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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Flaum - Flaxman.

bitterliche Wirkung noch erhöht wird. Ein besonders effektvolles, etwas gewagtes Kapitel des Romans gab Anlaß zu einer strafgerichtlichen Verfolgung, aus welcher der Dichter indessen siegreich hervorging. Bald darauf machte F. eine Reise nach Tunis, wo er die Anregung und den Stoff zu dem historisch-archäologischen Roman "Salammbô" (1862; deutsch, Frankf. a. M. 1863) empfing, der im großen Publikum wenig Anklang fand, die Kritik dagegen vielfach beschäftigte. Gegenstand desselben ist der Aufstand der Mietstruppen gegen Karthago zur Zeit Hamilkars, des Vaters von Hannibal, und das Ganze eine Schilderung des innern und äußern Wesens der alten Punierstadt, mit glänzender Pracht entworfen, aber doch ohne wirkliches Leben. Späterhin erschienen: "L'éducation sentimentale. Histoire d'un jeune homme" (1869), ein noch trostloserer Roman als "Madame Bovary", der auf das Publikum einen geradezu unheimlichen Eindruck machte; "La tentation de Saint-Antoine" (1874; deutsch von Endrulat, Straßb. 1874), ein geistreiches, aber ermüdendes philosophisch-kulturgeschichtliches Phantasiestück; endlich drei sauber ausgeführte Novellen: "Trois contes" (1877), die wieder bessere Aufnahme fanden. Ein politisches Schauspiel von F.: "Le Candidat", war auf dem Vaudevilletheater 1874 ohne allen Erfolg vorübergegangen. Durch diese wiederholten Enttäuschungen verbittert, auch vom Gang der politischen Dinge niedergedrückt, zog sich F. in die Einsamkeit auf seine Besitzung Croisset, unfern Rouen, zurück und schrieb noch den menschenfeindlichen und unerquicklichen satirischen Roman "Bouvard et Pécuchet" (1880), nach dessen Vollendung er 7. Mai 1880 starb. F. war bei allen Absonderlichkeiten eine hochbegabte und vornehme Dichternatur, dabei von edlem Charakter und seltener Originalität; sein Stil ist durchaus gefeilt und oft klassisch-musterhaft. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1885 in 8 Bänden.

Flaum (Flaumfeder), die weichen, wolligen Federn, welche den Leib der Vögel bedecken; bei den Wasservögeln heißen sie auch Daunen.

Flaus, s. v. w. Fries.

Flautando (flautato, ital., "flötend"), Vortragsbezeichnung beim Violinspiel, bedeutet, daß die Saite mehr in der Mitte ihrer ganzen Länge als wie gewöhnlich nahe am Steg angespielt werden soll. Durch diese Spielweise werden eine Anzahl sonst harter Obertöne (der 2., 4. etc.) beseitigt, der Ton nimmt daher eine weichere, an den Klang angeblasener Flaschen erinnernde Farbe an. Auch versteht man unter F. das Flageolett (s. d.).

Flauto (ital.), Flöte; F. piccolo, Pickelflöte; F. traverso, Querflöte; F. dolce, Schnabelflöte.

Flavedo, s. Citrus, S. 147.

Flaveszieren (lat.), gelb werden, vergilben; flaveszént, gelblich, ins Gelbe spielend.

Flavier, röm. Kaiserhaus, dem die Kaiser Titus Flavius Vespasianus (69-79 n. Chr.), Titus (79-81) und Domitianus (81-96) angehörten, und das mit des letztern Ermordung unterging.

Flavigny (spr. -winji), 1) Ortschaft im franz. Departement Côte d'Or, Arrondissement Semur, am Lozerain, hat eine schöne gotische Kirche mit viereckigem Turm, Reste einer Abtei (aus dem 6. Jahrh.) und (1876) 925 Einw. -

2) Dörfchen im W. von Metz, nahe der Chaussee Metz-Verdun, das 16. Aug. 1870 in der Schlacht von Vionville (s. d.) den Franzosen nach heftigen Kämpfen von Truppen des 3. Korps entrissen wurde und den Stützpunkt der Stellung desselben bildete.

