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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fettgift - Fettsucht.

gar keine Beschwerden. Nur wenn sie sehr groß werden, können sie durch Druck auf die Nachbarschaft Beschwerden verursachen. Die F. kommt am häufigsten in den mittlern Lebensjahren, doch auch als angebornes Übel vor. Sie gehört zu den gutartigsten Geschwülsten, stellt stets ein lokales Übel dar und kehrt nicht wieder, wenn sie einmal vollständig mit dem Messer entfernt worden ist. - Als F. der Nieren sind vielfach bösartige Gewächse beschrieben worden, die zu den Adenomen oder Sarkomen zu zählen sind. Echte Fettgeschwülste sind auch bei Tieren nicht selten.

Fettgift, s. v. w. Wurstgift.

Fettglanz, besondere Art des Glanzes bei Mineralien, ähnlich dem des flüssigen Fettes, z. B. beim Pinit, Pechstein, edlen Serpentin, Bernstein u. a.

Fetthaut (Panniculus adiposus), s. Haut.

Fetthenne (Fette Henne), s. v. w. Sedum.

Fettherz, s. Herzverfettung.

Fettkörper (Corpus adiposum), s. Insekten.

Fettkraut, Pflanzengattung, s. Pinguicula.

Fettkräuter, s. Lentibularieen.

Fettleber (Hepar adiposum), ein abnormer Zustand der Leber, wobei übermäßige Massen von Fett im Innern der Leberzellen abgelagert sind und die Leber gewissermaßen zu einem Fettdepot umgebildet wird. Die F. ist zwei- bis dreimal größer als normal, weich, blutarm, sehr blaß; von ihrer Schnittfläche läßt sich ein dicker, talgähnlicher Brei abstreifen. Die Gallenabsonderung der F. ist vermindert. Ausgesprochene Beschwerden sind nur mit den höhern Graden von F. verbunden und bestehen in einem Gefühl von Druck und Vollsein in der Lebergegend, ferner in allerhand Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit etc. Die F. kommt sowohl bei allgemeiner Fettsucht (s. d.) als auch bei sonst magerm Körper, z. B. bei Schwindsüchtigen, ganz besonders aber bei Säufern vor (daher ist die F. zumal im Verein mit interstitieller Entzündung die eigentliche Säuferleber). Sie ist hier ein chronisches Übel, welches durch entsprechende Diät (Entfettungskuren), Vermeidung alkoholischer Getränke, leichte Abführmittel etc. beseitigt werden kann. Namentlich werden die Quellen von Karlsbad, Marienbad, Kissingen etc. mit Erfolg zur Beseitigung der F. angewendet. Ist F. mit Gelbsucht verbunden, so heißt sie Safranleber. Nicht mit der F. zu verwechseln ist die Fettentartung der Leber, die zuweilen als Ausgang einer schweren, sogen. parenchymatösen Leberentzündung bei Vergiftungen mit Phosphor, Arsenik und einigen unbekannten organischen Giften beobachtet wird.

Fettmagen, s. v. w. Labmagen.

Fettmännchen, ältere Scheidemünze, s. Albus.

Fettmetamorphose, s. v. w. Verfettung.

Fettpflanzen, s. Krassulaceen. In der Gärtnerei versteht man unter F. auch wohl andre Pflanzen mit fleischigen Blättern, wie Agaven, Aloe, die Kakteen etc., die man dann als Sukkulenten (s. d.) zusammenfaßt.

Fettquarz, s. Quarz.

Fettschabe, s. Zünsler.

Fettstein, s. v. w. Nephelin.

