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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fluß (Flußmittel) - Flüssigkeitsmaße.

suspendiert gelöst

im Maximum 367,33 im Januar, 129,30 im Oktober

im Minimum 2,93 im Oktober, 82,20 im Dezember

im Durchschnitt 91,19 - 103,78 -

Daß die Menge der suspendierten Stoffe viel größern Schwankungen unterliegt als diejenige der gelösten Stoffe, daß das Maximum der gelösten Stoffe mit dem Minimum der suspendierten und umgekehrt das Minimum der gelösten Stoffe mit dem Maximum der suspendierten zusammenfällt, sind ganz allgemein gültige und bei allen Untersuchungen von Flußwassern gefundene Sätze, auch hinsichtlich des Grundes leicht erklärlich. Mit dem Wechsel der Wassermenge im Flusse selbst wechselt auch die Tragfähigkeit des Flusses für suspendierte Stoffe sehr bedeutend, hinsichtlich der gelösten Stoffe sind dagegen die Flüsse wesentlich auf die gleichmäßigere Zufuhr der Quellen angewiesen, deren Minerallösungen sie in einem durch die atmosphärischen Niederschläge (Regen, Schnee) verdünnten Zustand erhalten; zur Zeit großer Wassermenge stellt diese Verdünnung ein Minimum gelöster Stoffe dar, d. h. gleichzeitig mit einem Maximum der Tragfähigkeit des Flusses gegenüber suspendierter Stoffe. Die große geologische Bedeutung des Flußwassers als Gesteinsmaterial transportierenden Faktors erhellt, wenn man die jährliche Wassermenge eines Flusses mit dem Gehalt an gelösten und suspendierten Stoffen vergleicht. Für die Elbe bei Lobositz beträgt die jährliche Wassermenge nach Haslach er 6179 Mill. cbm, und es entführt demnach die Elbe aus Böhmen jährlich 547,140,000 kg suspendierter und 622,680,000 kg gelöster Stoffe, zusammen 1,169,820,000 kg.

Fluß (Flußmittel), bei Schmelzoperationen zugesetzte Substanzen, welche die Verflüssigung der zu behandelnden Stoffe und die Abscheidung einzelner Produkte erleichtern. In dieser Weise benutzt man natürliche Silikate, Glas, Schlacken, Kochsalz, Borax, Flußspat etc. Diese Substanzen üben auf die Schmelzgemenge keinen wesentlichen Einfluß aus, sie bewirken vielmehr nur Leichtflüssigkeit und Verdünnung. Andre Flüsse, welche sich den Zuschlägen anschließen, sollen zugleich Säuren oder Basen binden und bestehen daher aus Kalk, Quarz, Silikaten etc. Gewisse Flüsse sollen außerdem reduzierend oder oxydierend wirken. Zu diesen gehört der schwarze F., welcher erhalten wird, wenn man ein Gemisch von 3 Teilen Weinstein und 1 Teil Salpeter verpufft; er enthält im wesentlichen Kohle und kohlensaures Kali. Weißer F., auf gleiche Weise aus gleichen Teilen Salpeter und Weinstein erhalten, enthält neben kohlensaurem salpetersaures und salpetrigsaures Kali und wirkt stark oxydierend. In der Glasfabrikation versteht man unter Flüssen leicht schmelzbare, durchsichtige, meist gefärbte Glasmassen (Schmelzgläser), welche zu Verzierungen, ähnlich wie Email, benutzt werden. Beim Schmelzen von Salzen unterscheidet man wässerigen und feurigen F. Die Salze, welche Kristallwasser enthalten, schmelzen bei mäßigem Erhitzen, und die entstandene Flüssigkeit stellt gewissermaßen eine wässerige Lösung von wasserfreiem Salz dar. Erhitzt man sie anhaltend, so entweicht das Wasser, und es bleibt trocknes, wasserfreies Salz zurück, welches nun erst bei höherer Temperatur in feurigen F. gerät. Beaumés Schnellfluß, ein Gemenge von 3 Salpeter, 1 Schwefel, 1 feinen Sägespänen, bringt beim Verbrennen eine hineingesteckte Silbermünze zum Schmelzen, indem sich das Metall in leicht schmelzbares Schwefelmetall verwandelt. F. (Seifensiederfluß), veralteter Name des Chlorkaliums, welches früher aus der Unterlauge gewonnen wurde.

