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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Flandrische Liebe - Flaschen.

des Schiffs der Kirche St.-Vincent de Paul mit Fresken in Gestalt eines Frieses und ward darauf Mitglied des Instituts. Bei Ausmalung der neuen Basilika St.-Paul zu Nîmes näherte er sich den alten Florentinern und Sienesen, bei den Apsidenmalereien der romanischen Abteikirche von Ainay bei Lyon dem Stil der ravennatischen Mosaiken, ohne jedoch seine klassische Formgebung, wie er sie aus Ingres' Schule gewonnen hatte, preiszugeben. Als seine vorzüglichsten Gemälde sind noch zu nennen: Christus läßt die Kinder zu sich kommen; Savonarola, in Florenz predigend; der Jüngling am Meer; die schmerzensreiche Mutter. Ausgezeichnet war er auch im Bildnis. Er starb 21. März 1864 in Rom. Seine Biographie schrieben Poncet (1864) und Montrond (1876). - Sein Bruder Jean Paul, geb. 8. Mai 1811 zu Lyon, bildete sich ebenfalls unter Ingres, wählte aber als sein spezielles Fach die Landschaftsmalerei. Seine Bilder sind meist Kompositionen idealen Charakters.

Flandrische Liebe, Umschreibung für Flatterhaftigkeit, Treulosigkeit in der Liebe ("Ich bin aus Flandern, geb' eine um die andern").

Flandrische Sprache, s. v. w. vlämische Sprache.

Flanell (franz.), glattes oder geköpertes, wenig gewalktes, auf der rechten Seite einmal gerauhtes, nicht oder nur einmal geschornes wollenes Gewebe. Der Einschuß ist stets Wolle, die Kette meist Kammgarn, bisweilen auch Baumwoll und Leinengarn. Futterflanell ist tuchartig gewebt aus Kamm- und Streichgarn; Gesundheitsflanell zu Unterhemden etc., die beste Flanellsorte, ist geköpert, mehr tuchartig, gewalkt und gerauht. Beim frisierten F. sind die langen Haare in Knötchen zusammengedreht. Bunt gestreifter F. mit Baumwoll- oder Leinengarnkette hat quer über das Stück gehende Streifen und wird auf dem Land zu Unterröcken benutzt. Boy ist ein grober, lockerer, tuchartiger F., selten etwas gewalkt, dann gerauht, gespannt und heiß gepreßt, glatt und frisiert, weiß, schwarz und bunt. Bisweilen kommt auch feinerer, weicherer F. unter dem Namen Boy vor. Moll, Molton gehören ebenfalls zu dieser Klasse von Geweben. Bei uns wird F. besonders in Sachsen, Böhmen, Mähren, Thüringen, Westfalen, Preußen, Hannover, Hessen fabriziert.

Flanieren (franz.), in behaglicher Beschaulichkeit die Straßen durchschlendern; Flaneur (spr. -nör), Pflastertreter, (eleganter) Bummler; Flanerie, das F.

Flanke (franz. Flanc), die "Seite" irgend eines Gegenstandes, in der Taktik die Seite einer Truppenaufstellung im Gegensatz zu Fronte und Rücken; sie ist der gefährdetste Punkt einer Stellung, weil eine Truppe nach der F. hin erst durch eine Wendung, Schwenkung u. dgl. zur Gefechtsthätigkeit übergehen, der Gegner ihr also, da sie während der Bewegung verteidigungsunfähig ist, durch Flankenfeuer große Verluste beibringen, durch überraschenden Flankenangriff sie schlagen und ihre Rückzugslinie bedrohen kann, bevor sie Zeit hat, ihm gleiche Kräfte entgegenzustellen. Daher erfordert die Deckung der F. große Aufmerksamkeit; wo sich nicht eine Flankenanlehnung findet, die der Gegner schwer überschreiten und nicht überschießen kann, führt sie zur Gliederung nach der Tiefe. Flankenstellung, eine Aufstellung seitwärts der Vormarschrichtung des Gegners, so daß dieser, um solche Stellung anzugreifen, die eigentlich beabsichtigte Operation aufgeben und eine neue Richtung einschlagen muß. Flankenmarsch, Abmarsch nach einer Seite, vor der Fronte des Gegners vorbei, dem man bewußt die F. bietet, und auf dessen Angriff man gefaßt ist. Ein solcher Flankenmarsch war z. B. 1859 der Marsch der Franzosen aus der Gegend von Alessandria, vor der Fronte der österreichischen Armee vorbei bis fast an den Fuß der Alpen, von wo sie auf Magenta vorrückten. In der Befestigungskunst heißen Flanken bei Bastionen und Lünetten die von den Facen nach rückwärts geführten kurzen Linien (s. Festung, bes. S. 182), Flankenbatterien die dort vorbereiteten offenen oder kasemattierten Geschützaufstellungen. - Bei Tieren, besonders Wild, heißt F. die nicht von Knochen bedeckte Gegend des Unterleibs. Flankenbruch ist beim Pferd ein Austreten des Netzes oder der Gedärme durch eine in den Flanken infolge eines Stoßes entstandene Trennung der innern Bauchwandung, die sich zu einem Bruchsack erweitert, Flankenspannung die widernatürliche Austreibung der Bauchmuskeln.

