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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ferienkammer - Fermate.

für Montag, Feria tertia für Dienstag etc. nach sich. Sonntag und Sonnabend jedoch behielten meist die Namen Dominica (s. d.) und Sabbatum (s. d.). Daher Feriale officium (Tagzeiten), die in den Brevieren den katholischen Geistlichen für bestimmte Stunden der einzelnen Wochentage vorgeschriebenen Gebete. Über die an Lehranstalten und Universitäten eingeführten F., d. h. die Zeiträume, in welchen keine Unterrichtsstunden oder Vorlesungen stattfinden, s. Schulferien und Universität.

Ferienkammer, s. Gerichtsferien.

Ferienkolonien, wohlthätige Veranstaltungen, um schwächlichen Schulkindern bedürftiger Eltern, besonders aus größern Städten, während der schulfreien Sommerwochen einen zuträglichen Landaufenthalt zu gewähren. Die erste Anregung dazu gab der Züricher Pfarrer Bion, der 1876 eine Anzahl ärmerer Stadtkinder mit dem besten Erfolg bei seiner frühern Gemeinde in einem Appenzeller Waldthal unterbrachte. In Deutschland folgte bald eine Reihe ähnlicher Versuche in Basel, Frankfurt, Berlin, Leipzig, Breslau etc., und in wenigen Jahren hat sich die vom christlich-humanen wie vom volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt aus gleich empfehlenswerte Einrichtung der F. fast über die ganze gebildete Welt verbreitet. Im Mai 1880 regte der preußische Minister Falk alle ihm unterstellten Schulbehörden zur Förderung der Sache an, und im November 1881 trat unter seinem Vorsitz ein deutscher Verein für F. in Berlin zusammen. Heute wird kaum eine größere Stadt in Deutschland sein, die nicht eine Anzahl dessen bedürftiger Kinder ausschickte. Mit erheblich größern Mitteln und in erheblich weiterm Umfang geschieht dies in England und Nordamerika (New York 10,000 Kinder jährlich), wogegen dort aber auch der Gesichtspunkt der Einfachheit oft aus den Augen gesetzt wird, den man mit Recht bei uns betont. Die deutschen F. gehen wohl alle aus freier Vereinsthätigkeit hervor, die aber auf freiwillige Mitthätigkeit der Lehrer und Lehrerinnen angewiesen ist. Sie nehmen die Anmeldungen entgegen und bringen die, welche dazu geeignet erscheinen, an den hierfür bestellten Ausschuß. Dieser besorgt mit ärztlichem Beirat die endgültige Auswahl und überwacht und vervollständigt die nötige Ausrüstung der Kleinen. Dann ziehen diese in Rotten von 12-20 unter je einem Lehrer oder einer Lehrerin in ihr Sommerquartier, das kein Badeort sein und womöglich nicht mehrere Rotten aufnehmen soll. Die Lebensweise sei gesund ohne Verweichlichung, die Ernährung gut, reichlich, aber ohne Verwöhnung. Die heimkehrenden Kinder werden wiederum ärztlich untersucht, gewogen etc., wobei sich meist sehr günstige Ergebnisse zeigen. Für eigentlich kranke oder nach einer bestimmten Richtung hin kränkliche Kinder sind in ähnlicher Weise neuerdings an Badeorten, an der See etc. Kinderheilstätten (s. d.) errichtet worden.

Feriensachen s. Gerichtsferien.

Feriensenate s. Gerichtsferien.

Ferik, in der türk. Armee s. v. w. Division, daher F.-Pascha, s. v. w. Divisionsgeneral.

Feriñase (spr. -njase), Stadt im Departement Lambayaque der südamerikan. Republik Peru, hat ausgedehnten Reisbau und (1876) 7043 Einw. Eine Eisenbahn verbindet es mit Eten.

Ferío, bei den alten Logikern Bezeichnung des vierten Schlußmodus der ersten Figur, wobei der Obersatz allgemein verneint, der Untersatz besonders bejaht und der Schlußsatz besonders verneint (EIO). Beispiel: Kein Tier ist vernünftig, Esel und Schaf sind Tiere, also sind Esel und Schaf nicht vernünftig. Vgl. Schluß.

