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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Figuiers Goldsalz - Figürlich.

nature" (1862-73, 10 Bde.; in zahlreichen Auflagen). Seit 1856 gibt er das "Année scientifique et industrielle" heraus. - Seine Gattin Juliette, geborne Bouscaren (geb. 1829 zu Montpellier, gest. 6. Dez. 1879), hat sich durch anmutige Novellen und Schilderungen bekannt gemacht, von denen wir die "Nouvelles languedociennes" (1860), "Les soeurs ^[sœurs] de lait" (1861), "Le gardien de la Camargue" (1862), "La prédicante de Cévennes" (1864), "L'Italie d'après nature" (1868) nennen. Auch kamen mehrere Lustspiele von ihr: "Les pelotons de Clairette", "La vie brûlée", "Le pied-à-terre", "Les pilules de M. Brancola", und ein dreiaktiges Drama: "Le presbytère" mit Erfolg zur Aufführung.

Figuiers Goldsalz, s. Goldchlorid.

Figulina (Figlina, lat.), s. v. w. Fiktilien.

Figur (lat.), in der Geometrie allgemeine Bezeichnung für jedes beliebige Raumgebilde. -

In der Grammatik, Rhetorik und Poetik versteht man unter F. (Redefigur) im allgemeinen jede zur Erreichung eines bestimmten grammatischen oder rhetorischen Zweckes geschehende Abweichung von der gewöhnlichen Ausdrucksweise. Man unterscheidet demgemäß

1) grammatische Figuren, welche entstehen, indem man einzelne Buchstaben oder Silben am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes hinzufügt, wegläßt oder verändert (Epenthesis, Aphäresis, Apokope, Diäresis etc.), oder indem man in Bezug auf Gebrauch und Stellung der einzelnen Redeteile von der gewöhnlichen Ausdrucksform abweicht (Enallage, Anastrophe, Hysteron-Proteron, Parenthesis etc.), und

2) rhetorische (ästhetische) Figuren, welche mit den Tropen (bildlichen Ausdrücken) verwandt sind, insofern beide den Zweck haben, der Rede weniger logische Deutlichkeit und Klarheit als vielmehr Anmut und Nachdruck zu verleihen und dadurch das Gefühl des Hörers zu wecken und zu beleben. Aber während die Trope ein mit ihrer ursprünglichen Bedeutung auf eine andre Sache übertragener Ausdruck ist, beruht die rhetorische F. auf einer kunstmäßig geänderten Form des Ausdrucks, die von der gewöhnlichen und sich zunächst darbietenden Redeweise abweicht, indem sie den Gedanken durch bestimmte Formen der Stellung und Wendung der Wörter lebendiger und eindringlicher macht. Die Trope ist somit sachlich, die F. nur sprachlich, jene poetisch im engern Sinn, diese mehr rhetorisch.

Man teilt die rhetorischen Figuren ein in Wortfiguren, welche nur von der herkömmlichen Form des Ausdrucks abweichen, ohne den Sinn zu verändern, und Sinnfiguren, welche nicht bloß die herkömmliche Form des Ausdrucks, sondern auch den Sinn verändern. Erstere entstehen 1) dadurch, daß ein oder mehrere Wörter in gewissen Satzteilen wiederholt, oder daß verwandte und selbst verschiedene Begriffe aneinander gereiht werden, wie z. B. bei Palillogie, Epanalepsis, Anaphora, Epiphora, Symploke, Epanastrophe, Epanodos, Polyptoton, Ploke, Pleonasmus, Gradation; 2) dadurch, daß Wörter weggelassen werden, um entweder unverbundene Begriffe in ihrer Besonderheit desto stärker hervortreten zu lassen, wie beim Asyndeton, oder die lästige Wiederholung eines oder mehrerer Wörter zu vermeiden, wie beim Zeugma; 3) dadurch, daß Wörter von gleicher oder ähnlicher oder entgegengesetzter Bedeutung kunstgemäß einander gegenübergestellt werden, wobei zuweilen Klanggebilde und Wortspiele vorkommen, wie bei Paronomasie, Antanaklase und Diaphora, oder daß ganze Satzglieder von gleichem Klang oder ähnlicher Formation miteinander korrespondieren, wie bei Isokolon, Parisosis, Homöoptoton, Antithese etc. Die Sinnfiguren dienen vorzugsweise dazu, um das Interesse auf einen bestimmten Gegenstand zu lenken und die Affekte zu erregen, wie bei Mimesis, Frage, Dialektikon, Hypopra, Prolepsis, Epitrope, Apologismus, Apostrophe, Metastase, Paralipse, Aposiopese etc. Vgl. Ernesti, Lexicon technologicum graecae et latinae rhetoricae (Leipz. 1795-97, 2 Bde.). Logische oder syllogistische Figuren nennt man die verschiedenen Gestalten, welche der Schluß durch die verschiedene Stellung des Mittelbegriffs annimmt; s. Schluß.

