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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ferruminieren; Ferry; Ferry-Port on Craig; Fersach; Fersala; Ferse; Fersen; Fersenbein; Ferstel

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Ferruminieren - Ferstel.

Ferruminieren (lat.), zusammenschweißen, -kitten; Ferrumination, Zusammenschweißung.

Ferry, 1) (F. de Bellemare) Gabriel, franz. Schriftsteller, geb. 1809 zu Grenoble, unternahm mehrere Reisen in Amerika und kam auf der Fahrt nach Kalifornien 5. Jan. 1852 beim Brande des Schiffs Amazone ums Leben. Von seinen Werken, die zuerst in der "Revue des Deux Mondes" erschienen und meist auch ins Deutsche übersetzt wurden, nennen wir: "Le coureur des bols" (deutsch, Halle 1851); "La chasse aux Cosaques" (deutsch, Braunschw. 1853); "Costal l'Indien" (deutsch, Leipz. 1853); "Scènes de la vie militaire en Mexique" (deutsch, Halle 1860) und "Les Squatters" (deutsch, Sondersh. 1860).

2) Jules, franz. Politiker, geb. 5. April 1832 zu St.-Dié (Vogesen), ward 1851 Advokat beim Barreau von Paris, trat 1865 in die Redaktion des "Temps" ein und veröffentlichte in diesem Journal mehrere durch Schärfe und Freimut ausgezeichnete Artikel gegen die schlechte Munizipalverwaltung von Paris, die er unter dem Titel: "Comptes fantastiques d'Haussmann" 1865 gesammelt herausgab. 1869 in den Gesetzgebenden Körper gewählt, gehörte er hier zu den heftigsten Oppositionsmitgliedern und forderte die Auflösung der Versammlung, da sie, unter dem Druck der offiziellen Kandidaturen gewählt, die Majorität des Landes nicht mehr repräsentiere. Am 4. Sept. 1870 wurde er Mitglied der Regierung der nationalen Verteidigung, 5. Sept. Sekretär derselben und 6. Sept. Präfekt des Seinedepartements. Bei dem sozialdemokratischen Aufstand vom 31. Okt. wurde er gefangen genommen, aber durch die Nationalgarde befreit und 15. Nov. an Stelle des abtretenden Arago zum Maire von Paris ernannt. Im Februar 1871 wurde er zum Mitglied der Nationalversammlung erwählt und nach Unterdrückung des Kommuneaufstandes 24. Mai von Thiers zum Seinepräfekten ernannt, trat aber nach zehn Tagen von diesem Posten zurück. Im Mai 1872 zum Gesandten in Athen ernannt, gab er schon 1873 nach dem Rücktritt Thiers' seine Entlassung. Er gehörte seitdem in der Nationalversammlung und seit 1876 in der Deputiertenkammer zu den Führern der republikanischen Linken und übernahm 4. Febr. 1879 in dem von Waddington gebildeten Ministerium das Portefeuille des Unterrichts. Er verwaltete dasselbe mit Geschick und führte wichtige Reformen ein. Seine wichtigste, aber auch mühevollste Leistung war die Durchdringung der antiklerikalen Unterrichtsgesetze, die ihm erst 1880 gelang, zu welchem Zweck er auch nach Waddingtons Rücktritt im Ministerium blieb. Als Freycinet seine Entlassung nahm, trat F. 24. Sept. 1880 an die Spitze des Kabinetts. Im November 1881 verzichtete er auf seinen Posten als Ministerpräsident zu gunsten Gambettas, übernahm im Kabinett Freycinets 30. Jan. 1882 wieder das Portefeuille des Unterrichts und bildete, nachdem Freycinet im Juli 1882 und Duclerc im Januar 1883 gestürzt worden, 21. Febr. 1883 ein neues opportunistisches Ministerium, in dem er zuerst den Unterricht, dann das Auswärtige verwaltete. Während F. im Innern die Republik zu befestigen suchte und zu diesem Zweck auch die von den Opportunisten und Radikalen gewünschte Verfassungsrevision nebst der Listenwahl durchführte, stellte er nach außen hin ein freundlicheres Verhältnis zu Deutschland her, mit dem er sich zur Wahrung der europäischen Interessen in Ägypten und Westafrika verband, und wendete die ganze Kraft Frankreichs nach Hinterindien zur Unterwerfung Anams und zur Eroberung Tongkings. Er begann sogar 1884 einen Krieg gegen China, der freilich keine raschen und durchgreifenden Erfolge aufzuweisen hatte. Schon hatte er aber einen im ganzen günstigen Frieden mit China eingeleitet, als er infolge eines Mißgeschicks der französischen Truppen in Tongking durch die plötzlich aufwallende Entrüstung in der öffentlichen Meinung und in der Kammer 30. März 1885 gestürzt wurde.

