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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fischerstechen; Fischeruptionen; Fischfluß; Fischgrätenbau; Fischguano; Fischhausen; Fischhaut; Fischhof

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Fischerstechen - Fischhof.

Fischerstechen, ein Kampfspiel zu Wasser, bei welchem die mit langen hölzernen Spießen bewaffneten Kämpfer, die an den äußersten Enden leichter Kähne stehen, sich gegenseitig umzustoßen suchen, so daß der Überwundene ins Wasser fällt. Am berühmtesten ist das F. in Ulm, welchem das F. in Leipzig und die F. der Halloren mehr oder weniger nachgebildet sind.

Fischeruptionen, durch Erdbeben und Erdrutsche veranlaßte Ausbrüche der in vulkanischen Spalten und Höhlen sowie in Kraterseen angesammelten Wasser- und Schlammmassen, welche Fische mit sich führen. Über derartige Vorkommnisse in Ecuador an den Vulkanen Zembaruru (1691) und Carguairaza (1698) berichtete namentlich Humboldt, doch hat er phantastischen Schilderungen der Indianer offenbar zu großen Glauben geschenkt.

Fischfluß, 1) (Großer F., auch Aup genannt) Fluß im Groß-Namaland, Nebenfluß des Oranje von N. her, entspringt südlich vom Wendekreis des Steinbocks, ist 660 km lang, fließt aber nur periodisch. -

2) Großer F., im östlichen Kapland, entspringt in den hohen Schneebergen, mündet nordöstlich der Algoabai in den Indischen Ozean und ist 600 km lang. Seine ansehnlichsten Zuflüsse sind der Brack, Tarka u. Kleine F. Der F. ist nächst dem Gariep der ansehnlichste und zugleich längste Fluß des Kaplandes, verwandelt sich jedoch in der heißen Jahreszeit in eine Kette von Wasserlöchern, während er sich nach Regengüssen (oft binnen 24 Stunden) mit Fluten von 10 bis 16 m Tiefe und oft 100 m Breite füllt. Seine Mündung ist durch eine Barre verstopft. -

3) Großer F., in Britisch-Nordamerika, s. Back River.

Fischgrätenbau, in der modernen Eisen-, Glas- und Backsteinkonstruktion ein Gebäude, welches in seiner Grundrißdisposition dem Skelett eines Fisches ähnelt, so daß eine lange Galerie durch parallele Querbauten in bestimmten Zwischenräumen durchschnitten wird. Das System des Fischgrätenbaues hat sich besonders bei Industrie- und Weltausstellungen praktisch bewährt (Wien und Paris), weil dasselbe die Trennung der Nationen und zugleich diejenige der Industriezweige ermöglicht.

Fischguano, wertvolles Dungmittel, welches aus Fischabfällen und ungenießbaren Fischen bereitet wird. Man hat in den Küstengegenden wohl zu allen Zeiten mit Fischen und Fischabfällen gedüngt, aber erst in neuester Zeit angefangen, daraus eine haltbare und transportable Ware für den Verbrauch im Binnenland herzustellen. Zur Bereitung des Fischguanos dienen beim Fischfang zufällig mit erhaltene, als Nahrungsmittel wertlose Fische und die Abfälle, welche bei der Zubereitung der Seefische zum Transport sowie beim Walfischfang entstehen, etc. Nachdem man einmal den Wert dieser Stoffe kennen gelernt hatte, wurden aber auch verschiedenartige Seeprodukte, kleine Fische, Seesterne, Krebse, Muscheln etc., direkt zur Düngerbereitung gefangen und gesammelt und bisweilen zunächst zur Thran- und Ölgewinnung verwertet. Hauptsächlich wird F. an den Küsten Norwegens, Englands, Frankreichs, Ostpreußens, auf den Lofoten, auf Neufundland und Helgoland dargestellt. Bisweilen werden die Fische zunächst gekocht, dann gepreßt und zerrieben, auch wohl mit Schwefelsäure behandelt. Die norwegische Ware bildet ein gröbliches, erbsgelbes Pulver von Fischgeruch und wird wie Guano benutzt, der indes viel schneller und kräftiger wirkt. Die Zusammensetzung der verschiedenen Sorten ist außerordentlich verschieden, sie enthalten 3-16 Proz. Phosphorsäure, 5-12 Proz. Stickstoff und meist weniger als 1 Proz. Kali.