Fluß, s. v. w. Flußspat.

Flußbau, s. Wasserbau.

Flußerde, s. Flußspat.

Flußfieber, s. v. w. rheumatisches Fieber (s. d.).

Flußgabelung, s. Fluß, S. 408.

Flußgallen, s. Gallen.

Flußgebiet, s. Fluß, S. 408.

Flußgötter, in der griech. Mythologie des Okeanos Söhne, Beschützer der Flüsse oder Personifikation derselben, standen wegen ihrer großen Wichtigkeit für die Fruchtbarkeit des Landes in hohem Ansehen und hatten ihre Heiligtümer, ihre Priester, ihre Opfer so gut wie andre Götter. Jedoch war ihr Kultus meist lokaler Natur; nur Acheloos, der größte unter den Flüssen Griechenlands, scheint allgemeiner verehrt worden zu sein. Oft werden sie als die Urheber der Kultur eines Landes, als seine ältesten Könige und die Stammväter seiner edlen Geschlechter genannt. Ihre Wohnung versetzte man in die Tiefe des Flusses oder in Felsengrotten unfern der Quellen. Dargestellt wurden die F. je nach ihrer Größe und Bedeutung bald als große Männer, bald als Jünglinge, meist am Boden gelagert und als an ihr Element gefesselt, von weichlicher Bildung (vorzüglich erfunden ist besonders der Kephisos des Parihenongiebels), charakterisiert durch Wasserurnen, Füllhorn und Schilf, auch wohl durch ein Ruder; in älterer Zeit in völliger Stiergestalt oder in Mischbildung (mit Stierkopf oder Stierleib), auch wohl durch Stierhörner allein an die reißende Natur der Gebirgsbäche erinnernd. Eine der großartigsten Darstellungen ist die Kolossalstatue des Nils im Vatikan, welche 16 Knabenfiguren, die 16 Ellen des Anschwellens vor der Überschwemmung, umspielen (vgl. Nil, mit Abbildung). Der Natur ihres Elements gemäß besitzen alle F. die Kunst der Verwandlung und, wie andre Wassergeister, die Gabe der Weissagung.

Flußhaloid, oktaedrisches, s. Flußspat.

Flußharz, s. Anime.

Flüssigkeit bezeichnet sowohl den Zustand des Flüssigseins der flüssigen Körper als auch diese Körper selbst. Vgl. Aggregatzustände, Hydrostatik, Kapillarität.

Flüssigkeitsketten, galvanische Ketten, bei welchen der Strom nur durch Flüssigkeiten erzeugt wird. Trennt man z. B. Kalilauge und Schwefelsäure durch eine poröse Membran voneinander, taucht in jede Flüssigkeit eine Platinplatte und verbindet beide Platten durch einen Platindraht, so geht ein galvanischer Strom von der Säure zu dem Alkali. Auch bei Anwendung von verschiedenen Salzen, Salzen und Sauren, verschiedenen Säuren etc. entstehen galvanische Ströme, ganz allgemein also, wenn chemisch differente Flüssigkeiten miteinander in Kontakt kommen. Diese Erscheinungen dürften zur Erklärung der an Organismen vielfach nachgewiesenen galvanischen Ströme besonders wertvoll sein, weil die Verhältnisse der mit differenten Flüssigkeiten durchtränkten Gewebe und Gewebeteile sehr gut den F. entsprechen.

Flüssigkeitsmaße, Hohl- oder Inhaltsmaße, die zur Bestimmung der Quantitäten von flüssigen Dingen dienen. Dem Rauminhalt, den sie einschließen sollen, liegt gewöhnlich der Würfel eines gesetzlichen Längenmaßes oder eines Teils desselben zu Grunde. So z. B. war das frühere preußische Quart gleich dem Raum eines vierzölligen Würfels oder des Würfels von einem Drittelfuß, u. ebenso ist ein Liter der Rauminhalt eines Kubikdezimeters; s. Tabelle auf S. 412.