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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fluß

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Fluß (Geographisches).

Stromlänge und Gebiet der größten Flüsse.

Stromlänge Kilom. Stromgebiet QKilom.

Europa:

Wolga 3183 1459000

Donau 2850 817000

Dnjepr 2000 527000

Don 1700 430250

Petschora 1560 329500

Rhein 1326 224400

Dwina 1220 365400

Elbe 1165 143300

Weichsel 1050 193000

Dnjestr 1050 76860

Loire 930 121000

Tajo 910 82600

Oder 905 112000

Düna 840 85400

Guadiana 820 65500

Rhône 810 98900

Asien:

Ob 4230 3520000

Jenissei 5200 2816000

Lena 4180 2500000

Amur 4400 2090000

Jantsekiang 5200 1872000

Ganges und Brahmaputra 3000 1294000

Huangho 4100 1000000

Indus 3180 960000

Euphrat 2100 673000

Amu Darja 2000 440000

Sir Darja 1900 ?

Afrika:

Congo 4200 3206050

Nil 6170 2810300

Niger 4160 2650200

Sambesi 2660 1430000

Oranje 1860 1083050

Schari ? 915000

Cubango ? 785000

Dschubb ? 612000

Limpopo 1600 560000

Senegal 1430 440500

Rowuma 1100 334000

Ogowe 850 304100

Coanza 630 303000

Amerika:

Amazonas 5710 7000000

Mississippi 6530 3300000

Rio de la Plata 3700 3000000

Mackenzie 3700 1517000

St. Lorenz 3816 1378000

Winnipeg u. Nelson 2400 1260000

Orinoko 2225 850000

Columbia 2000 772000

Rio Grande del Norte 2800 620000

Colorado 2000 582000

Australien:

Murray 2500 ?

Es spielt sich ferner in Süddeutschland eine die mitteleuropäische Wasserscheide durchbrechende Bifurkation der Donau ab. Zwischen Immendingen und Möhringen in Baden, hart an der württembergischen Grenze, versinkt in zerklüfteten Jurakalken ein Teil der Donauwasser, in trocknen Jahren das ganze Wasserquantum, um, wie Knop durch Versenken großer Kochsalzmassen nachgewiesen hat, in 11 km Entfernung und 160 m tiefer als die Quelle der Aa, die dem Bodensee zufließt, also dem Stromgebiet des Rheins angehört, wieder zu Tage zu treten.

Wie hier ein Teil des Donauwassers unterirdisch versinkt, so verschwinden mitunter die Flüsse auf eine Strecke ihres Laufs, um gewöhnlich unterhalb in nachweisbarem Zusammenhang mit dem Oberlauf wieder zum Vorschein zu kommen. Am zahlreichsten treten diese verschwindenden Flüsse im Kalkplateau von Krain auf. Hier hat z. B. die Recca, die bei Duino mündet, einen unterirdischen Lauf von 38 km Länge. Ähnliche Verhältnisse spielen sich bei mehreren Flüßchen der Schwäbischen Alb ab. Berühmt ist die sogen. Perte du Rhône bei Bellegarde unterhalb Genf, wo der 68 m breite Strom, im Engpaß von Lécluse bis auf 5 m zusammengedrängt, sich in einen engen Felsentrichter stürzt und dann etwa 50 m lang in einem von steilen Höhen eingefaßten und von Felsblöcken überdeckten Kanal fließt.

