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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fesca; Fescenninen; Fesch; Feselen; Fesivisa; Fessel

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Fesca - Fessel.

allgemein verneint, der Untersatz allgemein bejaht und der Schlußsatz besonders verneint (EAO). Beispiel: Kein Grundstoff ist zusammengesetzt, alles Zusammengesetzte läßt sich zerlegen, also ist ein Stoff, der sich zerlegen läßt, kein Grundstoff. Vgl. Schluß.

Fesca, 1) Friedrich Ernst, Violinspieler und Komponist, geb. 15. Febr. 1789 zu Magdeburg, trat bereits im elften Jahr als Solist öffentlich auf und ward 1804 Mitglied des Theaterorchesters zu Leipzig, 1806 der herzoglichen Kapelle zu Oldenburg, 1808 Soloviolinist zu Kassel und 1815 Konzertmeister der großherzoglichen Kapelle zu Karlsruhe, wo er 24. Mai 1826 starb. Fescas Kompositionen zeugen von einer reinen und edlen Empfindung und zeichnen sich sämtlich durch gewandte Arbeit aus. Sie bestehen in einem Vaterunser für Chor und Orchester, vielen Psalmen, den Opern: "Cantemire" (1819) und "Omar und Leila" (1823), 20 Quartetten (für Streich- und Blasinstrumente), 5 Quintetten, 3 Symphonien, 4 Ouvertüren, 4 Potpourris für Violine, 1 Rondo für Horn und einer großen Anzahl von Liedern und Gesängen. Von allen haben jedoch nur die Psalmen und Lieder sein Andenken für die Gegenwart erhalten. Sein Violinspiel war edel und graziös und namentlich sein Vortrag des Adagios voll tiefer Empfindung; frappante Effekte liebte er nicht.

2) Alexander Ernst, Klavierspieler und Komponist, Sohn des vorigen, geb. 22. Mai 1820 zu Karlsruhe, studierte von 1834 an in Berlin unter Rungenhagen und A. W. Bach die Komposition, kehrte 1838 in seine Vaterstadt zurück, wo er seine Operette "Mariette" zur Aufführung brachte, und machte 1839 und 1840 Kunstreisen durch Deutschland und Österreich. Nach seiner Rückkehr (1841) brachte er seine dreiaktige Oper "Die Franzosen in Spanien" zur Aufführung und wurde vom Fürsten Egon von Fürstenberg zum Kammervirtuosen ernannt. Die letzten Lebensjahre verlebte er zu Braunschweig, wo er 22. Febr. 1849 starb. In seinen Kompositionen, bestehend in Liedern, Salonstücken, Klaviertrios etc., die eine Zeitlang sehr beliebt waren, sprechen sich Talent und eine gewisse Leichtigkeit des Produzierens aus; doch fehlt ihnen der tiefere Gehalt und künstlerische Ernst.

Fescenninen (Fescenninische Verse, Fescennini versus), eine der ältesten Gattungen italischer Volkspoesie, deren Namen man gewöhnlich von der Stadt Fescennium im südlichen Etrurien ableitet. Es waren Wechselgesänge und Wechselgespräche, die von den Landleuten bei heitern Anlässen aufgeführt wurden, wobei sich die Teilnehmer, von Lust und Wein berauscht, in gegenseitigen Sticheleien, volkstümlichderben Witzen etc. ergingen. Ursprünglich auch bei ländlichen Festen, z. B. nach der Ernte, am Feste der Tellus und des Waldgottes, ausgeübt, wurde die oft ins Zügellose ausartende Sitte (licentia Fescennina) später durch ein besonderes Gesetz auf einen engern Kreis eingeschränkt und kam endlich nur noch bei Hochzeiten in Anwendung. Zu letzterm Zweck bemächtigte sich seit dem Ende der Republik auch die Kunstpoesie der F., unter denen man später geradezu scherzhafte Lieder beim Einholen der Braut verstand. Als ursprüngliches Versmaß der F., soweit sie überhaupt gebundene Form hatten, ist ohne Zweifel das sogen. saturnische anzunehmen.

