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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ferrara; Ferrara-Majoliken; Ferrari

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Ferrara - Ferrari.

kannte. Wie in den meisten andern Kommunen Ober- und Mittelitaliens, rangen seit dieser Zeit auch hier zwei Adelsfraktionen um die Herrschaft. An ihrer Spitze standen die beiden mächtigsten Familien der Gegend, die Salinguerra Torelli und die Adelardi, die ihren Einfluß dadurch befestigten, daß sie das Kapitanat des Volkes, die oberste Exekutivbehörde der Kommune neben dem Rat oder Consiglio, längere Zeit hindurch zu behaupten wußten. Von diesen vertraten die Torelli das ghibellinische oder kaiserliche, die Adelardi das guelfisch-päpstliche Interesse. In dem Kampfe Friedrich Barbarossas gegen die Kommunen stand F. auf der Seite der letztern und war Mitglied des lombardischen Städtebundes. Dieser Umstand begründete für längere Zeit das Übergewicht der guelfischen Adelardi, die bald auch das Podestat der Stadt, d. h. die mit weitreichenden Befugnissen ausgestattete oberste Administrativ- und richterliche Würde, erlangten. Gegen Ende des 12. Jahrh. errang die auf Herzog Wels ihren Ursprung zurückführende Familie der Este den größten Einfluß auf die Leitung der städtischen Angelegenheiten und behauptete denselben durch weise Förderung der städtischen Interessen wie durch Unterwerfung des umliegenden Gebiets unter das Gebot der Stadt. Während der Kämpfe Friedrichs II. mit der Kirche und den Kommunen trat F. auf Seite des erstern und vertrieb den Guelfen Azzo von Este, wurde aber von diesem 1240 wieder unterworfen und nach Bezwingung der ghibellinischen Torelli seitdem ständig von den Este behauptet, erst als Podestas und Kriegsführern, dann als faktischen Oberherren, die bald den Titel Markgrafen von F. annahmen. 1329 ward Aldobrandino II. von Este vom Papst mit dem Vikariat F. belehnt. 1471 erhob Paul II. den Markgrafen Borso zum erblichen Herzog von F., und die Este schlugen nun ihre Residenz in F. auf, das sie zu einem glänzenden Fürstensitz umschufen. (Weiteres s. Este.) Beim Erlöschen des Hauptstammes der Este mit Alfons II. (1597) zog Clemens VIII. das Herzogtum als erledigtes Lehen ein und schlug es zum Kirchenstaat. Im Januar 1438 wurde hier von Eugen IV. ein Konzil zur Wiedervereinigung der griechischen mit der römischen Kirche eröffnet, dem Kaiser Michael IV. Paläologos persönlich beiwohnte, das indes, im Januar 1439 nach Florenz verlegt, erst dort zum gewünschten Abschluß gedieh. 1735 erhob Papst Clemens XII. das Bistum F. zu einem Erzbistum. Von 1796 an, wo F. von den Franzosen eingenommen wurde, bildete es erst einen Teil der Cisalpinischen Republik, dann (von 1805 bis 1814) des Königreichs Italien, kam aber durch den Wiener Kongreß bis auf den im Norden des Po liegenden und mit dem Lombardisch-Venezianischen Königreich vereinigten Teil wieder unter die Herrschaft des Papstes. Die Österreicher erhielten das Besatzungsrecht in der Citadelle von F. und hielten dieselbe mit einer kurzen Unterbrechung 1849-1859 besetzt. Nach dem Abzug der Österreicher nach der Schlacht bei Magenta riß sich F. 1859 vom Kirchenstaat los und wurde nebst der Romagna mit dem Königreich Italien vereinigt.