Flankeure (franz. Flanqueurs), einzelne Reiter, die von geschlossenen Abteilungen vorgeschickt werden, um die Bewegungen des Feindes zu beobachten und die eignen zu verdecken. Um sich hierbei dem feindlichen Feuer zu entziehen, führen sie bogenförmige Bewegungen aus, z. B. in Form einer 8, die man Flankieren nennt.

Flankieren (franz.), mit Seitenwerken versehen; eine Stellung gewinnen, aus der man gegen die Flanke des Feindes wirken kann, ist namentlich für die Reiterei von Bedeutung, da sie bei ihren schnellen Bewegungen den Angriff ausführen kann, bevor der Feind zur Gegenwehr bereit ist. Bei der Artillerie heißt F. in der Flanke, auch Festungslinien der Länge nach beschießen (rikoschettieren, s. d.). Vgl. Flankeure.

Flankonade (franz., "Seitenstoß"), in der Fechtkunst der aus dem innern Engagement mit der Stärke des Floretts oben herum erzwungene Sekundstoß.

Flantsche, s. Röhren.

Flarchheim (Fladenheim), preuß. Dorf bei Mühlhausen in Thüringen. Hier 27. Jan. 1080 Schlacht zwischen Kaiser Heinrich IV. und den empörten Thüringern und Sachsen unter dem Gegenkönig Rudolf von Schwaben und Otto von Nordheim, in welcher der Kaiser geschlagen ward.

Flasche, mechanische, Zusammenstellung zweier oder mehrerer Rollen in einem Gehäuse (Kloben [s. d.] oder Schere).

Flaschen werden meist aus farbigem oder farblosem Glas und zur Aufbewahrung von Substanzen, die sich am Licht zersetzen, aus gelbem oder schwarzem Glas angefertigt (s. Glas). Irdene F. (Steinkrüge, Kruken) werden zum Aufbewahren von Bier, Mineralwässern, Säuren, Laugen etc. benutzt. In eisernen F. versendet man Quecksilber. Für die Benutzung der F. sind in großer Zahl mechanische Vorrichtungen konstruiert worden, welche namentlich in Kellereien, Mineralwasseranstalten, bei der Champagnerfabrikation, in Brauereien etc. Anwendung finden. Dahin gehören Flaschenfüllmaschinen, welche das Abziehen von Flüssigkeiten in Glasflaschen in der Art erleichtern, daß man nur die leeren F. anzustecken und die gefüllten abzunehmen braucht. Bei der Flaschenfüllmaschine in Fig. 1 verbindet das obere seitliche Rohr des mittlern Gefäßes letzteres mit dem Faß, und durch das untere horizontale Rohr werden die vier Füllapparate gespeist, an deren drehbaren Heber die leeren F. nur angesteckt zu werden brauchen. Bei dem Flaschenfüller für Mineralwässer von Kropff (Fig. 2) wird die Flasche mit Hilfe eines passenden Mechanismus an die Gummischeibe e gedrückt, welche sich infolgedessen etwas durchbiegt und durch das