Fesch, Joseph, Kardinal, geb. 3. Jan. 1763 zu Ajaccio auf Corsica, Sohn eines Schweizers, Kapitäns eines in französischem Dienste stehenden Schweizerregiments, welcher 1757 die Witwe Ramolini, die Großmutter Napoleons I. mütterlicherseits, geheiratet hatte, also Stiefbruder Lätitias, der Mutter Napoleons I. Er sollte sich in Aix für den geistlichen Stand vorbereiten, trat aber während der französischen Revolution in die Kriegsverwaltung, stand sodann bei Montesquious Armee in Savoyen, erhielt 1796 beim ersten italienischen Feldzug seines Neffen Bonaparte eine Anstellung als Kriegskommissar, mußte aber infolge vieler gegen ihn laut gewordener Klagen, daß er geplündert, namentlich Gemälde geraubt habe, dies Amt bald wieder niederlegen. Er kehrte 1801, nachdem Bonaparte das Konkordat mit Papst Pius VII. geschlossen, zum geistlichen Stand zurück, ward Domkanonikus zu Bastia, im April 1802 Erzbischof von Lyon und 1803 Kardinal und französischer Gesandter am päpstlichen Hof. 1804 begleitete er den Papst zur Krönung Napoleons I. nach Paris, vollzog am Abend vor der Krönung die kirchliche Trauung Napoleons und Josephinens, wurde Großalmosenier des Kaiserreichs, Graf und Senator und 1806 vom Fürsten-Primas Dalberg zum Koadjutor und Nachfolger gewählt. Er präsidierte 1810 zu Paris einem Konzil des französischen Klerus und sprach sich auf demselben so entschieden für den Papst und gegen dessen Behandlung durch Napoleon aus, daß er fortan zu Lyon in einer Art Verbannung leben mußte. Bei Annäherung der Österreicher (1814) floh er mit seiner Schwester Lätitia, der Mutter des Kaisers, nach Rom, ward nach Napoleons I. Rückkehr Pair von Frankreich, kehrte aber nach der Schlacht von Waterloo nach Rom zurück und lebte hier in völliger Zurückgezogenheit den Künsten und Wissenschaften. Das Ansinnen der französischen Regierung, auf sein Erzbistum Lyon zu verzichten, wies er entschieden zurück, wenn er auch thatsächlich das Amt nicht versah. Er starb 13. Mai 1839. Seine weltberühmte Gemäldesammlung, die mehr als 20,000 Bilder gezählt haben soll, wurde nach seinem Tod nach und nach versteigert und der Erlös zu Familienstipendien verwendet.

Feselen, Melchior, deutscher Maler, geboren wahrscheinlich zu Passau, war dort und in Ingolstadt thätig, wo er 10. April 1538 starb. Er bildete sich nach A. Altdorfer, führte seine Gemälde zwar sehr fleißig aus, konnte sich aber von einer gewissen Steifheit nicht freimachen. Die Münchener Pinakothek bewahrt von ihm die Belagerung Roms durch Porsena (1529) und die Eroberung Alesias durch Cäsar (1533), welche für Herzog Wilhelm IV. gemalt worden sind, die Sammlung des Historischen Vereins zu Regensburg eine Maria Magdalena, das Germanische Museum eine Anbetung der heiligen drei Könige.

Fesivisa (arab.), s. v. w. Mosaik.

Fessel, bei den Säugetieren mit Hufen der kurze Teil des Fußes zwischen dem Vorder-, resp. Hintermittelfuß oder dem Schienbein und dem Huf (s. d.). Die Stellung der F. ist eine regelmäßige, wenn sowohl beide Vorder- als auch beide Hinterfesseln parallel und in dem Maß vor- und abwärts verlaufen, daß die Verlängerung an den Vorderfüßen mit dem Boden einen Winkel von 45°, an den Hinterfüßen einen Winkel von 50-55° bildet. Wenn beide Vorder- oder beide Hinterfesseln abwärts divergieren und die Zehenteile der Hufe oder Klauen auswärts gerichtet sind, so heißt die Stellung französische Stellung; wenn die Fesseln konvergieren, wird das Tier Zehentreter genannt. In beiden Fällen ist die Stellung unschön und der Gang mehr oder weniger unsicher. Eine zu steile Stellung der F. ist zuweilen angeboren, in den meisten Fällen aber infolge großer Anstrengungen entstanden und öfters mit Lahmgehen verbunden. Steht die F. zu schräg, und findet beim