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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fischerei

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Fischerei (Ertrag).

da sie in geschlossenen Gewässern verkümmern und im Lauf des ersten oder zweiten Lebensjahrs zum Meer ziehen müssen, von wo sie erst im geschlechtsreifen Alter zum Laichen in die Flüsse zurückkehren. In Amerika sind infolge großartiger Aussetzungen von Lachsbrut Flüsse, in denen der Lachs fast gänzlich verschwunden war, fischreicher gemacht, als sie je waren, und auch in Deutschland, wo von zahlreichen mit dem Deutschen Fischereiverein in Verbindung stehenden Brutanstalten jährlich einige Millionen Lachseier in die öffentlichen Gewässer gesetzt werden, ist ein günstiger Einfluß auf den Lachsbestand vieler Flüsse unverkennbar und ermutigt zu weiterm Vorgehen in größerm Umfang.

Für die Hebung des Lachsbestandes in unsern Flüssen, die durch zahlreiche Wehre, Stauwerke, Mühlen etc. den früher in sie einwandernden Lachsen unzugänglich gemacht sind, ist die Anlage von Lachsleitern (Lachstreppen, Fischwegen, Fischpässen) ein dringendes Erfordernis. Durch derartige Vorrichtungen wird es dem Lachs möglich gemacht, an Wehren, die er ihrer Höhe wegen nicht überspringen kann, auf leichte Weise aus dem Unterwasser ins Oberwasser und zu seinen im Oberlauf der Flüsse gelegenen Laichstellen zu gelangen. Bei der Anlage solcher Lachsleitern wird entweder eine Reihe niedriger Wasserfälle in Treppenform angelegt mit Bassins auf jeder Stufe, in denen die Fische ausruhen, und aus deren jedem sie leicht in das nächsthöhere springen oder durch einen Einschnitt in der Wand schwimmen können, oder es wird die Gewalt des über eine geneigte Ebene herabströmenden Wassers durch Erzeugung von Gegenströmungen so geschwächt, daß die Fische im stande sind, gegen den Strom hinaufzuschwimmen. Nach beiden Systemen sind in Amerika und England zahlreiche, von den Lachsen stark benutzte Leitern angelegt, und auch in Deutschland beginnt man, nachdem einige Anlagen sich bewährt haben, dem Bau von Fischleitern eine größere Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Sehr viel einfachere Einrichtungen erfordert es, um der jährlich in großen Schwärmen aus dem Meer in die Flüsse aufsteigenden Aalbrut (Montée) den Weg in den obern Lauf der Flüsse und die mit ihnen zusammenhängenden Seen zu bahnen. Solche Aalbrutleitern, die an jeder Wassermühle aufgestellt werden sollten, bestehen aus rohen hölzernen Rinnen, die in schräger Stellung aus dem Unterwasser ins Oberwasser führen, deren Boden mit Kies bedeckt ist, und durch die aus dem Oberwasser nur soviel Wasser herabrinnt, um den Kies naß zu erhalten. Die Aale steigen meistens nachts auf, nur bei trübem Wetter auch am Tag, und bei Rendsburg hat man die Rinnen oft von den Aalmassen, die sie nicht völlig fassen konnten, überquellen sehen. Je mehr jungen Aalen es möglich wird, in die obern Flußläufe und Seen zu gelangen, um so größer ist natürlich später der Aalfang bei den Mühlen, wenn sie erwachsen wieder dem Meer zuwandern, um zu laichen.

Ertrag der Fischerei.

