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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Filariaden - Filiation.

Filariaden (Filariadae), Familie der Nematoden oder Fadenwürmer, leben als Eingeweidewürmer in allen Gruppen der Wirbeltiere. Am bekanntesten ist der Medina- oder Guineawurm (Filaria medinensis Gm.) des Menschen, doch kennt man bisher nur das Weibchen von etwa 1,5 m Länge und 2 mm Dicke, das im Bindegewebe zwischen den Muskeln oder unter der Haut lebt. Hier erzeugt der Wurm sehr bösartige Geschwüre; reißt man ihn beim Herausziehen ab, so soll er heftige Entzündungen veranlassen. Er wird darum langsam über ein Röllchen gewickelt und so herausgehaspelt. Er findet sich nur in den Tropengegenden der Alten Welt, sucht aber Weiße und Farbige heim. Die Jungen werden mit dem Inhalt des Geschwürs entleert und gelangen in kleine Wasserkrebse (Cyklopiden); was später aus ihnen wird, ist noch nicht ermittelt. Ebenfalls in den heißen Gegenden zeigt sich Filaria Bancrofti Cobb., von der ein Jugendstadium (die F. sanguinis hominis) massenhaft das menschliche Blut, das geschlechtsreife Tier aber den Hodensack bewohnt. Aus dem Blut sollen die Jungen durch die Kapillargefäße der Nieren in die Harnröhrchen geraten und mit dem Urin, welcher alsdann blutig ist (Hämaturie), nach außen entleert werden, um später auf unbekannte Art wieder im Menschen aufzutauchen. Ähnlich verhält es sich mit F. immitis, die im Herzen der ostasiatischen Hunde ihren Sitz hat. Vgl. Leuckart, Allgemeine Naturgeschichte der Parasiten (Leipz. 1879).

Filatorĭum (lat.), Seidenmühle und Seidenzwirnmaschine.

Filātormaschine (Drahtzähler), Vorrichtung zum Aufdrehen eines Seidenfadens, um die Anzahl der Drehungen der einzelnen Rohseidenfäden und des gezwirnten Fadens auf eine gewisse Länge zu bestimmen.

Filder (die F.), ein 165 qkm (3 QM.) großes wellenförmiges Plateau in Württemberg, zwischen dem Schönbuchwald und Stuttgart, bildet einen der fruchtbarsten Teile der schwäbischen Ebene. Besonders viel wird auf demselben das sogen. Filderkraut gebaut, ein trefflicher Kopfkohl, der sich durch seine besondere Form (Spitzkopfkohl), seine Ergiebigkeit und seinen vortrefflichen Geschmack auszeichnet.

Filderkraut, s. Kohl.

Fildes (spr. feilds), Luke, engl. Maler, geb. 1844, begann seine Studien in der Schule von South Kensington und wurde später Schüler der Akademie. Seine Thätigkeit erstreckte sich zunächst auf Zeichnungen für die Zeitschriften: "Graphic", "Cornhill Magazine", "Once a Week" und später auf Illustrationen zu Schriften von Dickens und Lever. Als Maler debütierte er 1868 in der Ausstellung der Akademie mit einem Bilde: der Anbruch der Nacht, und ließ darauf eine Reihe andrer folgen, die sich durch einen kräftigen Realismus auszeichnen. Es sind z. B. das losgebundene Gespann (1869); der leere Stuhl (1871); die Einfaltspinsel (1873); die Armen Londons, die Eröffnung eines Nachtasyls erwartend; der Witwer (1876) und die Spielkameraden (1877).

Filefjeld (spr. -fjell), eine große, öde Massenerhebung im Zentralgebirge Norwegens, auf der Grenze der Stifter Christiania und Bergen. Über dieselbe führt der Hauptweg von Christiania nach Bergen.

Filehne (poln. Wielen), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Bromberg, Kreis Czarnikau, an der schiffbaren Netze und der Linie Berlin-Schneidemühl der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, Synagoge, ein Amtsgericht, ein Hospital und (1885) 4318 Einw. (darunter 950 Katholiken und 720 Juden). Zu F. gehört das Pädagogium Ostrau (Ostrowo). Dabei das bedeutende Gut F. mit Schloß des Grafen von der Schulenburg. In der Nähe sind Braunkohlengruben.

