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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fielding; Fieldkessel; Fiepen; Fiera; Fiërabras; Fiëramente; Fieschi

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Fielding - Fieschi.

lich bei zum endlichen Gelingen des Unternehmens. Auch in den folgenden Jahren widmete F. sein Interesse dem Submarinetelegraphen, und 1871 war er einer der Hauptförderer der Linie durch den Stillen Ozean über die Sandwichinseln nach China und Japan. Vgl. "The Atlantic Telegraph" (2. Aufl., Lond. 1866).

Fielding (spr. fihl-), 1) Henry, engl. Romandichter, geb. 22. April 1707 zu Sharpham Park in Somersetshire, von vornehmer Abkunft, wurde zu Eton erzogen und begann zu Leiden das Studium der Rechte, konnte es aber aus Geldmangel nicht vollenden und erwarb sich daher seinen Unterhalt zu London durch Schriftstellern für die Bühne. Von seinen 18 Lustspielen und Possen aus der Zeit von 1728 bis 1736 sind jedoch nur noch das burleske Trauerspiel "Tom Thumb" und die beiden Possen: "The mock doctor" und "The intriguing chamber-maid" bekannt. Ein erheiratetes Vermögen verschwendete er in kurzer Zeit und nahm dann die juristischen Studien wieder auf. Bald galt er für einen der vorzüglichsten Anwalte Londons, doch zwang ihn Kränklichkeit, die Praxis aufzugeben. Er schrieb nun politische Pamphlete, Zeitungsartikel und seit 1741 Romane. Einige Jahre später erhielt er eine kleine Pension und den Posten des Friedensrichters für Westminster und Middlesex. Zur Herstellung seiner Gesundheit reiste F. 1754 nach Lissabon, wo er 8. Okt. 1754 starb. Sein erster Roman: "Joseph Andrew" (Lond. 1742, 2 Bde.; deutsch von Czarnowski, Braunschw. 1848), erschien zwei Jahre nach Richardsons "Clarissa" und kündigte diesem offene Fehde an. Den marionettenhaften Gestalten Richardsons setzte F. lebenswahre Charaktere entgegen, dem trocknen Ton puritanischer Predigt eine natürliche Sprache. Nachdem er mit dem Lustspiel "The wedding-day" (1743) gescheitert, wandte er sich ganz zur Novellistik und veröffentlichte zunächst 3 Bände "Miscellanies" (1743), welche "A journey from this world to the next" (deutsch von Döring, Jena 1842) und die satirische "History of Jonathan Wild", eine Spitzbubengeschichte in älterm Geschmack, enthielten. Sein berühmtestes Werk war: "Tom Jones, or the history of a foundling" (1749; deutsch von Diezmann, Braunschw. 1848), hinter das sein letzter Roman: "Amelia" (1752; deutsch, Leipz. 1797), etwas zurücktritt. Außerdem schrieb F. viele wissenschaftliche Abhandlungen; die Beschreibung seiner Reise nach Lissabon blieb unvollendet. Seine sämtlichen Werke erschienen in zahlreichen Ausgaben: London 1762 (4 Bde.), mit Biographie von Arthur Murphy (1784, 10 Bde; 1808, 14 Bde.; neu hrsg. von Browne, 1871, 10 Bde.); in der Edinburger "Novellist's library", mit Einleitung von Walter Scott, 1821 (10 Bde.); mit Biographie etc. von Th. Roscoe, 1840 und öfter, zuletzt 1871 in 2 Bdn. Die "Miscellanies and poems" gab Browne neu heraus (1872). Vgl. W. Scotts "Lebensbeschreibung britischer Dichter und Prosaiker" (deutsch von H. Döring, Leipz. 1826); Thackeray, The English humourists, Kap. 5; Lawrence, Life and times of H. F. (Lond. 1855); Dobson, F. (in "English men of letters", das. 1883). - Auch Fieldings Schwester, Sarah, geb. 1714, machte sich als Dichterin bekannt. Sie schrieb: "The adventures of David Simple" (neue Ausg. 1756, 2 Bde.); "The cry" (das. 1754, 3 Bde.); "The lives of Cleopatra and Octavia"; "History of Ophelia" u. a. Auch übersetzte sie Xenophons Memorabilien (1762). Sie starb zu Bath 1768.