Flavin, s. Quercitron.

Flavius, Name eines zur Zeit der Römerherrschaft durch ganz Italien verbreiteten Geschlechts. Die namhaftesten Träger desselben sind:

1) Gnäus F., Sohn des Ancus, war Schreiber des Zensors Appius Claudius Cäcus zu Rom und veröffentlichte als solcher ein Verzeichnis der sogen. Legis Actiones, unter dem Namen Jus Flavianum öfters erwähnt, sowie der sämtlichen Dies fasti und nefasti, wovon bis dahin zum Nachteil der Plebejer die Patrizier allein genauere Kenntnis besessen hatten. Das Volk erhob ihn dafür 304 v. Chr. zum kurulischen Ädilen.

2) Gajus F. Fimbria, wurde in dem Bürgerkrieg zwischen Sulla und Marius dem Konsul L. Valerius Flaccus, der 86 v. Chr. nach Asien geschickt ward, um Sulla vom Oberbefehl gegen Mithridates zu verdrängen, als Legat beigegeben, erregte in Byzanz eine Meuterei unter den Truppen, durch die der Konsul den Tod fand, übernahm darauf selbst den Oberbefehl gegen Mithridates, brachte diesem mehrere bedeutende Verluste bei und zog darauf plündernd und verwüstend in ganz Kleinasien umher, wobei er namentlich auch Ilion zerstörte, dessen er sich durch Verrat bemächtigt hatte. Als aber Sulla 84 nach Asien übersetzte und mit Mithridates Frieden schloß, suchte er vergebens mit Sulla zu unterhandeln, vergebens auch sich seines Gegners durch Meuchelmord zu entledigen. Sein Heer verließ ihn, er mußte nach Pergamon fliehen und fiel hier im Tempel des Äskulap durch die Hand eines Sklaven, nachdem er sich selbst schon eine Wunde beigebracht hatte. Seine Truppen, die Fimbrianer, mußten zur Strafe für die Meuterei bis zum Ende des dritten Mithridatischen Kriegs in Asien dienen.

Flavius Vespasianus, s. Vespasianus.

Flavius Vespasianus Titus, s. Titus.

Flavus, Bruder des Cheruskerfürsten Arminius, diente im römischen Heer unter Tiberius und Germanicus und hatte, als Germanicus im J. 16 n. Chr. bis an die Weser vorgedrungen war, an diesem Fluß eine Unterredung mit seinem Bruder, welcher ihn, jedoch vergeblich, für die Sache des Vaterlandes zu gewinnen suchte. Sein Sohn Italicus (s. d.) war kurze Zeit Fürst der Cherusker.

Flaxman (spr. fläxmän), John, engl. Bildhauer, geb. 6. Juli 1755 zu York, widmete sich auf der königlichen Akademie, die er aber wegen vermeintlicher Zurücksetzung bald wieder verließ, dann unter der Anleitung von Banks, G. Cumberland, Sharp, Blake und besonders Stothart der Bildhauerkunst. Im J. 1782 heiratete er Anna Denman, die auf seine Studien einen günstigen Einfluß äußerte, und mit welcher er 1787 nach Italien ging, wo er sieben Jahre verweilte. Nach seiner Rückkehr wurde er 1800 Mitglied und 1810 Professor der Bildhauerkunst an der Akademie zu London und starb 9. Dez. 1826. F. war einer der ersten Künstler, welche, Winckelmann nacheifernd, den Geist der antiken Kunst erfaßten; seine Kompositionen sind oft von überraschender Größe, sein Stil ist stets edel und rein; allen seinen Gestalten verlieh er das Gepräge eines streng sittlichen und erhabenen Charakters. Besonders haben ihm seine skizzierten Zeichnungen, worin sich der Reichtum seiner Phantasie am vollkommensten entfaltete, großen Ruf erworben. Am berühmtesten sind die Umrisse zu Homers "Odyssee" (Rom 1793; nachgestochen von Riepenhausen [Götting. 1803; neuer Abdruck, Berl. 1865], Schnorr u. a.) und "Ilias" (Lond. 1795); ferner die Zeichnungen zu