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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Flor - Florentiner Flasche.

Flor (v. lat. flos, "Blume"), Blüte, Zustand des Blühens, Blumenfülle; Blütezeit, auch allgemeiner s. v. w. Zustand des Gedeihens, Wohlstand.

Flor (Krepp), leichtes, gitterartiges, durchsichtiges, ganz- oder halbseidenes, baumwollenes, leinenes oder wollenes, glattes oder gemustertes Gewebe, wahrscheinlich so genannt, weil es ursprünglich aus Flor- oder Florettseide verfertigt wurde, kommt jetzt vielfach unter dem Namen Gaze vor. Nur die schwarzen Sorten heißen ausschließlich F. (Trauerflor). F. dient zu allerlei weiblichen Putzgegenständen.

Flora, bei den Römern die Göttin der Blumen und Blüten, altitalischen Ursprungs. Im Mythus war F. gleich Acca Larentia eine "liebe Buhle", da sie ursprünglich Personifikation des fruchtempfangenden Erdbodens war. Die gräzisierende Sage identifizierte sie mit der Nymphe Chloris, welche von dem sie verfolgenden Zephyros eingeholt und zu seiner Gemahlin gemacht wurde. F. war die Göttin alles Blühenden, somit auch der Jugend und des fröhlichen Lebensgenusses, selbst der "guten Hoffnung" der Frauen, deren Symbol die Blüte ist. Ihr Dienst soll durch den Sabinerkönig Titus Tatius in Rom eingeführt worden sein; nach andern soll Numa für sie einen Flamen Floralis eingesetzt haben. An ihrem Fest (Floralia) schmückte man die Wohnungen und sich selbst mit Blumen, die Frauen kleideten sich gegen die sonstige Gewohnheit in bunte Farben, und Gesang, Tanz und Tafelfreuden füllten die Festzeit. Nach dem ersten Punischen Krieg kamen auch eigne Spiele der F. (ludi florales, vom 28. April bis 3. Mai) im Zirkus auf, wobei man statt der wilden Raubtiere allerlei niederes Wild, als Hasen, Rehe etc., jagte. F. hatte in Rom zwei Tempel, einen auf dem Quirinal, den andern in der Nähe des Circus Maximus. Die Künstler stellten die F. einer griechischen Frühlingshore ähnlich dar, als blühende, blumengeschmückte Jungfrau. Unter den plastischen Darstellungen ist die berühmteste die sogen. Farnesische F. (überlebensgroße Marmorfigur) im Museum zu Neapel (s. Farnesische Kunstwerke), deren Deutung aber unsicher ist. Vgl. Preller-Jordan, Römische Mythologie (Bd. 1, S. 430 ff.).

Flora (lat.), in der Botanik der Inbegriff aller Pflanzenarten, welche die Vegetation eines Landes oder einer Gegend ausmachen. Im streng pflanzengeographischen Sinn sind bei Begrenzung eines Florengebiets bestimmte botanische Momente maßgebend, indem man verlangt, daß ein solches Gebiet in seinem Vegetationscharakter bis zu einem gewissen Grad selbständig sei und eine Anzahl eigentümlicher Pflanzenarten beherberge (vgl. Pflanzengeographie). Solche Floren kann man wieder zu größern Florengebieten vereinigen. Während es also z. B. eine spanische, italienische, griechische F. gibt, spricht man auch von einer Mediterranflora. Vielfach wird aber der Ausdruck F. auch, ohne Rücksicht auf pflanzengeographische Momente, auf rein beliebig gewählte Lokalitäten und selbst auf ganz eng begrenzte Gebiete, z. B. auf die nächsten Umgebungen einer Stadt, bezogen. F. ist auch Titel von Büchern, welche eine botanische Aufzählung und Beschreibung aller in einem Florengebiet vorkommenden Pflanzenarten enthalten, z. B. F. germanica, F. orientalis, F. berolinensis etc. Die meisten dieser botanischen Floren berücksichtigen nur die Phanerogamen, weil die vollständige Kenntnis der Kryptogamen für zahlreiche Florengebiete noch problematisch ist. Für diese Pflanzen gibt es daher auch mehrfach besondere sogen. Kryptogamenfloren.

