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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fonnesbech; Fons; Fonsēcabai; Fontaine l'Evêque; Fontainebleau; Fontainebleauer Sand; Fontan; Fontāna

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Fonnesbech - Fontana.

Fonnesbech, Christen Andreas, dän. Staatsmann, geb. 7. Juli 1817 zu Kopenhagen, Sohn eines reichen Kaufmanns, entsagte, nachdem er mit dem 23. Lebensjahr das juristische Amtsexamen gut bestanden hatte, der Beamtenkarriere, wurde Gutsbesitzer und ließ sich 1858 in den Reichstag wählen. In dem damaligen Kampf der Nationalliberalen mit den Bauernfreunden stellte F. sich in die Reihe der sogen. Unabhängigen, wo er wirklichen Einfluß gewann. Als Graf Frijs-Frijsenborg 1865 sein Ministerium bildete, übernahm F. in demselben das Portefeuille des Finanzministers und löste geschickt die schwierigen Aufgaben dieser Stellung. 1870 erhielt er das Portefeuille des Ministeriums des Innern im Ministerium Holstein-Holsteinborg. Er förderte in letzterer Stellung mehrere gemeinnützige Gesetze und Unternehmungen. Als er aber 1874 selbst ein Ministerium bildete, zeigte er sich der Lage und namentlich der Opposition der Linken im Folkething nicht gewachsen und mußte schon 1875 zurücktreten. Er erlag 17. Mai 1880 einem unheilbaren Übel.

Fons (auch Fontus), Sohn des Janus und der Juturna, ward bei den Römern als der Gott der fließenden Gewässer verehrt, namentlich an den Fontinalien (13. Okt.), dem allgemeinen Brunnenfest, an welchem man die Brunnen bekränzte und Blumen in die Quellen warf. Sein Altar befand sich auf dem Janikulum. In der Nähe war wohl auch das Quellenthor (Fontinalis porta). Gajus Papirius Maso stiftete ihm 231 v. Chr. eine Kapelle. Auf römischen Münzen findet er sich mit unbärtigem Doppelkopf.

Fonsēcabai, Meerbusen an der Westseite von Zentralamerika, von den Staaten Salvador, Honduras und Nikaragua umgeben, oft genannt als der Endpunkt für die projektierte interozeanische Eisenbahn von Honduras.

Fontainebleau (spr. fongtän'bloh), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Seine-et-Marne, 60 km von Paris, 79 m ü. M., unweit des linken Seineufers, an der Eisenbahn Paris-Lyon, mitten in dem gleichnamigen Wald, hat (1881) 12,770 Einw., eine Porzellanfabrik, Sandsteinbrüche, bedeutenden Obst- und Weinbau, eine öffentliche Bibliothek und einen Gerichtshof. Seinen Glanz und Ruhm verdankt jedoch F. nur dem prachtvollen Lustschloß nebst Park und Wald, welches, wie es heute ein Lieblingsziel der Ausflüge der Pariser ist, so früher stets der Lieblingsaufenthalt der französischen Herrscher war. Es vereinigt den Baustil sehr verschiedener Zeitalter und besteht aus fünf Hauptgebäuden, die durch Höfe getrennt werden und prächtige Galerien und Säle enthalten, deren Ausschmückung für Franz I. Mitte des 16. Jahrh. die Maler Primaticcio und Niccolò dell' Abbate leiteten. An das Schloß schließen sich Park und Garten. Der Wald von F., das berühmte Jagdrevier der Könige, umgibt die Stadt von allen Seiten in einem Umkreis von 80 km, hat einen Flächengehalt von 16,900 Hektar (wovon 4000 auf Felsen kommen, die lange, 140 m über die Seine aufsteigende Hügelketten bilden), Straßen und Wege in einer Länge von 20,000 km und ist reich an pittoresken Szenerien. -