Über den Ertrag, welchen die See- und Süßwasserfischerei der verschiedenen Nationen liefert, sind wir noch sehr unvollkommen unterrichtet, indem mit regelmäßigen statistischen Erhebungen über diese Verhältnisse erst in wenigen Ländern ein Anfang gemacht ist und die hin und wieder bekannt gewordenen Angaben aus sehr verschiedenen Zeiten stammen und vielfach auf ziemlich willkürlichen Schätzungen beruhen. Für Deutschland wies die Gewerbezählung von 1875 im ganzen 19,623 Fischer nach, 1882 nur 13,392. Diese betreiben zum größten Teil Binnenfischerei und Küstenfischerei in der Ostsee mit kleinen Fahrzeugen und vielfach in ganz unerheblichem Umfang. An der ganzen Nordseeküste sind nur 1200 Fischer beschäftigt, die sich auf 12 Logger der Emdener Heringsfischereigesellschaft, 70 Schellfischschaluppen auf den ostfriesischen Inseln und 270 Ewer von der Unterelbe verteilen. Der Fischkonsum ist in Deutschland, verglichen mit dem andrer Länder, außerordentlich gering; der Bedarf wird indessen keineswegs allein von deutschen Fischern gedeckt. Heringe werden jährlich im Wert von 30 bis 40 Mill. Mk., andre gesalzene, getrocknete und geräucherte Fische für 1,5 Mill. Mk. importiert; auch die Einfuhr frischer Seefische aus andern Ländern ist sehr beträchtlich, aber nicht zahlenmäßig nachzuweisen. Eine Hebung der deutschen Seefischerei ist nur zu erwarten, wenn sich das Großkapital der Sache annimmt, wie in andern Ländern. In Großbritannien wird nach einer 1883 veröffentlichten Übersicht die F. von 113,640 Personen mit etwa 35,000 Fahrzeugen betrieben. Allein die Schleppnetzfischerei wird von 3000 Segelfahrzeugen und Dampfern ausgeübt und liefert den größten Teil des auf fast 3 Mill. Ztr. veranschlagten Fischbedarfs von London. Es ist in dieser F. ein Kapital von 300 Mill. Mk. angelegt, der Ertrag beträgt 70 Mill. Mk. Hull allein besaß 417 Schleppnetzfahrzeuge im Wert von 11 Mill. Die Treibnetzfischerei Schottlands wurde 1880 von 70,000 Menschen mit 15,000 Booten und 30,000 km Netzen betrieben, 1881 lieferte sie 200,000 Tons Heringe im Wert von 44 Mill. Mk. Der Gesamtertrag der englischen Seefischereien wird auf 240 Mill. Mk. angegeben, der der Süßwasserfischereien auf 13,5 Mill., wovon allein 7,5 Mill. auf den Lachsfang kommen. In Frankreich waren 1869-77 durchschnittlich 19,700 Fahrzeuge mit der F. beschäftigt und mit 92,200 Fischern besetzt, von denen 68,000 mit Küstenfischerei, 11,000 mit dem Kabeljaufang bei Neufundland zu thun hatten. Der durchschnittliche Ertrag der F. betrug in den genannten Jahren 60 Mill. Mk.; 1877 wurden allein bei Neufundland für 7 Mill. Mk. Dorsche gefangen. Nach der von dem französischen Marineministerium herausgegebenen "Revue maritime et coloniale" beziffert sich für 1882 der Ertrag der Meeresprodukte auf 92,963,000 Frank. Die F. der Niederlande, welche früher von größter Bedeutung war, ist in neuerer Zeit durch die englische und französische Konkurrenz in den Hintergrund gedrängt. Noch in der Mitte des 17. Jahrh. wurde die Heringsfischerei von 1000-2000 Schiffen betrieben und lieferte einen jährlichen Ertrag von etwa 15 Mill. Gulden. Dagegen waren 1855 nur noch 79 größere Heringsfahrzeuge in Thätigkeit. Seitdem hat sich jedoch die Seefischerei bedeutend gehoben, 1871 gingen bereits wieder 128 Fahrzeuge auf den Heringsfang, und die Fangresultate der einzelnen Schiffe verbessern sich immer mehr. Im J. 1865 wurde der Ertrag der gesamten Seefischerei auf 12 Mill. Mk. geschätzt, dürfte jetzt aber erheblich höher sein. Für die Fluß- und Küstenfischerei ist der Lachs von der größten Bedeutung, welcher sich infolge der Brutaussetzungen in Deutschland und der Schweiz erheblich vermehrt hat, bei seinem Aufsteigen in den Rhein aber in Holland in rücksichtslosester Weise weggefangen wird, so daß der Ertrag eines Tags in Holland mitunter den Gesamtwert des Lachsfanges am Oberrhein in einem Jahr übertrifft. Die Zufuhr von Lachsen am Kralingschen Veer, wo sich der holländische Lachshandel wesentlich konzentriert, betrug 1870: 21,687, 1875: 56,436, 1884: 92,116 Stück