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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fleisch; Fleischbiskuit; Fleischblume; Fleischbrühe; Fleischdarstellung; Fleischer; Fleischextrakt

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Fleisch (in der Botanik) - Fleischextrakt.

am Körper ist Hesek. 11, 19 die Entgegenstellung des fleischernen Herzens gegen das steinerne zu begreifen. Dagegen wirkt der gewöhnliche alttestamentliche Sinn von F. auch im Neuen Testament nach, so daß z. B. "Fleisch und Blut" das Menschliche im Gegensatz zum Göttlichen bezeichnet. Nur im Sprachgebrauch des Apostels Paulus ist dieser Gegensatz in der Weise des auch in der gleichzeitigen alexandrinischen Religionsphilosophie uns begegnenden spekulativen Dualismus dahin vertieft, daß F. geradezu die Materie als ein widergöttliches, sündiges Prinzip bezeichnet.

Fleisch, in der Botanik ein weiches, saftreiches Zellgewebe gewisser Pflanzenteile, besonders an Früchten (s. Fruchtfleisch und Frucht).

Fleischbiskuit, Fleischbrot, s. v. w. Fleischzwieback.

Fleischblume, s. Lychnis.

Fleischbrühe, s. Bouillon.

Fleischdarstellung, s. Karnation.

Fleischer (Metzger, Fleischhauer, Schlächter, franz. boucher, charcutier, welches Wort auch in einem Teil von Süddeutschland gebräuchlich), Handwerker, welche das sogen. Schlachtvieh schlachten. Die Lehrlinge dieses Handwerks mußten 3-4 Jahre lernen, wurden als Gesellen Fleischerburschen, hier und da auch Fleischerknechte genannt. Das gewöhnliche Meisterstück der F. bestand in dem kunstgerechten Schlachten eines Ochsen oder andern Schlachttiers sowie in dem genauen Schätzen des Gewichts desselben vor dem Schlachten. Zum Schutz des Publikums stand das Fleischerhandwerk vielfach unter Überwachung durch die Polizei; die neuern Gestaltungen haben auch hier vieles geändert, doch ist eine obrigkeitliche Fleischschau, namentlich seit dem Auftreten der Trichinen, mehrfach von neuem eingeführt worden (s. Fleischschau). Vgl. Thon, Fleischer- und Metzgergewerbe (5. Aufl., Weim. 1880); Dronne, Charcuterie ancienne et moderne (Par. 1869).

Fleischer, 1) Heinrich Leberecht, namhafter Orientalist, geb. 21. Febr. 1801 zu Schandau in Sachsen, studierte 1818-24 zu Leipzig Theologie und orientalische Sprachen und nahm 1824 eine Hauslehrerstelle bei Caulaincourt, Herzog von Vicenza, in Paris an, wo er nebenbei mit Eifer arabische und persische Studien betrieb und 1827 Mitglied der Asiatischen Gesellschaft wurde. Im J. 1828 in sein Vaterland zurückgekehrt, beschäftigte er sich mit Untersuchung und Katalogisierung der auf der königlichen Bibliothek zu Dresden befindlichen orientalischen Handschriften; der Katalog erschien Leipzig 1831-34 und berichtet über 454 Handschriften. In demselben Jahr gab er nach zwei Pariser Handschriften eine Ausgabe von Abulfedas "Historia moslemica" (Leipz. 1831-34) heraus und begann die Übersetzung von Samachscharis "Goldenen Halsbändern" (das. 1835-38). Seit 1831 Lehrer an der Kreuzschule in Dresden, ward er 1833 Oberlehrer dieser Anstalt und erhielt 1836 eine ordentliche Professur der morgenländischen Sprachen an der Universität zu Leipzig, die er noch jetzt bekleidet. Von Schriften sind noch zu nennen: "Dissertatio critica de glossis Habichtianis in IV priorestomos MI noctium" (Leipz. 1836); "Alis hundert Sprüche" (das. 1837) und die Beschreibung der arabischen, persischen und türkischen Handschriften der Stadtbibliothek zu Leipzig in dem "Catalogus" von Naumann (1838). Auch vollendete er die durch Habichts Tod unterbrochene Ausgabe des Originals der "Tausendundeinen Nacht" (Bresl. 1842-43, Bd. 9-12) und gab den Kommentar zum Koran von Baidhawi (Leipz. 1846-48, 2 Bde.) sowie Moh. Ibrahims Grammatik der lebenden persischen Sprache (das. 1847, 2. Aufl. 1875) heraus. Bedeutend war seine Thätigkeit in der 1846 begründeten Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, deren Zeitschrift auch zahlreiche Abhandlungen von F. enthält. Seine "Kleinern Schriften" erschienen gesammelt (Leipz. 1885, Bd. 1).