Ferrara, Francesco, ital. Nationalökonom, geboren im Dezember 1810 zu Palermo, ward 1834 Chef des Statistischen Büreaus von Sizilien und gründete das "Giornale di Statistica". Da er sich 1847 an der Bewegung für die Unabhängigkeit Siziliens beteiligt hatte, wurde er in die Citadelle zu Palermo gesperrt, im folgenden Jahr aber befreit und zum Mitglied der provisorischen Regierung erwählt. Nach Turin gesandt, um dem Herzog von Genua die Krone Siziliens anzubieten, verblieb er hier nach Beendigung der Revolution und übernahm auf Anregung Cavours den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der dortigen Universität, später an derjenigen zu Pisa. Als Finanzminister 1867 in das Kabinett Rattazzi berufen, aber schon nach wenigen Monaten von seinem Amt zurückgetreten, nahm er noch längere Zeit als Mitglied der Finanzkommission der Kammer, gegenwärtig des Senats, regen Anteil an der Gestaltung der italienischen Finanzen. Seit 1868 ist F. Direktor der Oberhandelsschule in Venedig. Von den von ihm veröffentlichten Werken sind hervorzuheben: "Importanza dell' economia politica" (Turin 1849); "Biblioteca dell' economista" (1850-68, 2 Serien in 27 Bdn.). Ein größeres Werk: "Il trattato di economia politica", an welchem er über 20 Jahre gearbeitet hat, harrt der Veröffentlichung.

Ferrara-Majoliken, Thonwaren von milchweißer Farbe, welche im 15. und 16. Jahrh. in Ferrara angefertigt und meist mit Grotesken, aber auch mit Figuren dekoriert wurden.

Ferrari, 1) Gaudenzio, ital. Maler, geboren um 1481 zu Valduggia im Sesiathal (Piemont), bildete sich nach Stefano Scotto, B. Luini und Leonardo da Vinci, war 1515-18 in Novara, 1521 in Vercelli, bis 1524 in Varallo und von da ab in Mailand thätig, wo er 1546 oder 1547 starb. Während seine frühern Werke noch an die ältere Schule erinnern, zeigt sich in seinen spätern das Studium Leonardos; dabei macht sich immer ein energischer Naturalismus geltend. Seine Farbe ist sehr kräftig, obwohl häufig bunt, seine Komposition meist überladen oder doch unharmonisch. Unter seinen Werken sind zu nennen: ein Tafelbild der Kreuztragung auf dem Hochaltar zu Canobbio am Lago Maggiore, ein prächtiges Tafelwerk in San Gaudenzio zu Novara (1514-15), ein andres in Busto Arsizio bei Mailand. Im Refektorium von San Paolo in Vercelli malte er ein Abendmahl, welches den Einfluß von Leonardo da Vincis bekannter Darstellung zeigt. In der Kirche zu Saronno schmückte er die Kuppel mit einer derb-kräftigen Engelsglorie. Zahlreiche bedeutende Werke von ihm befinden sich zu Varallo in Piemont. Die frühsten in den Kirchen Santa Maria in Loreto und San Marco verraten noch die alte lombardische Schule. Bedeutender sind die Fresken in der Franziskanerkirche Santa Maria delle Grazie daselbst, die unter anderm auf der Wand über dem Chor die Passion, in der Kapelle links unter dieser Chorwand die Darstellung im Tempel und Christus unter den Schriftgelehrten darstellen. Vieles von F. befindet sich auch in den 40 Kapellen des Sacromonte zu Varallo. Außerhalb Italiens kommen sehr selten Werke von F. vor; in Paris befindet sich ein heil. Paulus, in Berlin eine Verkündigung Mariä. Vgl. Colombo, Vita ed opere di Gaudenzio F. (Turin 1881).

2) Lodovico, Mathematiker, geb. 2. Febr. 1522 zu Bologna, gest. 1565 daselbst, war Professor der Mathematik in Mailand und Bologna, fand auf Anregung seines Lehrers Cardano die Auflösung der Gleichungen vierten Grades und führte große geodätische Vermessungen in Oberitalien aus.

3) Bartolommeo, ital. Bildhauer, geb. 18. Juli 1780 zu Marostica bei Vicenza, widmete sich der Bildhauerkunst unter der Leitung seines Oheims Torretti und setzte seine Studien später in Venedig fort, wo er Schiffsfiguren im Arsenal und Kruzifixe und Heiligengestalten in Holz schnitzte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Florenz kehrte er wieder nach Venedig zurück und war hier vorzugsweise auf dem Gebiet der