Fischhausen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, an einer Bucht des Frischen Haffs und an der Linie Pillau-Prostken der Ostpreußischen Südbahn, hat ein Amtsgericht, eine schöne gotische Pfarrkirche, einen kleinen Hafen und (1885) 2758 meist evang. Einwohner, welche Ackerbau, Fischfang, Bierbrauerei und Ziegelbrennerei betreiben. Die 1264 angelegte Ordensburg war Residenz der samländischen Bischöfe. F. erhielt 1299 Stadtrecht. -

Der Kreis F., der westliche Teil des alten Samlandes (s. d.), liegt an der Ostsee zwischen dem Frischen und Kurischen Haff und ist unter allen ostpreußischen Kreisen landschaftlich der schönste. Östlich von F. liegt die Kapornsche Heide mit der Vierbrüdersäule, einst der Aufenthalt zahlreicher Elentiere (das letzte wurde 1861 erlegt); 5 km westlich von F. das ehemalige Deutschordensschloß Lochstädt, 1264 gegründet (die gotische Schloßkapelle wurde 1870 restauriert); südlich bei diesem der Bahnhof Neuhäuser in lieblicher Gegend und mit Seebad (seit 1865). Berühmt durch Aussichten sind der Galtgarben (s. d.) bei Kumehnen und der Hausenberg bei Germau. An der nördlichen Küste liegen die Seebäder Neukuhren und Kranz (s. d.).

Fischhaut, die mit Stacheln besetzte Haut von Hai- und Rochenarten aus dem Mittelmeer, wird gleich nach dem Fang der Tiere abgezogen, auf Bretter oder Rahmen gespannt, langsam getrocknet und zu Tafeln zerschnitten, dient zum Abschleifen von Holz- und Metallarbeiten, zum Einpressen von Mustern in Sattelleder und zur Darstellung von Chagrin (Fischhautchagrin).

Fischhof, Adolf, österreich. Politiker, geb. 8. Dez. 1816 zu Altofen von jüdischen Eltern, studierte 1836 bis 1844 in Wien Medizin, ward im März 1848 vom Medizinerkorps der akademischen Legion zum Kommandanten gewählt, war Mitglied des politischen Zentralkomitees, Präsident des Sicherheitsausschusses und vertrat später den Wiener Bezirk Matzleinsdorf im konstituierenden Reichstag, in welchem er bis zu dessen Auflösung eine hervorragende Rolle spielte. Er ward vom liberalen Ministerium Doblhof als Ministerialrat ins Ministerium des Innern berufen, welchen Posten er bis zum Oktober behielt. Bei Auflösung des Reichstags von Kremsier 7. März 1849 wurde F. verhaftet, des Aufruhrs und Hochverrats angeklagt, nach neunmonatlicher Haft jedoch ab instantia losgesprochen. F. widmete sich nun ganz der ärztlichen Praxis. Nach Wiederbeginn des konstitutionellen Lebens in Österreich, im März 1861, veröffentlichte F. in Gemeinschaft mit dem nachherigen Minister Unger die Schrift "Zur Lösung der ungarischen Fragen", in welcher der Dualismus befürwortet wurde, und dann, nach dem unglücklichen Krieg 1866, die patriotisch gehaltene, gegen die Entmutigung ankämpfende Broschüre "Ein Blick auf Österreichs Lage". Ende 1869 publizierte er "Österreich und die Bürgschaften seines Bestandes", worin er eine föderalistische Konstituierung Österreichs empfahl. Aus Gesundheitsrücksichten gezwungen, sich von aller Thätigkeit zurückzuziehen, begab er sich in die Nähe von Klagenfurt. Erst 1882 betrat er wieder die politische Arena, indem er im Verein mit Walterskirchen u. a. eine deutsche Volkspartei zu begründen suchte, welche durch Konzessionen in der Nationalitätenfrage vermittelnd wirken u. eine Koalition sämtlicher liberalen Elemente herstellen sollte. Die Parteibildung scheiterte jedoch an dem Widerstand der Verfassungspartei. Vgl. "Die Sprachenrechte in den Staaten gemischter Nationalität, nach den von A. F. gesammelten Daten etc. dargestellt" (Wien 1885).