2) Franz von, Botaniker, geb. 27. Nov. 1801 zu Lausigk in Sachsen, widmete sich der Pharmazie, machte 1825 eine botanische Reise in die Alpen Tirols und des angrenzenden Oberitalien und gab die auf dieser Reise gesammelten seltenen Pflanzen heraus. Der Erfolg dieser Reise wurde Veranlassung zur Gründung des Naturhistorischen Reisevereins zu Eßlingen, für welchen F. 1826 und 1827 nach der Levante ging. 1828-32 studierte er in Tübingen Medizin und Naturwissenschaften, war dann bis 1834 Arzt und Lehrer an dem Fellenbergschen Institut zu Hofwyl, bis 1840 Professor der Naturwissenschaft zu Aarau, darauf in Hohenheim, wo er seit 1874 nur Botanik lehrte und 24. Aug. 1878 starb. Er schrieb: "Über die Riedgräser Württembergs" (Tübing. 1832); "Beiträge zu der Lehre vom Keimen der Samen" (das. 1851); "Über Mißbildungen verschiedener Kulturpflanzen" (Eßling. 1862).

3) Moritz, Agrikulturchemiker, geb. 2. Jan. 1843 zu Kleve, widmete sich dem Bergfach, studierte dann Chemie in Berlin und Greifswald, beteiligte sich 1867-68 an den Versuchen G. Kühns in Möckern über den Einfluß des Futters auf die Milchproduktion etc. und ging dann 1869 als Chemiker an die landwirtschaftliche Versuchsstation Hohenheim und später als Assistent an die Versuchsstation Weende-Göttingen. 1875-77 wirkte F. als Direktor der Versuchsstation des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen zu Bonn, 1877 wurde er von der königlich preußischen Zentralmoorkommission berufen, die Moorversuchsstation in Bremen zu organisieren und zu leiten. Seit dem Tod Biedermanns redigiert er dessen "Zentralblatt für Agrikulturchemie".

Fleischextrakt (Extractum carnis), zur Muskonsistenz eingedampfte Fleischbrühe, wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts von Proust und Parmentier zuerst dargestellt und 1830 in Form von Bouillontafeln zur Verproviantierung von Schiffen benutzt, später in Apotheken als konzentriertes Nahrungsmittel für Kinder und Rekonvaleszenten bereitet und als solches auch in die Londoner Pharmakopöe aufgenommen. Eine rationelle Darstellungsweise lehrte Liebig 1857, und auf deren Prinzipien wird es seit 1864 von Giebert in Fray Bentos (Uruguay) fabrikmäßig dargestellt. Große Quantitäten kommen auch aus Montevideo, San Antonio in Texas und Australien. In Fray Bentos wird das möglichst fettfreie Fleisch auf Maschinen zerhackt und in Digerierpfannen mit seinem gleichen Gewicht Wasser langsam durch Dampf auf 70° C. erwärmt. Die Fleischfaser wird ausgepreßt und anderweitig verarbeitet; die Flüssigkeit aber wird in ein Gefäß mit engem Hals gebracht, um sie von Fett vollständig zu befreien, dann in Gußstahlpfannen, die mit Dampf geheizt sind, und zuletzt in Gefäßen aus Gesundheitsgeschirr verdampft. 34 kg knochenfreies Fleisch liefern 1 kg Extrakt. Es bildet eine extraktförmige, braune, nach gebratenem Fleisch riechende, in Wasser leicht und klar lösliche Masse, soll frei von Leim sein und kein andres Kochsalz enthalten als durch das Fleisch selbst hineingelangtes. Das Extrakt des Handels enthält 13-29 Proz. Wasser, 10,5-21,5 Proz. mineralische und 49,5-68,8 Proz. organische Stoffe. Die Asche