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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fergusson; Feriana; Feriatus; Ferien

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Fergusson - Ferien.

(Edinb. 1792, 2 Bde.; deutsch von Schreiter, Zür. 1795, 2 Bde.).

Fergusson (spr. förgössen), 1) Robert, schott. Dichter, geb. 17. Okt. 1751 zu Edinburg, studierte in seiner Vaterstadt und in St. Andrews Theologie, sodann die Rechte, nährte sich geraume Zeit kümmerlich als Abschreiber und Humorist, ergab sich dabei dem Trunk und starb 16. Okt. 1774 im Irrenhaus. Seine Dichtungen fallen in die Jahre 1771-74. Der größte Teil derselben ist im schottischen Dialekt geschrieben und zeigt einen echt poetischen Sinn. F. gilt als der Vorläufer von Burns, der sich an ihm bildete. Seine gesammelten Dichtungen erschienen Edinburg 1773; Perth 1789, 2 Bde.; spätere Ausgaben (mit Biographie) besorgten Dav. Irving (Glasg. 1800), Peterkin (Edinb. 1807) und Fullarton (Greenock 1810 u. öfter). Einzelnes übersetzte Ed. Fiedler in seiner "Geschichte der volkstümlichen schottischen Liederdichtung" (Zerbst 1846).

2) James, engl. Architekt und Schriftsteller auf dem Gebiet der Baukunst, geb. 1808 zu Ayr in Schottland, widmete sich zuerst dem Kaufmannsstand und lebte mehrere Jahre in Indien. Zum Studium der ältern Baukunst machte er dann Reisen im Orient, als deren Frucht sein Werk "Illustrations of the rockcut temples of India" (Lond. 1845, von ihm selbst illustriert) erschien. Später folgten: "Essay on the ancient topography of Jerusalem" (1847); "Picturesque illustrations of ancient architecture in Hindostan" (1848) und "Historical inquiry into the true principles of art" (1849) als erster Teil eines großen, auf drei Bände berechneten allgemeinen Werkes über die alte Kunst bei den Hindu, Mohammedanern, Goten etc. Das hierzu gesammelte Material hat er später auch zu dem "Illustrated handbook of architecture" (1855, 2 Bde.) benutzt. Gleichzeitig erschien eine kleinere Schrift: "Essay on a proposed new system of fortification", worin er ein neues Befestigungssystem aufstellte, das von militärischen Autoritäten gerühmt ward und bei Sebastopol und im amerikanischen Unionskrieg Anwendung gefunden hat. Einer andern kleinern Schrift: "Observations on the British Museum", voll praktischer Vorschläge zur Verbesserung des Britischen Museums etc., ließ F., der zugleich Erbauer des Ninivehofs im Kristallpalast ist, folgen: "The palaces of Niniveh and Persepolis restored" (1851); "The peril of Portsmouth, or French fleets and English forts" (1852), wogegen Oberstleutnant Joshua Jepp sein Pamphlet "A flying shot at F. and his 'Peril of Portsmouth' etc." schrieb, welches F. mit "Portsmouth protected" erwiderte. Er schrieb ferner: "Notes on the site of the holy sepulchre at Jerusalem" (1861); "History of the modern styles of architecture" (1862, 2. Aufl. 1873); "The mausoleum at Halicarnassus" (1862); "History of architecture in all countries" (2. Aufl. 1874 ff., 4 Bde.); "The holy sepulchre and the temple of Jerusalem" (1865); "On the study of Indian architecture" (1867); "Tree and serpent worship; mythology and art in India" (1868); "Rude stone monuments in all countries" (1872); "Cave temples in India" (1880); "The Parthenon" (1883); "The temple of Diana at Ephesus" (1883) etc. Er starb 9. Jan. 1886 in London.