Florac (spr. -ráck), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Lozère, am Tarnon, welcher hier die wasserreiche Quelle Pêcher aufnimmt und unterhalb F. in den Tarn mündet, und am Fuß des Bergs Ramponenche (1183 m hoch), mit altem Templerhaus, Schloß, reformierter Konsistorialkirche, Lein- u. Tuchweberei, Färberei, Zwiebelkultur u. (1881) 1900 Einw.

Floragärten, s. Gartenbau.

Florband, dünnes seidenes Band mit Florgrund und eingewebten dichten Streifen oder einbroschierten Blumen u. dgl.

Floréal (franz., "Blütenmonat"), der achte Monat im franz. Revolutionskalender, vom 20. April bis 19. Mai.

Floreas (lat.), mögest du blühen! mög' es dir wohl ergehen! Floreat! er (es) blühe, gedeihe!

Floren (lat. Florenus, ital. Fiorino, franz. Florin), eine im 11. Jahrh. zu Florenz geprägte Münze von feinem Gold, ein Quentchen schwer und von der Größe eines Dukatens, mit dem Bild Johannes des Täufers auf dem Revers. Dergleichen Münzen wurden bald auch in andern Ländern geschlagen, so die Florins de Florence unter Ludwig VI. und Ludwig VII. in Frankreich (Florin d'or und Florin St-George). Es entstand daraus sowohl der Goldgulden des Mittelalters als der Gulden der neuern Zeit, der noch jetzt mit den zwei ersten Buchstaben des Wortes F. (Fl.) bezeichnet zu werden pflegt. Der alte Name findet sich noch hier und da in dem mit einer Lilie bezeichneten toscanischen Fiorino, einer seit 1826 geprägten Silbermünze von 1,666 toscanischen Lire = 1,129 Mk., und in dem englischen Florin, einer seit 1849 geprägten Silbermünze von 2 Schilling, deren Silberwert = 1,879 Mk. ist.

Florence (spr. -ängs), taftähnliches, ursprünglich in Florenz gefertigtes Seidengewebe, welches sich durch hohen Glanz auszeichnet, den es teils der dazu verwandten Seide, teils der sorgfältigen Appretur verdankt. Man fertigt ganz leichte Sorten zu Futter, aber auch dichtere und schwerere zu Kleidern, diese meist schwarz, die leichtern auch verschiedentlich einfach gefärbt oder bunt. Die vorzüglichste Ware liefern die Schweiz und Krefeld.

Florence (spr. florrenß), Dorf im NW. des nordamerikan. Staats Alabama, am Tennesseefluß, der hier die Muscle Shoals genannten Stromschnellen bildet.

Florengebiete, s. Pflanzengeographie.

Florens, Pseudonym des Dichters Joseph von Eichendorff (s. d.).

Florensac (spr. florangssack), Stadt im franz. Departement Hérault, Arrondissement Béziers, an der Südbahn, hat (1876) 3833 Einw., welche Ölfabrikation, Wein- und Branntweinhandel betreiben.

Florenser, s. Floriacenser.

Florentiner Arbeit, s. Mosaik.

Florentiner Braun, s. Kupferbraun.

Florentiner Flasche, weithalsige Flasche mit einem seitlich am Boden entspringenden Abflußrohr, welches beinahe bis zur obern Mündung emporsteigt und sich dort umbiegt (s. Figur). Die F. dient dazu, ein aus zwei nicht miteinander mischbaren Flüssigkeiten bestehendes Destillat zu trennen. Dies geschieht, indem die schwere Flüssigkeit beständig nach unten sinkt, durch die auf derselben schwimmende leichtere Flüssigkeit in das Abflußrohr gedrängt wird und aus diesem

^[Abb.: Florentiner Flasche.]