Ferry-Port on Craig (spr. krägg, auch Tayport), Stadt in der schott. Grafschaft Fife, 5 km unterhalb Dundee, an der Mündung des Firth of Tay, Broughty-Ferry gegenüber, mit Hafenanlage, Seebad, Lachsfang und (1881) 2630 Einw.

Fersach (pers., ursprünglich Ferseng), ein Längenmaß, ungefähr der deutschen geographischen Meile gleich; in Mittelasien Tasch ("Stein") genannt. F.-â'chary, in der Türkei s. v. w. Myriameter.

Fersala, Stadt, s. Pharsalos.

Ferse, s. Färse.

Ferse (Calx), der hintere hervortretende Teil des Fußes, auf welchem im Stehen die Last des Körpers hauptsächlich ruht; s. Bein und Fuß.

Ferse, Fluß im preuß. Regierungsbezirk Danzig, in den Kreisen Berent und Stargard, kommt aus einem See östlich von Berent, läuft in südöstlicher Richtung und mündet bei Mewe im Regierungsbezirk Marienwerder in die Weichsel; 112 km lang.

Fersen, Hans Axel, Graf von, schwed. Reichsmarschall, Sprößling einer alten baltischen Familie, geb. 4. Sept. 1755 zu Stockholm, Sohn des Grafen Friedrich Axel von F., eines der Häupter der Adelspartei der Hüte, machte als Oberst des französischen Regiments Royal Suédois den amerikanischen Krieg mit, begleitete 1791 aus schwärmerischer Liebe zur Königin Marie Antoinette, als Kutscher verkleidet, die königliche Familie auf der Flucht nach Varennes, kehrte sodann nach längerm Aufenthalt in Wien, Dresden und Berlin nach Schweden zurück und ward hier vom König Gustav IV. zum Großmeister seines Hauses, zum Kanzler der Universität Upsala und zum Reichsmarschall ernannt. F. war längst beim Volk verhaßt, und als er nach dem Tode des von Karl XIII. adoptierten Kronprinzen Christian August öffentlich beschuldigt wurde, mit seiner Schwester, der Gräfin Piper, und mehreren andern Großen den plötzlichen Tod des Prinzen veranlaßt zu haben, wurde er bei Überführung der Leiche 20. Juni 1810 von Liljeholm nach Stockholm von der Volksmenge angefallen und im Rathaus, wohin er als Gefangener gebracht worden war, ermordet; sein nackter Leichnam wurde auf dem Marktplatz zur Schau gestellt. Die Gräfin Piper war glücklich entkommen. Die nachher eingeleitete Untersuchung ergab die Unschuld Fersens und seiner Familie. Vgl. Klinckowström, Le comte de F. et la cour de France (Par. 1878, 2 Bde.).

Fersenbein, s. Fuß.

Ferstel, Heinrich, Architekt, geb. 7. Juli 1828 zu Wien, machte seine Studien 1847-51 in der Architekturschule der Wiener Akademie, wo er sich besonders an van der Nüll und Siccardsburg anschloß, und bethätigte sein Talent unter Leitung seines Oheims Stache zuerst durch mehrere Schloßbauten und Restaurationen in Böhmen. Im Begriff, eine Reise nach Italien mit Hilfe eines kaiserlichen Stipendiums anzutreten, beteiligte er sich 1853 an der Konkurrenz um die Votivkirche für Wien. Nach Vollendung der Arbeit trat er seine Reise nach Italien an, wo ihn in Neapel die Nachricht des Siegs traf. Von seinen nach Frankreich, England, den Niederlanden und Deutschland ausgedehnten Reisen zurückgekehrt, be-^[folgende Seite]