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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Feuerdorn; Feuerfahne; Feuerfest; Feuerfink; Feuerflaschen; Feuerfliege; Feuerflunder; Feuergeister; Feuerhahn

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Feuerdorn - Feuerhahn.

der F. in gleichen, für seinen Ursprung tief bedeutsamen Formen vor sich; überall nämlich durfte das heilige Feuer des Altars nicht von anderm Feuer genommen werden, sondern wurde durch Quirlen trockner Hölzer, in Griechenland und Rom auch mit Hilfe der Brenngläser, als "jungfräuliches Urfeuer" erzeugt, und diese Flamme mußte dann mit keuschen Händen gepflegt werden, damit sie nicht erlösche bis zum nächsten Jahresfest, wo unter denselben Zeremonien die Erneuerung vorgenommen wurde. Die Parsen benutzen brennbare Gase und Erdöldünste, die dem Boden entsteigen, als vorzugsweise heiliges Material für solche ewige Feuer und haben an Stätten, wo derartiger Brennstoff dem Boden entquillt, Tempel errichtet, wie z. B. zu Baku auf der Halbinsel Apscheron, wo die ewigen Feuer, weithin leuchtend, aus den Kuppeln der Gebäude hervorbrechen. Mit der größten Sorgfalt wird dieses Feuer vor Verunreinigung gehütet; es darf z. B. nicht mit dem Mund angeblasen werden, und der Priester nähert sich ihm nur mit einem Tuch vor dem Mund. Es ist bekannt, daß bei den Römern das Verlöschenlassen des Vestafeuers, welches angeblich die Unkeuschheit ihrer Hüterin bezeugte, durch Lebend-begraben-werden bestraft wurde, während anderseits die treue Hüterin ein fast königliches Ansehen genoß und unter andern Vorrechten das sonst der Majestät vorbehaltene Begnadigungsrecht ausübte für alle Delinquenten, denen sie auf ihrem Weg begegnete. In Deutschland haben sich Spuren der jährlichen Erneuerung des Opferfeuers in dem durch Reibung von Hölzern entzündeten Oster- und Johannisfeuer sowie dem sogen. heilenden Notfeuer (s. d.), einer an den uralten F. der Inder erinnernden Zeremonie, bis in unser Jahrhundert erhalten. Vgl. Kuhn, Die Herabkunft des Feuers und des Göttertranks bei den Indogermanen (2. Aufl., Berl. 1886). Vgl. auch Schlangendienst.

Feuerdorn, s. Cotoneaster.

Feuerfahne, Luntenhalter der alten Büchsenmeister, aus zwei langhalsigen Vogelköpfen auf einem 2-3 m langen Stock bestehend; durch die offenen Schnäbel ist die Lunte gezogen.

Feuerfest, Bezeichnung derjenigen Stoffe, welche hohen Temperaturen widerstehen und in denselben wenigstens keine solchen Veränderungen erleiden, daß sie für einen bestimmten Zweck untauglich werden. Je nach diesen Zwecken versteht man unter f. nicht flüchtig (feuerbeständig), nicht schmelzbar, nicht verbrennlich. Für Feuerungsanlagen benutzt man feuerfeste Steine aus gewissen Thonarten, auch Schamottesteine; dieselben Materialien, auch Graphit, Platin, Kalk, Magnesia etc. dienen zu feuerfesten Tiegeln. Feuerfeste Anstriche können nur die leichte Entzündlichkeit, nicht aber andre Veränderungen der angestrichenen Körper, wie Schmelzung, Verkohlung etc., verhindern. Feuerfeste Schränke sollen die darin aufbewahrten Gegenstände vor Hitzegraden schützen, wie sie bei Feuersbrünsten vorkommen; sie sind doppelwandig und enthalten zwischen den Wänden eine Füllung mit schlechten Wärmeleitern, wie Asche, Alaun etc. Vgl. die einzelnen Artikel.

Feuerfink, s. Webervögel.

Feuerflaschen, mit Pulver gefüllte und mit Luntenzündung versehene Flaschen, früher im Seegefecht gebräuchlich derart, daß sie mittels langen Strickes auf feindliche Schiffe geschleudert wurden.