Filet (franz., spr. -leh, "Fädchen"), ein netzartiges Geflecht aus Zwirn, Watte, Seide, Chenille mit Knoten an den Kreuzungspunkten der Fäden, wird mit Hilfe eines Holzstabes und einer sogen. Filetnadel hergestellt, auf welche der Arbeitsfaden aufgewickelt ist. Die Stärke des Holzstäbchens bedingt die Weite der Maschen. -

In der Buchbinderei heißen die linsenförmigen Verzierungen der Buchrücken Filets; man preßt sie mit den sogen. Filetstempeln auf. -

In der Kochkunst versteht man unter F. den Mörbraten (Mürbraten, Lendenbraten) vom Rinde, die beiden Brustfleischstücke vom Federvieh, zwei lange vom Rücken der Fische geschnittene Fleischstreifen, das in kotelettförmige oder ovale Stücke geschnittene Fleisch von Wild, Schlachtvieh oder Geflügel, auch längliche, schmale Streifen von Fleisch, Wurzeln, Semmeln, Äpfeln etc. -

In der Reitkunst ist F. gleichbedeutend mit Trense.

Filhol (spr. fijoll), Antoine Michel, franz. Kupferstecher, geb. 1759 zu Paris, Schüler Nées, Herausgeber der Gemälde und Statuen des Musée français in dem Prachtwerk "Cours de peinture, ou galerie du musée Napoléon" (Par. 1804-15, 10 Bde., mit Text von Caraffe und La Valée, Vater und Sohn). Als Fortsetzung erschien: "Musée royal de France, ou collection gravée des chefs d'œuvre de peinture, etc." (Par. 1827), besorgt von der Witwe Filhols, der bereits 1812 starb. F. stach außerdem viele Blätter für Reise- und andre illustrierte Werke.

Filia (lat.), Tochter.

Filiāl (mittellat.), eigentlich: in einem solchen Verhältnis stehend wie die Kinder zu den Eltern; daher besonders von Instituten gebraucht, die von andern ausgegangen oder gegründet und deshalb von diesen abhängig oder ihnen untergeordnet sind. Filialkirche (Tochterkirche, filia ecclesia) ist daher eine Kirche, welche keinen eignen Pfarrer hat, sondern von dem einer andern, gewöhnlich benachbarten (Mutterkirche), mit besorgt wird; daher Filialgemeinde, Filialschule etc. Filialgeschäfte, Filialen, Filialinstitute (Zweiggeschäfte, Zweigetablissements), welche ein Geschäftsmann oder eine Handelsgesellschaft neben dem Haupt- oder Zentralgeschäft entweder auswärts oder auch am eignen Wohnort errichtet, müssen, gleich den Hauptgeschäften, beim Handelsgericht angemeldet und im Handelsregister eingetragen werden.

Filiaster (lat.), Stiefsohn.

Filiation (lat.), eigentlich Sohn- oder Tochterschaft, Verhältnis des Sohns oder der Tochter zu den Eltern; daher im geistlichen Ordenswesen das Abhängigkeitsverhältnis der Ordensmitglieder den Ordensobern gegenüber und die für die erstern daraus herfließende Verpflichtung zum Gehorsam den letztern gegenüber; Filiationsbriefe, Briefe, welche von Klöstern, besonders Bettelmönchsklöstern, ausgestellt wurden, um Laien oder auch Weltgeistliche gegen eine Schenkung an Geld oder Gut zur Mitbrüderschaft und zur Teilnahme an den Segnungen des klösterlichen Lebens zu erheben; Filiationsklage, die Klage auf Anerkennung der Vaterschaft und Alimentation des Kindes, welche nach römischem Recht nur gegen den ehelichen Vater gegeben war, während aber heutzutage auch die außereheliche Vaterschaft im Weg der Klage ermittelt werden kann. Dem französischen Recht ist jedoch eine solche Klage fremd