2) Anthony Vandyke Copley, engl. Maler, Sohn des Porträtmalers Theodore Nathan F., geb. 1787, zeichnete sich besonders in der Aquarellmalerei aus und galt geraume Zeit hindurch für den Hauptvertreter dieser Kunst, wie er auch 24 Jahre lang von 1831 bis an seinen Tod die Stelle eines Präsidenten der Water-Colour-Society bekleidete. Ungemein produktiv, wenn auch nicht frei von Manieriertheit, leistete er namentlich in Landschaften und Seestücken Treffliches. Er starb 3. März 1855 in Brighton.

Fieldkessel, s. Dampfkessel, S. 453.

Fiepen, in der Jägersprache, s. Blatten.

Fiera (ital.), Messe, Jahrmarkt; Fiërant, ein Kaufmann, der die Messe bezieht.

Fiërabras, einer der ritterlichen Volksromane aus dem 16. Jahrh., behandelt nach einer französischen Quelle die Geschichte des heidnischen Riesen F. aus dem Sagenkreis Karls d. Gr. (erster Druck, Simmern 1533).

Fiëramente (ital.), musikal. Vortragsbezeichnung: wild, heftig, ungestüm; Fiërezza, Heftigkeit.

Fieschi (spr. fjéski), 1) Giovanni Luigi de' F., Graf von Lavagna, Herr von Pontremoli, gewöhnlich Fiesco genannt, wurde 1524 oder 1525 aus einer berühmten genuesischen Familie, aus der drei Päpste, namentlich Innocenz IV., hervorgingen, geboren und kam durch den frühen Tod seines Vaters in den Besitz eines bedeutenden Vermögens. Schon als Knabe von feurigem Ehrgeiz erfüllt, nahm er 1544 an einem Plan, Genua mit französischen Truppen zu überfallen, teil; doch ward das dazu bestimmte Korps von den Österreichern geschlagen. Eifersüchtig auf die auf seiten Karls V. stehenden und auf dessen Macht sich stützenden Doria, beschloß er mit seinen Brüdern Girolamo und Ottobuono und andern unzufriedenen Edelleuten den Sturz jenes Geschlechts, an dessen Spitze der Doge Andreas Doria und sein übermütiger, eitler Neffe Gianettino Doria standen. Das Unternehmen, das zugleich Genua vom Bund mit dem Kaiser losreißen sollte, wurde im geheimen von dem Papst und von Frankreich unterstützt. F. sammelte unter dem Vorwand der Ausrüstung einiger Galeeren für einen Zug gegen die Türken mehrere Hundert Söldner, besetzte in der Nacht vom 1. zum 2. Jan. 1547 mit seinen Verschwornen das Thor von St. Thomas, überrumpelte den Hafen und bemächtigte sich der Galeeren und der Hauptplätze der Stadt. Gianettino Doria wurde niedergestoßen, Andrea flüchtete. F. selbst aber verunglückte, indem er durch das Umschlagen eines vom Ufer zu den Galeeren führenden Brettes in das Meer stürzte und durch seine schwere Rüstung auf den Grund gezogen wurde. Die Bewegung endete hiermit, und Doria kehrte zurück. Fieschis Familie und die übrigen Verschwornen wurden auf ewig aus Genua verbannt. Girolamo F. mußte sein Schloß Montobio nach 42tägiger Belagerung übergeben und wurde hingerichtet. Ottobuono F. entkam nach Frankreich und trat in französische Dienste, geriet aber acht Jahre später in spanische Gefangenschaft, wurde an Genua ausgeliefert und hier ertränkt. Fieschis Witwe Eleonore Cybò, eine hochbegabte Frau, Schwester des Fürsten von Massa e Carrara, geb. 1523, heiratete später den General Chiappino Vitelli, der zuletzt als spanischer Generalfeldmarschall gegen die Niederlande diente, und starb 1594. Durch Rousseau, der F. einen der merkwürdigsten Charaktere der Geschichte nannte, auf diesen großen Stoff hingewiesen, hat Schiller die Verschwörung Fieschis in der berühmten Tragödie "Fiesco" verarbeitet, die 1784 in Mannheim zuerst zur Aufführung kam. Vgl. Brea, Sulla congiura del conte G. Luigi F. (Genua 1863); Celesia, La congiura del conte G. Luigi F. (das. 1864); Canale, Storia della repubblica di Genova