Fettsucht (Korpulenz, Obesitas, Lipomatosis universalis, Polysarcia, Pimelosis), übermäßige Anhäufung von Fett, welche den Körper schwerfällig macht, seine Funktionen behindert und das Leben in mehr als einer Hinsicht bedroht. Die Stellen des menschlichen Körpers, an denen sich im normalen Zustand Fettgewebe befindet, dienen bei Fettleibigkeit zunächst zur hochgradigen Ablagerung von Fett, und erst bei höhern Graden von F. finden die Fettablagerungen auch an solchen Lokalitäten statt, an denen sich im normalen Zustand wenig oder kein Fett befindet. Demgemäß findet sich das Fett unter der Haut (Panniculus adiposus), besonders unter der des Bauches, in großer Menge, ferner im Gekröse, im Netz, im Dickdarm und um die Nieren herum; selbst auf dem Herzen, im Innern der Leberzellen (Fettleber), zwischen den Muskeln und in andern Organen häuft es sich an. Die leichtern Grade der F., welche man als Embonpoint oder Korpulenz bezeichnet, verursachen kaum einige Beschwerde. Selbst bei schon beträchtlichem Umfang erfreuen sich die Leute oft noch eines vortrefflichen Wohlseins, eines sehr guten Appetits, einer sehr heitern Stimmung und ihrer vollen Körperkraft. In den höhern Graden jedoch, namentlich wenn sich die F. sehr schnell ausbildet, stellen sich mehr oder weniger beträchtliche Störungen der Gesundheit ein, z. B. Muskel- und Gehirnschwäche, Verdauungsbeschwerden, Atemnot, Störungen in der Herzbewegung, Schwindel etc. In Bezug auf das Gewicht und den Umfang des Körpers fettsüchtiger Personen finden sich unglaublich scheinende Angaben. Ein Kind von vier Jahren wog 41, ein andres ebenso altes 68, ein zehnjähriges 109, ein vierjähriges Mädchen sogar 128 kg etc. Der Engländer Bright wog in seinem zehnten Jahr 70 und bei seinem Tod 308 kg, ein andrer Engländer 250 kg; ein in der "Neuen Sammlung medizinischer Wahrnehmungen" (Bd. 3, S. 370) beschriebener Mann wog 400 kg und hatte 2,5 m im Umfang; ein von Wadd ("Die Korpulenz als Krankheit, ihre Ursachen und ihre Heilung etc.", aus dem Englischen, Weim. 1839) gesehener Mann wog 490 kg. Bei der Leichenöffnung fand man eine unglaublich starke Fettschicht, die in dem Menschen von 400 kg 16-18 cm Höhe hatte. Unter den prädisponierenden Ursachen ist am wichtigsten die Erblichkeit. In gewissen Familien werden alle Mitglieder sehr fettleibig, und "Fettkinder" sind nicht allzu selten. Die F. tritt zuweilen schon in den ersten Lebensjahren, bald nach dem 20., am häufigsten bei Männern um das 40., bei Frauen um das 45.-50. Lebensjahr auf.

Neben der erblichen Anlage ist die fehlerhafte und unzweckmäßige Ernährung der häufigste Grund zur Fettleibigkeit; eine zu reichliche Nahrungszufuhr, welche zu große Mengen Fett, Eiweiß und Kohlehydrate (Zucker, Stärke) bietet, oder einseitige fehlerhafte Ernährung bedingen die pathologische Fettansammung ^[richtig: Fettansammlung], welche auch durch übermäßigen Alkoholgenuß erzeugt werden kann. Dazu kommen als begünstigende Momente Mangel an körperlicher Bewegung, anhaltende Unthätigkeit, träger Stoffwechsel etc. Hieraus erklärt sich, daß gewisse Gewerbe (Schlächter, Brauer) Fettansammlung zur Folge haben, daß Phlegmatische mehr zur Fettsucht neigen und Frauen im klimakterischen Alter besonders häufig davon betroffen werden. Auch gewisse ethnologische und klimatische Verhältnisse (feuchtes Klima) spielen eine gewisse Rolle. Angeerbte oder erworbene Disposition, zu reichliche Nahrungsaufnahme, unzweckmäßige Ernährung und unzweckmäßige Lebensweise sind demnach als Entstehungsursachen anzusehen. Das im Körper sich bildende Fett wird aus verschiedenen Stoffen gebildet; einmal kann aus dem Fette der Nahrung Fett im Körper zur Ablagerung kommen (Liebig, Toldt, Radziejewsky, Hofmann), sodann steht fest, daß die vom Körper aufgenommenen tierischen und pflanzlichen Albuminate zur Fettbildung beitragen (Hoppe, Pettenkofer, Voit), indem bei der Eiweißzersetzung Fett entsteht, und daß wahrscheinlich bei großen Gaben auch die Kohlehydrate zur