Unvermögenden), Königs von Kastilien (1474), übernahmen F. und Isabella die Regierung von Kastilien, die sie durch die Schlacht von Toro 1476 gegen portugiesische Einmischung verteidigten. Als Ferdinands Vater Johann 1479 starb, ward Aragonien mit Kastilien zu dem spanischen Reich vereinigt; doch sollte in kastilischen Angelegenheiten lediglich Isabella die königliche Entscheidung haben. Ein Reihe großer Minister, Mendoza, Jimenes, Gonzalo de Cordova u. a., und ein glückliches Zusammentreffen von Weltereignissen, verbunden mit der staatsmännischen Begabung und Tüchtigkeit des Königspaars, bewirkten unter dessen Regierung einen raschen Aufschwung Spaniens; vornehmlich aber war es die Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit Ferdinands, die damals zu der europäischen Großmachtsstellung der spanischen Monarchie den Grund gelegt. Ein Hauptstreben Ferdinands und Isabellas war auf Verstärkung der königlichen Gewalt gegenüber dem Adel und der Geistlichkeit und auf Wiedererwerbung der in die Hände der großen Vasallen gekommenen Kronbesitzungen gerichtet; im übrigen ward strenge Justiz gehandhabt und das Gerichtswesen namentlich durch Einführung der "heiligen Hermandad" verbessert. Großen Zuwachs an Revenuen und Einfluß gewährte die Vereinigung der Großmeistertümer der drei geistlichen Ritterorden mit der Krone, welche infolge davon dem Adel um so energischer gegenübertreten konnte. Auch auf das kirchliche Benefizienwesen wußten die katholischen Könige ihren Einfluß geltend zu machen; das wichtigste Institut war aber die Inquisition, jenes Glaubensgericht, das, im 13. Jahrh. eingerichtet, dann in Verfall geraten, damals aufs neue Lebenskraft erhielt. Das Tribunal der Inquisition war von der Krone abhängig und diente gleichzeitig kirchlichen wie politischen Zwecken. Die langen Kriege mit den Mauren wurden damals glücklich zu Ende geführt. Granada fiel 1492 den katholischen Königen in die Hände. Seit Kolumbus die Neue Welt für Spanien entdeckt hatte, übte dies die Herrschaft zu Lande und zur See an den östlichen und westlichen Küsten des Atlantischen Ozeans fast widerspruchslos aus. Durch Teilnahme an der allgemeinen Politik von Europa, in welcher er sich als meisterhafter Diplomat bewährte, errang F. für Spanien die größten Erfolge; 1492 kam er in den Besitz der Grafschaften Roussillon und Cerdaña, 1495 bildete er die große antifranzösische Liga; durch geschickte Verhandlungen bewog er Frankreich zu einer Teilung des Königreichs Neapel, welches die beiden Mächte 1501 gemeinsam besetzten, schon 1503 aber bemächtigte sich F. des ganzen Reichs (als König von Neapel F. III.); 1512 endlich eroberte er auch das lange schon umworbene Navarra. So war auf der Pyrenäischen Halbinsel eine Staatseinheit geschaffen und nach allen Seiten abgerundet, zugleich aber auch der Süden Italiens dem Reich hinzugefügt. Die Pläne Ferdinands gingen noch auf eine Verschmelzung Portugals und Erweiterung der Besitzungen in Italien; was er hierfür vorbereitet, kam nicht vollständig zur Ausführung. F. und Isabella hatten einen Sohn und vier Töchter; der Sohn starb jung, die älteste Tochter war mit dem portugiesischen Thronfolger verheiratet und nach seinem Tod mit dem portugiesischen König Emanuel. Die gehoffte Vereinigung Spaniens und Portugals aber schlug fehl, weil sowohl die Prinzessin als ihr einziges Kind bald starben. Nun war die zweite Tochter, Johanna, die Erbin Spaniens; sie war vermählt mit dem habsburgischen Erzherzog Philipp. Nachdem die Königin Isabella 1504 gestorben, vermählte sich F. zum zweitenmal mit der Gräfin Germaine de Foix, einer Schwestertochter des Königs Ludwig XII. von Frankreich. Da Philipp, der 1504 die Regierung von Kastilien angetreten hatte, schon 1506 starb und Johanna wahnsinnig ward, so kam die Regierung über Kastilien zuletzt noch einmal an F. Er starb 23. Jan. 1516 in Madrigalejo. Ihm folgte in Spanien Karl I., als deutscher Kaiser Karl V. Vgl. Prescott, Geschichte der Regierung Ferdinands und Isabellas von Spanien (deutsch, Leipz. 1842, 2 Bde.).