Man hält F. für das alte Aquae Segestae. Robert der Fromme erbaute hier 998 zuerst ein Jagdschloß, welches Ludwig VII. 1169 erneuerte, weshalb er für den Gründer von F. (lat. Fons Bleaudi) gilt. Seine Nachfolger hielten sich gern in dem Schloß von F. auf und verschönerten es, namentlich Franz I., Heinrich IV. und Napoleon I. Unter Ludwig XIV. war F. der Aufenthaltsort der Montespan und unter Ludwig XV. der Dubarry. Auch die Königin Christine von Schweden bewohnte das Schloß eine Zeitlang und ließ hier in der Galerie des Cerfs 10. Nov. 1657 ihren Stallmeister Monaldeschi hinrichten. Pius VII. bewohnte dasselbe als Gefangener von 1812 bis 1814; hier abdizierte Napoleon I. 1814 und nahm Abschied von seinen Garden. Vgl. Castellan, F., études pittoresques et historiques (Par. 1840); Laube, Französische Lustschlösser, Bd. 1 (Mannh. 1840), und für das Architektonische das Prachtwerk: Pfnor, Monographie de F. (mit Text von Champollion-Figeac, Par. 1873, 150 Tafeln), die Renaissancebauwerke betreffend, und Pfnors neueres Werk über die Innenarchitektur (1885, 80 Tafeln).

Fontainebleauer Sand, s. Tertiärformation.

Fontaine l'Evêque (spr. fongtähn lewäk), Stadt in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Charleroi, an der Eisenbahn Charleroi-Mons, mit Fabrikation von Eisenwaren und mechanischen Schlössern, Ketten- und Kupferschmieden, Steinkohlengruben, Steinbrüchen und (1885) 5386 Einw.

Fontan (spr. fongtáng), Louis Marie, franz. Journalist und dramatischer Dichter, geb. 4. Nov. 1801 zu Lorient, war zuerst Schreiber daselbst und begab sich, wegen seiner liberalen Gesinnung seines Amtes entsetzt, nach Paris, wo er sich als Mitarbeiter am "Album" und an den "Tablettes" durch scharfe Opposition gegen die Regierung der Bourbonen bekannt machte. Wegen seines giftigen Pamphlets "Le mouton enragé" (1829) mit Geld- und Gefängnisstrafe bedroht, floh er; aber da weder Belgien, noch Holland, noch Preußen ihn aufnahmen, kehrte er zurück und wurde ins Gefängnis geworfen, woraus die Julirevolution ihn befreite. Er starb 10. Okt. 1839. Von seinen Schauspielen sind die bekanntesten: "L'espion", "Jeanne la Folle", "Le moine", "Le comte de Saint-Germain", "Gilette de Narbonne" etc.; viele andre hat er mit Hilfe von Mitarbeitern verfaßt. Er schrieb auch "Odes et épîtres" (Par. 1823 u. 1827).

Fontāna, 1) Domenico, ital. Architekt, geb. 1543 zu Mili am Comersee, widmete sich in Rom der Architektur und leitete im Auftrag des Kardinals Montalto den Bau der Kapelle in Santa Maria Maggiore, genannt del Presepio, und des Palastes dabei, später Villa Negroni genannt. Als Architekt des Papstes Sixtus V. vollendete er auch die architektonische Ausschmückung jener Kapelle und Villa und überführte den Obelisken vom Zirkus des Nero auf den St. Petersplatz; ferner baute F. den lateranischen Palast, die vatikanische Bibliothek, den Quirinal, restaurierte die Säulen des Trajan und Antonin etc. Nach Sixtus' Tod ward er in Neapel königlicher Baumeister und 1592 Großingenieur. Hier erbaute er den königlichen Palast, außerdem mehrere Monumente und Altäre. Er starb 1607 in Neapel. F. gehört bereits dem Barockstil an. Den Hauptvorzug seiner künstlerischen Thätigkeit bildet die wirkungsvolle Disposition des Ganzen, während er im Einzelnen nicht glücklich zu sein pflegt. - Sein Sohn Giulio Cesare wurde nach ihm königlicher Baumeister in Neapel; sein bekanntestes Gebäude ist die Universität daselbst.

2) Carlo, ital. Architekt, geb. 1634 zu Bruciato bei Como, ward ein Schüler G. Berninis und ganz dessen Nacheiferer im schwülstigen Stil. Ein Günstling mehrerer Päpste, führte er verschiedene große Bauten aus, z. B. die Kirche San Michele a Ripa grande, das Portal von Santa Maria in Trastevere, die Minerva-Bibliothek in Rom, das Theater von Tordinona, die Kathedrale zu Montefiascone, den Palast und die Villa Visconti u. a. F. starb 1714 in Rom.