Figurabel (lat.), gestaltbar, bildsam.

Figuralmusik, s. v. w. ungleicher Kontrapunkt (s. d.).

Figuranten (lat.), auf der Bühne diejenigen Personen, welche nur als stumme Figuren auftreten; im Ballett die Nicht-Solotänzerinnen; übertragen s. v. w. Menschen, welche eine bloße Figur abgeben, Lückenbüßer.

Figuration (lat., Figurierung), in der Musik die Durchführung bewegterer, melodisch-rhythmischer Motive (Figuren) in der Kontrapunktierung einer gegebenen Stimme (figurierter Kontrapunkt, figurierter Choral etc.); auch die Variierung eines Themas durch Einführung immer bewegterer Begleitungsfiguren, welche zuletzt das Thema selbst mehr oder weniger verdecken und umranken (s. Doubles).

Figurativ (lat.), bildlich, vorbildlich.

Figuren, akustische, s. v. w. Chladnische Klangfiguren, s. Schall.

Figurenkapitäl, s. Bilderkapitäl.

Figurieren (lat.), bilden, gestalten, etwas mit Figuren schmücken; sinnbildlich darstellen; übertragen s. v. w. eine Rolle (Figur) darstellen, Lückenbüßer sein, eine bloße Figur abgeben.

Figurierter Choral, s. Choralbearbeitung.

Figurierte Zahlen, die Glieder einer arithmetischen Reihe beliebiger Ordnung (vgl. Progression), welche mit der Einheit beginnt. Nimmt man in der ersten Reihe 1 als Differenz, so sind die ersten drei Ordnungen

^[Liste]

1 2 3 4 5 6 7...

1 3 6 10 15 21 28...

1 4 10 20 35 56 84...

In der zweiten und ebenso in der dritten Reihe ist jedes Glied die Summe des vor ihm stehenden derselben und des über ihm stehenden der vorhergehenden Reihe, und ebenso ist ein solches Glied die Summe der Glieder der vorhergehenden Reihe vom ersten bis zu dem über ihm stehenden. Da man die Einheiten der Zahlen der zweiten Reihe in Gestalt gleichseitiger Dreiecke ordnen kann (vgl. Polygonalzahlen), so nennt man diese Zahlen Trigonalzahlen; analog heißen die der dritten Reihe Tetraedralzahlen, weil sich ihre Einheiten in Form von Tetraedern ordnen lassen. Nimmt man in der ersten Reihe die Differenz 2, 3, 4 etc., so bekommt man in der zweiten Quadrat-, Pentagonal-, Hexagonalzahlen etc., während die der dritten Reihe im allgemeinen Pyramidalzahlen (s. d.) heißen. Mit diesen Zahlen haben sich schon die Alten, z. B. Nikomachos und Hypsikles, beschäftigt; nach dem Wiederaufblühen der Wissenschaften haben zuerst Pascal, Jak. Bernoulli, Wallis u. a. ihnen ihre Aufmerksamkeit zugewandt.

Figurine (lat.), Figürchen.

Figurismus, eine theologische Ansicht, wonach die Begebenheiten des Alten Testaments die des Neuen vorbildlich darstellen; vgl. Typologie.

Figurist (lat.), Figurenbildner; Tänzerin Figurentänzen; Anhänger des Figurismus.

Figürlich, s. v. w. bildlich, symbolisch.