Feuerfliege (Pyrophorus Ill.), Käfergattung aus der Gruppe der Pentameren und der Familie der Schnellkäfer (Elateridae), große oder mittelgroße, meist düster braune und dicht graugelb befilzte Käfer mit abgestutzter oder abgerundeter Stirn, sehr großen Augen und am Thorax jederseits am Rand vor den Hinterwinkeln mit einer wachsgelben, blasenartigen Auftreibung, welche im Leben hell leuchtet. Sie bewohnen die heißern Zonen Amerikas und fliegen des Nachts leuchtend umher. Ein Exemplar reicht hin, um an einer Taschenuhr die Zeit zu erkennen, und mehrere zusammen, lebend in ein Glas gesperrt, geben ein so helles Licht, daß man dabei lesen kann. Der Cucujo (P. noctilucus L., s. Tafel "Käfer"), 2,6 bis 3,4 cm lang, ist sehr gemein auf Cuba, wo seine Larve den Zuckerplantagen verderblich wird, da sie im Mark des Rohrs lebt. Der gefangene Käfer bildet einen Handelsartikel; die Damen füttern ihn mit Scheibchen von Zuckerrohr und pflegen ihn sorgfältig, um ihn abends in Säckchen von feinem Tüll als Schmuck im Haar oder an den Kleidern zu tragen.

Feuerflunder, s. Rochen.

Feuergeister, s. Elementargeister.

Feuerhahn (Hydrant), die in die Rohrleitungen der Wasserwerke größerer Städte eingeschaltete Vorrichtung, an die bei eingetretener Feuersgefahr Schläuche angeschraubt werden können, welche vermöge des in dem Wasserröhrennetz vorhandenen hydrostatischen Druckes gleich einer Feuerspritze Wasserstrahlen in die Flamme werfen können. Da die Rohrleitung, um vor dem Einfrieren geschützt zu sein, 1,5-1,75 m unter die Oberfläche der Straßen zu legen ist, so müssen die Hydranten auf diese Tiefe hinabreichen. Sie dürfen nicht viel über etwa 80 m voneinander entfernt sein und müssen innerhalb der Bankettkanten oder zwischen den Banketten und den Fahrbahnen der Straßen liegen. Eine Marke an den Häusern gibt die genaue Lage des Feuerhahns an. Der F. besteht aus einem lotrecht stehenden gußeisernen Gehäuse mit Deckel und der zur Aufnahme einer bronzenen Spindel dienenden Stopfbüchse. Diese Spindel verschließt mittels einer Mutter ein Ventil und läßt nach Öffnung desselben das Wasser in dem Steigrohr aufsteigen. Auf dieses Steigrohr wird ein Standrohr derart aufgesetzt, daß die an dem untern Ring des Standrohrs befindlichen Lappen unten die am Kopf des Steigrohrs befindlichen Knaggen fassen, worauf das Standrohr durch Drehung mittels besonderer Handhaben fest auf das Steigrohr gepreßt und durch eine zwischen beide eingeschaltete Lederscheibe gedichtet wird. Der Kopf des Standrohrs ist durch die Stopfbüchsenverbindung oberhalb der Handhaben drehbar, um den Schläuchen, welche an die auf entgegengesetzten Seiten befindlichen Gewinde angeschraubt werden, jede beliebige Richtung geben zu können. Das nach Benutzung des Feuerhahns in dem Steigrohr zurückbleibende Wasser wird, um vor Einfrieren geschützt zu sein, dadurch entfernt, daß die Spindel in der Richtung ihrer Achse durchbohrt wird, und daß diese Bohrung an ihrem obern und untern Endpunkt eine Seitenöffnung besitzt, von denen die oberste über der Stopfbüchse mündet, die unterste bei geschlossenem Ventil dicht über der Mutter zwischen den Schraubengängen der Spindel angebracht ist. Sobald also das Ventil geschlossen ist, wird dem im Steigrohr befindlichen Wasser durch die unten frei gewordene Öffnung, durch die Bohrung in der Spindel sowie durch die obere Öffnung über der Stopfbüchse der Weg frei, und das Steigrohr entleert sich bis zur Höhe der obern Öffnung über der Stopfbüchse, also tief genug, um ein Einfrieren des in dem Gehäuse befindlichen Wassers zu verhindern. Sobald das Ventil geöffnet wird, schließt die steigende Mutter die untere Öffnung, selbst beim höchsten Stande des Ventils.