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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ferté, La; Fertil; Ferula; Fervént

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Ferté, La - Fervent.

gann er 1856 den Bau der gotischen, an die freie Schönheit der besten französischen Muster des 13. Jahrh. sich anschließenden Votivkirche, die 1879 vollendet wurde. Während der Ausführung dieses Baues entstanden das Bankgebäude in Wien, die Kirche in Schönau bei Teplitz, die protestantische Kirche in Brunn, der Palast des Erzherzogs Ludwig Viktor in Wien, das Österreichische Museum, das chemische Institut, der Liechtensteinische Palast in der Roßau in Wien. Ferstels hervorragendstes Werk nächst der Votivkirche ist die Universität in Wien, welche im Stil der italienischen Renaissance ausgeführt worden ist und in ihrem Innern einen Hallenhof von großartiger monumentaler Wirkung enthält. 1866 wurde er als Professor der Baukunst an die technische Hochschule zu Wien berufen; 1867 erhielt er den großen Preis der Pariser Weltausstellung; 1869 wurde er in den österreichischen Ritterstand erhoben und 1871 Oberbaurat. F. hat durch seine Entwürfe und Schöpfungen der modernen Wiener Architektur ihre charakteristische Richtung im Geiste der italienischen Hochrenaissance gegeben. Seine Bauten sind praktisch angelegt, dabei aber von großer künstlerischer Schönheit, und namentlich ist es der feine Sinn für die Dekoration und Ornamentik, der F. auszeichnet. Mit Eitelberger schrieb er die Broschüre "Das bürgerliche Wohnhaus und das Wiener Zinshaus" (Wien 1860). Von seinen spätern Schöpfungen sind noch zu nennen: das Rathaus in Tiflis, das Verwaltungsgebäude des Österreichisch-Ungarischen Lloyd in Triest und der Hochaltar für die Kirche des Schottenstifts in Wien. Er starb 14. Juli 1883 in Grinzing bei Wien. Vgl. "H. Freiherr v. F.", Festschrift zur Enthüllung seines Denkmals (Wien 1884).

Ferté, La (lat. Firmitas, "Feste"), Name vieler franz. Orte, welche durch Zusätze unterschieden werden, entsprechend dem "Burg" in deutschen Ortsnamen. Bemerkenswert sind: 1) La F.-Bernard, Stadt im Departement Sarthe, Arrondissement Mamers, links am Huisne und an der Westbahn, mit einer schönen, unvollendeten gotischen Kirche (aus dem 15. Jahrh.), einem alten Schloß (jetzt Stadthaus) und (1876) 2634 Einw., welche Leinen-, Baumwoll- und Kaschmirweberei, Lederfabrikation, Handel mit Getreide etc. treiben. - 2) La F.-Macé, Stadt im Departement Orne, Arrondissement Domfront, durch Zweigbahn mit der Linie Paris-Granville verbunden, hat eine Gewerbekammer und (1876) 6392 Einw., welche starke Weberei, Fabrikation von Zwirn, Posamentier- und Holzwaren betreiben. - 3) La F.-Milon, Flecken im Departement Aisne, Arrondissement Château-Thierry, am Ourcq, mit den Ruinen eines festen Schlosses (aus dem 14. Jahrh.) und (1876) 1590 Einw.; denkwürdig als Racines Geburtsort, dem ein Denkmal errichtet ward. - 4) La F. sous Jouarre (lat. Firmitas S. Anculphi), Stadt im Departement Seine-et-Marne, Arrondissement Meaux, am Zusammenfluß der Marne und des Morin und an der Ostbahn gelegen, hat ein hübsches Schloß auf einer Insel der Marne, Fabrikation von Mühlsteinen, die einen starken Exportartikel bilden, Getreidehandel und (1876) 3651 Einw. 1562 wurde die Stadt von den Hugenotten zerstört; 9. Febr. 1814 wurden hier die Franzosen unter Macdonald von den Russen geschlagen.

Fertil (lat.), fruchtbar; fertilisieren, fruchtbar machen; Fertilität, Fruchtbarkeit.