3) Sir William, Chirurg und Anatom, geb. 20. März 1808 zu Prestonpans in Schottland, studierte zu Edinburg, begann 1831 Vorlesungen über Anatomie, wurde 1836 Chirurg an der Royal Infirmary und ging 1840 als Professor der Chirurgie am King's College und als Chirurg am Hospital dieses Instituts nach London. 1870 wurde er zum Präsidenten des Royal College of Surgeons erwählt, eine Zeitlang fungierte er dort als Professor der Chirurgie und Anatomie und als Examinator an der Universität, wurde Leibchirurg der Königin und starb 10. Febr. 1877 in London. Er schrieb über Lithotomie und Lithotritie, Aneurysmen etc. und erfand zahlreiche chirurgische Instrumente. Sein Hauptwerk ist das "System of practical surgery" (5. Aufl., Lond. 1870); "Lectures on the progress of anatomy and surgery" erschienen 1867. Seine Biographie schrieb H. Smith (Lond. 1877).

Feriana, ärmliches Dorf im südlichen Tunis mit einem ungeheuern Ruinenfeld (Medinet el Kedima), den Resten der römischen Kolonie Thelepte.

Feriatus (lat.), frei von Geschäften; tempus feriatum, geschlossene Zeit in Bezug auf Trauungen.

Ferien (Feriae), bei den alten Römern allgemeiner Name der Feiertage, an welchen die Geschäfte ruhten, Opfer dargebracht, Gastmähler gehalten oder Spiele veranstaltet wurden. Man unterschied zunächst Feriae publicae und privatae, je nachdem sie von Staats wegen angeordnet waren oder nur einzelne Familien angingen. Von erstern gab es wiederum drei Arten: 1) Feriae stativae oder legitimae, die stehenden und an bestimmten Monatstagen wiederkehrenden Feste, wohin z. B. die Nundinae (s. d.) gehörten; ^[richtig: 2)] Feriae conceptivae, die beweglichen, welche zwar jährlich, aber nicht an bestimmten Tagen, sondern nach jedesmaliger obrigkeitlicher oder priesterlicher Anordnung gefeiert wurden, wie die Feriae Latinae (das große Fest, welches alljährlich dem Jupiter Latiaris als dem Schirmherrn des Latinerbundes zu Ehren gefeiert wurde) und Sementivae (das Saatfest der Römer), die Paganalien und Kompitalien; 3) Feriae imperativae, die außerordentlichen, die bei gewissen Veranlassungen vom Senat angeordnet wurden, z. B. die Supplikationen, bei besondern Gelegenheiten veranstaltete Bitt- und Dankfeste etc. Kaiser Claudius beschränkte die allzusehr angewachsene Zahl der Feriae publicae. Die Feriae privatae waren teils Feste und Opfer, die von gewissen Geschlechtern an bestimmten Tagen des Jahrs begangen wurden, teils solche, die in jeder Familie vorzukommen pflegten, wie Geburtstage, Totenfeste (Feriae denicales) etc. Durch Mommsens Bearbeitung der Fasti im "Corpus inscriptionum latinarum" (Bd. 1) ist der römische Festkalender für das ganze Jahr klargestellt worden. Feriae forenses (Gerichtsferien) waren bei den alten Römern die Dies festi und nefasti, später besonders je 30 Tage im Sommer und Herbst, der Anfang des bürgerlichen Jahrs, die Gründungstage Roms (21. April) und Konstantinopels (11. Mai), die Tage der Geburt und des Regierungsantritts des Kaisers, die sieben Tage vor und nach Ostern, alle Sonn- und christlichen Festtage (weiteres s. Gerichtsferien). - Später ging das Wort F. in den römischen Kirchenkalender über und bezeichnete zunächst Tage, die zur Ehre Gottes oder eines Heiligen gefeiert wurden (daher Feriales libri, die Bücher, in denen die Feste der Märtyrer verzeichnet waren), seit Papst Silvester I. aber alle Tage der Woche, weil die ältesten Christen außer dem Sonntag noch den Mittwoch und Freitag als Tage des Gebets zu feiern pflegten und, um beide Wochentage zu unterscheiden, den einen Feria quarta, d. h. den Feiertag, welcher der vierte Wochentag war, und den andern Feria sexta, d. h. den Feiertag, welcher der sechste Wochentag war, nannten. Natürlich zogen diese beiden Benennungen auch die Feria secunda