Ferison, bei den alten Logikern Bezeichnung des sechsten Schlußmodus der dritten Figur, wobei der Obersatz allgemein verneint, der Untersatz besonders bejaht und der Schlußsatz besonders verneint (EIO). Beispiel: Kein Mensch ist unsterblich, einige Menschen sind Fürsten, also ist kein Fürst unsterblich. Vgl. Schluß.

Ferkel, junges Schwein von der Geburt bis zum Ablauf des ersten Viertel- oder Halbjahrs.

Ferkellähme, s. Lähme.

Ferlach (Ober- und Unter-F.), Ortschaft im österreich. Herzogtum Kärnten, Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt, mit Bezirksgericht, gewerblicher Fortbildungsschule, Eisendrahtfabrik, ansehnlicher Fabrikation von Jagdgewehren, Fachschule, Lehrwerkstätte und Probieranstalt für diese Industrie und (1880) 888, resp. 340 Einw.

Ferleiten, s. Fuscher Thal.

Ferm (franz., lat. firmus), fest, sicher.

Fermail (franz., spr. -maj), Schnalle, Spange; fermailliert, mit Spangen versehen (z. B. von Büchern).

Ferma in posta (ital.), postlagernd.

Fermân (pers.), Dekret oder Befehl der mosleminischen Fürsten, durch den Großwesir erlassen und in der Türkei mit der Tura (dem arabeskisch verschlungenen Namenszug des Sultans) versehen, wird im ganzen türkischen Reich respektiert, ja vom Empfänger vor dem Lesen stets ehrfurchtsvoll an die Stirn gedrückt.

Fermanagh (spr. fermána), Binnengrafschaft in der irischen Provinz Ulster, umfaßt einen Flächenraum von 1691 qkm (30,7 QM.) mit (1881) 84,878 Einw. (1871: 105,372), darunter 47,359 Katholiken. Der Fluß Erne bildet die schönen, fischreichen Seen von Erne (Lough Erne) und teilt die Grafschaft in zwei Hälften. Die westliche Hälfte besteht größtenteils aus einem unwirtbaren, aber an Naturschönheiten reichen Gebirgsland, welches im Cuilcagh eine Höhe von 667 m erreicht. Östlich von den Seen erstreckt sich eine weite Thalebene bis an den Fuß der Hügel, welche gegen die Grenze hin ansteigen (Slieve Beagh, 383 m). Ackerbau und Viehzucht bilden die Hauptbeschäftigung. Etwa 23,3 Proz. der Oberfläche sind angebaut; 51,5 Proz. bestehen aus Weideland, 1,1 Proz. aus Wald, und 10 Proz. werden von Gewässern bedeckt. An Vieh zählte man 1881: 6950 Pferde, 4088 Esel, 91,780 Rinder, 6691 Schafe und 16,851 Schweine. Die Industrie ist nur wenig entwickelt. Die Eisen- und Steinkohlenlager bleiben unbenutzt. Hauptstadt und einziger Ort von Bedeutung ist Enniskillen.

Fermat (spr. ferma), Pierre, Mathematiker, geb. 1601 zu Beaumont de Lomagne bei Montauban, starb als Parlamentsrat in Toulouse 12. Jan. 1665. Von seinen zahlreichen, größtenteils höchst bedeutenden Arbeiten veröffentlichte er selbst fast nichts; doch enthalten vieles hierher Gehörige die Briefe von Descartes sowie die Werke von Wallis (Bd. 2) und von Pascal. Sein Sohn gab 1670 die "Arithmetica" des Diophantus lateinisch mit den Anmerkungen seines Vaters sowie 1679 "Varia opera mathematica" desselben heraus. Fermats Forschungen bezogen sich hauptsächlich auf Zahlentheorie und unbestimmte Analytik. In der Phvsik suchte er mehrere Theoreme, so das von der Gleichheit des Einfalls- und Reflexionswinkels, durch Räsonnement zu beweisen. Vgl. Taupiac, F. notice biographique (Montauban 1879).

Fermate (ital.), das musikal. "Haltezeichen" (◠). Die F. verlängert die Dauer einer Note oder Pause in unbestimmtem Maß; nicht selten findet sie sich auch