Im Oberlauf haben die Flüsse ein bedeutenderes Gefälle als weiter unten; die Uferränder sind meist hoch und steil, die Flußbetten selbst schmal und oft sehr tief. Eine eigentliche Thalsohle ist noch nicht vorhanden, und oft stürzt sich der junge Strom als Gießbach (Murre) von Fels zu Fels. Schluchten und Spalten begünstigen den Abfluß der atmosphärischen Niederschläge; der Zusammenfluß der Quellen und Bäche findet innerhalb der Gebirgsabhänge statt und ist von der Struktur des Gebirges abhängig. Wo diese Abhängigkeit aufhört, da beginnt der Mittellauf des Flusses und zwar bei seinem Eintritt in das niedrigere Hügelland, wo die Berge mehr und mehr von den Ufern des Flusses sich entfernen und die Gewässer desselben ihr Bett frei auszuarbeiten vermögen. Eine Folge des verringerten Gefälles ist die verminderte Schnelligkeit des Flußlaufs, und diese wieder hat zur Folge, daß der F. nicht mehr den kürzesten Weg wählt, um tiefer herab zu gelangen, sondern in dem nachgebenden, von ihm selbst und seinen Nebenflüssen angeschwemmten Boden je nach dem größern oder geringern Widerstand, den er bei seiner Fortbewegung findet, größere oder kleinere Windungen (mäandrische Krümmungen oder Serpentinen) macht, welche für den Mittellauf charakteristisch sind. Große Krümmungen schneidet der F. manchmal später selbst ab, indem er sich im angeschwollenen Zustand durch eine zwei nahegelegene Stellen seines Laufs trennende Landenge Bahn bricht. Auf diese Weise entstehen Sandbänke, Inseln, Werder und Auen, welche insbesondere für den Mittellauf größerer ozeanischer Ströme charakteristisch sind und an die Stelle des alten Laufs der Flüsse (Altwasser) treten. Die Technik weiß durch Stromregulierungen, durch Anlage von Kanälen und Durchstichen, welche die Krümmungen abschneiden, sowie durch Uferbauten dem Flusse sein bestimmtes Bett anzuweisen und dadurch die Benutzung der Flüsse auch in ihrem Mittellauf für den Verkehr zu erleichtern. Manchmal finden sich im Mittellauf Einschnürungen des Bettes, infolge deren der breite Strom auf einmal beträchtlich schmäler wird, so z. B. der Rhein bei Bingen. Wo der Wasserspiegel eines Flusses kaum oder nur noch um weniges höher liegt als der Meeresspiegel, beginnt sein Unterlauf, der sich oft mannigfach gabelt und verästelt, ehe er sich ins Meer ergießt. Durch die dem Mittel- und Unterlauf eines Flusses eigentümlichen Windungen wird der Lauf desselben oft bedeutend verlängert, so daß bei geringer direkter Entfernung der Mündung von der Quelle die ganze Flußlänge doch beträchtlich ist. Das Verhältnis zwischen jener direkten Distanz und der wirklichen Flußlänge kann als Maß für die größere oder geringere Entwickelung eines Stroms dienen.

v. Baer glaubte eine Abhängigkeit der Uferbildung der Flüsse von der Rotation der Erde nachweisen zu können. In der Richtung des Meridians fließende Ströme sollten ein hohes rechtes Ufer und ein niedriges linkes haben, weil nordsüdlich fließende Gewässer mit einer geringern Rotationsgeschwindigkeit in die südlichern Breiten kommen, deshalb retardierend gegen das westliche, ihr rechtes Ufer andrücken müssen, das hierdurch erodiert und steil erhalten wird. Südnördlich fließende kommen mit größerer Rotationsgeschwindigkeit in Breiten, in welchen dieselbe geringer ist, müßten also voreilend das östliche, wiederum ihr rechtes Ufer vorwiegend erodieren. Auf der südlichen Halbkugel müßte hiernach bei in der Richtung des Meridians fließenden Flüssen das linke Ufer das steilere, das rechte das flachere sein. Während sich dieses sogen. Baersche Gesetz bei einer Mehrzahl namentlich russischer Flüsse zu bestätigen schien, haben sich doch zu viele Ausnahmen auffinden lassen, so daß, wenn überhaupt dieser Faktor mitspricht, sein Einfluß als ein minimaler im Vergleich zu dem der Bodenbeschaffenheit nicht nachweisbar ist.

Die Wassermenge eines Stroms hängt ab von dem Umfang seines Quellgebiets, von dem Quer-^[folgende Seite]