Ferula L. (Steckenkraut), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, perennierende, kahle, häufig blaugrün bereifte Kräuter mit fiederig zusammengesetzten Blättern, deren letzte Abschnitte oft fadenförmig oder sehr klein, seltener breit sind. Die Dolden sind groß, meist vielstrahlig, Hülle und Hüllchen meist vielblätterig, die Blüten gelb, die Früchte kreisrund oder oblong, sehr stark zusammengedrückt, die Früchtchen mit breit geflügeltem Rand. Etwa 60 Arten in den Mittelmeerländern und ostwärts bis Zentralasien, viele ausgezeichnet durch ihren großen Gehalt an Gummiharz in Gängen der Wurzel und des Stengels. F. galbaniflua Boiss. et Buhse mit hohem, oberwärts verzweigtem Stengel, kurz weichhaarigen Blättern, von denen die obersten auf die oblongen Scheiden reduziert sind, und hüllenlosen Dolden, in Persien, im Elburz am Demawend, liefert Galbanum F. Narthex Boiss., bis 3 m hoch, mit mächtiger, mit faserigen Blattscheidenresten beschopfter Wurzel, sehr großen, aufgeblasenen Blattscheiden, bei den obersten Blättern ohne Blattspreite, in Tibet, liefert Asa foetida. F. Sumbul Hook. fil. etwa 3 m hoch, mit beschopfter Wurzel, wenigen, ganz oder fast ganz auf die Scheiden reduzierten Stengelblättern, in Turkistan und im zentralasiatischen Steppengebiet, liefert die moschusartig riechende, aromatisch bittere Sumbulwurzel, welche etwa 9 Proz. weichen, blaßgelben Balsam, Angelikasäure und Baldriansäure enthält und seit 1835 zuerst als Ersatzmittel des Moschus, dann als (unwirksames) Heilmittel gegen Cholera in den Handel kam. F. tingitana L. etwa 1,5 m hoch, mit doldenrispig verzweigtem Stengel und großen, bläulichgrünen, vierfach fiederteiligen Blättern, in Nordafrika, auf Chios, Rhodos, in Syrien und Palästina, liefert afrikanisches Ammoniakum. F. rubricaulis Boiss., mit 2 m hohem, weißlichem, zuletzt rosenrotem, oberwärts sehr ästigem Stengel, großen Blättern mit großen, aufgeblasenen, rötlichen Scheiden, auf welche die obern Blätter reduziert sind wächst in den Gebirgen Persiens und in der hohen Wüste westlich von Chaf, liefert Galbanum. F. Asa foetida L. (Scorodosma foetidum Bunge), mit rübenartiger, bis schenkeldicker, sehr fleischiger, faserig beschopfter Wurzel, großen, kurz flaumhaarigen, blaugrünen Blättern, einem erst nach fünf Jahren, dann aber sehr schnell sich entwickelnden und in 40-50 Tagen, nach der Fruchtreife, mit der Wurzel absterbenden, 2 m hohen, wenig beblätterten, oben doldentraubig verzweigten Stengel, wächst, förmlich Wäldchen bildend, in den Steppen zwischen dem Aralsee und dem Persischen Meerbusen, wird auch bei Herat kultiviert und liefert die Asa foetida F. communis L. ausdauernd, mit fein zerteilten Blättern, 3-4 m hohen Blütenstengeln und gelben Blüten, vollendet ihre Entwickelung in wenigen Monaten und ist gegen Ende des Hochsommers vollständig verschwunden. Sie wächst gesellig in Griechenland, Süditalien, Südspanien, Portugal, Nordafrika und Kleinasien, besonders in der Nähe des Meers. Bei den Alten spielte die Pflanze unter dem Namen Narthex eine große Rolle. Der Stengel der Staude ist mit dichtem, weißem Mark gefüllt, welches leicht Feuer fängt und es glimmend erhält. Deshalb barg Prometheus das dem Zeus entwendete Feuer in einem Ferulastengel. Die Pflanze war dem Bacchus heilig, der Thyrsos war ein mit Weinranken und Epheu umwundener Ferulastab, und die Bacchanten hießen auch Narthekophoren (Thyrsophoren). Ausgehöhlte Ferulastengel dienten zum Aufheben von Manuskripten und andern Gegenständen. Fast alle Teile der Pflanze dienten als Heilmittel, und die Blätter wurden in Salzwasser eingemacht und gegessen.

Fervént (lat.), heiß, glühend, inbrünstig.