30) F. VI., König von Spanien, dritter Sohn König Philipps V. aus dessen erster Ehe mit Maria Ludovika Gabriele von Savoyen, geb. 23. Sept. 1712, folgte seinem Vater 10. Aug. 1746. Wohlwollend, aber schwach, überließ er die Regierung seinem Günstling, dem Kastraten Farinelli, und den Ministern, unter welchen längere Zeit Carvajal und Enseñada einen wohlthätigen Einfluß ausübten und namentlich für die materiellen Interessen und die Finanzen sorgten. Weniger günstigen Einfluß übte der Irländer Richard Wall seit 1754 aus. Nach dem Tod seiner Gemahlin Maria Barbara von Portugal (1758) zog sich F. nach Villa Viciosa zurück und gab sich einer trüben Melancholie hin, die endlich in völligen Blödsinn ausartete. Er starb 10. Aug. 1759 kinderlos.

31) F. VII., König von Spanien, Sohn König Karls IV. und der Maria Luise von Parma, geb. 14. Okt. 1784, erhielt unter der Leitung Godoys (des "Friedensfürsten") eine nur auf Jagd und sinnliche Zerstreuung gerichtete Erziehung. Sein Charakter war finster und verschlossen. 1801 ward er mit Antoinette Therese, einer Tochter des nachmaligen Königs beider Sizilien, Ferdinand I., vermählt; doch erlag dieselbe schon 1806 den Kränkungen, die ihr namentlich von seiten der Königin und des Friedensfürsten zugefügt wurden. Als Gegner des letztern genoß F. schon als Prinz von Asturien beim Volk große Liebe und Zuneigung. Teils aus Haß gegen Godoy, teils beeinflußt von den unzufriedenen Großen und von dem Priester Escoiquiz, der ihm Besorgnisse einflößte, von seinen ihm feindlich gesinnten Eltern von der Thronfolge ausgeschlossen zu werden, knüpfte F. Verbindungen mit Beauharnais, dem damaligen französischen Gesandten in Madrid, an und trat selbst mit Napoleon I. in Briefwechsel, dem er in einem Schreiben vom 11. Okt. 1807 den Wunsch zu erkennen gab, sich mit der ältesten Tochter Lucian Bonapartes zu vermählen. Verraten, ward er 18. Okt. 1807 im Escorial verhaftet und 30. Okt. in einem königlichen Manifest des Hochverrats beschuldigt, worauf er sich völlig zerknirscht unterwarf und seine Mitschuldigen preisgab. Als infolge der Nachricht von dem Fluchtplan der königlichen Familie 18. März 1808 die Empörung gegen Godoy in Aranjuez zum Ausbruch kam und Karl IV. 19. März der Krone zu gunsten Ferdinands entsagte, wurde F. vom Volk mit Jubel als König begrüßt. Schon wenige Tage später aber erklärte Karl IV. auf Veranlassung Murats seine Thronentsagung für erzwungen, und Napoleon beanstandete die Anerkennung Ferdinands als König, lud aber denselben zu einer Unterhandlung nach Bayonne ein. Hier gab F. nach längerm Sträuben 6. Mai die Krone seinem Vater zurück und stellte sich unter den Schutz Napoleons, der ihm das Talleyrandsche Schloß