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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fibel - Fibroid.

gallischen und germanischen Völkerschaften bedienten sich der Fibeln, die sie ebenfalls mit Email verzierten, und denen sie eine originale Ornamentik gaben. Solche Fibeln kommen in allen gallischen und nordischen Gräberfunden vor (s. Tafel "Metallzeit" I und II). Vgl. Agraffe.

^[Abb.: Römische Fibeln.]

Fibel, erstes Lesebuch für Anfänger, Abcbuch. Die Herkunft des Wortes ist zweifelhaft. Grimm faßt es als Nebenform von Bibel mit dem Sinn Kinderbibel auf; in der That enthalten die ältesten Fibeln vorwiegend religiöse Lesestücke. Weigand u. a. leiten es vom lateinischen Fibula (Spange) ab. Die Einrichtung der Fibeln richtet sich nach der Methode der Leselehre (s. Lesen).

Fiber, Bisamratte.

Fibern (lat.), feine Fäden und Fasern, welche die formellen Grundbestandteile zahlreicher pflanzlicher und tierischer Gewebe ausmachen (Bindegewebsfasern, Muskelfasern etc.).

Fibich, Zdenko, Komponist, geb. 21. Dez. 1850 zu Seborschitz unweit Prag, erhielt seine Ausbildung in letzterer Stadt sowie am Konservatorium zu Leipzig (seit 1865), in Paris und in Mannheim bei Lachner. 1871 nach Prag zurückgekehrt, nahm er an dem unter Smetanas Einfluß neuerwachenden Musikleben regen Anteil und wurde, nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Wilna, 1876 zum zweiten Kapellmeister am Nationaltheater und 1878 zum Chordirigenten an der russischen Kirche ernannt. F. ist neben Smetana und Dvořak gegenwärtig der beliebteste und vielseitigste Komponist in Böhmen. Unter seinen zahlreichen Werken finden sich mehrere symphonische Dichtungen: "Othello" (1873), "Zaboj und Slavoj" (1874) und "Toman und die Nymphe", zwei Symphonien, verschiedene Ouvertüren, zwei Streichquartette und andre Kammermusikstücke, eine große Chorballade mit Orchester: "Die Windsbraut", eine Oper: "Blaník" (1877), die Melodramen: "Der Weihnachtsabend", "Die Ewigkeit" und "Der Blumen Rache", Klaviersachen, Lieder, Chorgesänge u. a.

Fibiger, 1) Johannes Henrik Tauber, dän. Dichter, geb. 27. Jan. 1821, studierte Theologie in Kopenhagen und bekleidet seit 1874 die Pfarrstelle zu Vallensved im Amt Sorö (Seeland). Als Dichter trat er zunächst mit einigen Dramen biblischen Inhalts auf, unter denen sich "Johannes den Döber" ("Johannes der Täufer", 1857) besonders auszeichnete. Später folgten (zum Teil unter dem Pseudonym Diodoros) die Familientragödie "Kors og Kjœrlighed" ("Kreuz und Liebe", 1858); "Nogle Sagn", Erzählungen in Versen (1865), und drei größere Dichtungen unter dem Titel: "De evige Strid" ("Der ewige Streit", 1868), die großes Aufsehen machten; endlich "Graabrøderen" ("Der Franziskaner"), eine Erzählung in 16 Gesängen (1880). Außerdem veröffentlichte er zwei große Predigtsammlungen: "Juletiden" ("Weihnachten", 1875) und "Paasketiden" ("Ostern", 1875), die ihn in scharfen Konflikt mit der demokratischen Partei brachten.

2) Elfriede, geborne Müller, dän. Romanschriftstellerin, geb. 17. Juli 1834, seit 1856 mit einem Arzt Christ. F. verheiratet, der 1873 starb, veröffentlichte eine Reihe von Erzählungen, die mit Vorliebe das jütische Volksleben schildern und sich durch glückliche Erfindung, feine Beobachtung und originelle Diktion auszeichnen. Genannt seien davon: "En Magdalen historie" (1878); "Hedens Hemeligheder" ("Die Geheimnisse der Heide", 1877); "Sorte Stefan" ("Der schwarze Stephan", 1879) und "Askepot" ("Aschenbrödel", 1880). Seit 1878 bezieht die Dichterin ein königliches Legat.

Fibonacci (spr. -náttschi), Leonardo, auch Leonardo Pisano genannt, Mathematiker, geboren um 1180 wahrscheinlich zu Pisa, lernte bei seinem in der arabischen Stadt Bugia als Konsul weilenden Vater die arabische Sprache und Rechenkunst, bildete sich durch Reisen aus und überbrachte zuerst den Abendländern das indisch-arabische Zahlensystem. Seine Hauptwerke sind: "Liber abaci" (1202) und "Practica geometriae" (1220). Er vervollkommte die unbestimmte Analytik, bemerkte die aufsteigenden Kettenbrüche und gab einen Beweis für die Heronsche Formel für den Dreiecksinhalt. Vgl. B. Buoncompagni, Intorno ad alcune opere di Leonardo Pisano (Rom 1834); Cantor, Mathematische Beiträge zum Kulturleben der Völker (Halle 1863).

Fibragras, s. Chinagras.

Fibrillae (lat.), s. v. w. Wurzelfasern.

Fibrīn (Blutfibrin, Blutfaserstoff), tierischer Faserstoff, ein Proteinkörper, welcher sich ausscheidet, wenn frisch gelassenes Blut gerinnt. Es ist nicht fertig gebildet im Blut vorhanden, sondern entsteht erst durch den Zusammentritt zweier gelöster Eiweißkörper, der fibrinoplastischen und der fibrinogenen Substanz. Beide vereinigen sich zu F. unter der Einwirkung eines an der Luft sich bildenden Ferments. Die fibrinoplastische Substanz, auch Paraglobulin (Serumkasein) genannt, findet sich im Blutserum (der über dem Blutkuchen des geronnenen Bluts sich sammelnden Flüssigkeit), die fibrinogene in den Blutkörperchen, im Chylus, im Herzbeutelwasser etc. Aus den verdünnten Lösungen kann man diese Proteinkörper durch Essigsäure fällen. Sie lösen sich, jeder für sich, in verdünnter Kochsalzlösung, und wenn man diese Lösungen zusammengießt, scheidet sich F. aus. Es ist weißlich, nach dem Trocknen hart und spröde, unlöslich in Wasser, verdünnter Salzsäure und Kochsalzlösung, löslich in Salpeterlösung bei 40°. Unter Fleisch- oder Muskelfibrin hat man die Gesamtheit der Fleischbestandteile verstanden, welche sich in Wasser mit 0,1 Proz. Salzsäure lösen. Pflanzenfibrin ist ein Bestandteil des Klebers (s. d.).

Fibrincylinder, mikroskopische Cylinder im Harn, wichtiges Symptom bei Brightscher Nierenkrankheit.

Fibrocartilago (lat.), Faserknorpel.

Fibroīd (lat., Fasergeschwulst, Desmoid, Steatom, Fibrom, Fibromyom), krankhafte Geschwulst von derbem, faserigem Bau, grauweißer Farbe und sehnigem Aussehen der Schnittfläche. Der Name stammt, wie die meisten Bezeichnungen der krankhaften Gewächse, aus älterer Zeit, in welcher noch keine Einteilung auf Grund feiner mikroskopischer Untersuchung der Geschwulstgewebe möglich war, sondern ganz äußerliche, oft rein zufällige Merk-^[folgende Seite]