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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Foucher; Foucher de Careil; Foucquet; Foudre; Fougade; Fougeray; Fougères

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Foucher - Fougères.

Ministeriums, um seinen Nachfolger Savary in Verlegenheit zu bringen, und als der Kaiser ihn dafür zur Rechenschaft ziehen wollte, flüchtete er nach Toscana und verbarg sich dort eine Zeitlang. Endlich erhielt er die Erlaubnis, sich nach seiner Senatorie in Aix zu begeben, und 1811 die, nach Paris zurückkehren zu dürfen. 1813 als Generalgouverneur nach Laibach und Rom und endlich als Gesandter nach Neapel geschickt, intrigierte er bereits nach allen Seiten gegen Napoleon, den er durch eine Regentschaft Marie Luisens ersetzen wollte. Allein die Kriegsereignisse führten die Wiedereinsetzung der Bourbonen herbei, denen sich F. anschloß; zugleich nahm er aber auch an den Umtrieben teil, welche die Rückkehr Napoleons aus Elba zur Folge hatten. Der Kaiser sah sich um seiner eignen Sicherheit willen genötigt, das Polizeiministerium wieder F. zu übertragen, welcher sofort trotz seines Ministerpostens mit den Liberalen im Innern, mit Ludwig XVIII. in Gent und mit Metternich konspirierte, um sich für alle Fälle sicherzustellen. Am 23. Juni 1815, nach der Abdankung Napoleons, von der Kammer zum Vorsitzenden der provisorischen Regierung ernannt, bestimmte er Napoleon zur Flucht nach Amerika und bereitete die zweite Restauration der Bourbonen vor. Er ward der Polizeiminister auch der neuen Regierung und ächtete durch die Ordonnanz vom 26. Juli 1815 einen Teil seiner Mitschuldigen bei der Rückführung Napoleons. Weil ihm aber keine Partei mehr traute und er von allen Seiten angefeindet, besonders aber von den Ultraroyalisten heftig angegriffen wurde, sah sich Ludwig XVIII. genötigt, ihn im September 1815 zu entlassen und als französischen Gesandten nach Dresden zu schicken. Von dem Verbannungsdekret des 6. Jan. 1816 gegen die Königsmörder betroffen, nahm F. seinen Aufenthalt in Prag, dann in Linz und Triest, mit Abfassung von Verteidigungsschriften für seine Vergangenheit beschäftigt. Er starb 25. Dez. 1820 an einer Brustkrankheit in Triest, seinen Söhnen ein Vermögen von 14 Mill. Fr. zurücklassend. Die reichen Gaben seines Geistes hatten stets nur im Dienste der gewissenlosesten Selbstsucht gestanden. Die "Mémoires de J. F., duc d'Otrante" (Par. 1828-29, 4 Bde.; deutsch, Darmst. 1825, 2 Bde.) sind unecht, wofür auch seine Söhne sie durch das Gericht erklären ließen, und von Alphonse de Beauchamp verfaßt. F. hat in der That Memoiren hinterlassen, dieselben sind aber nicht veröffentlicht worden. Dagegen hat er zahllose politische Pamphlete drucken lassen, deren Aufzählung man in dem "Annuaire de Mahul" (1821) findet.

Foucher (spr. fūscheh), Paul, franz. Schriftsteller, geb. 21. April 1810 zu Paris und daselbst erzogen, wurde durch Victor Hugo, seinen Schwager, in die Litteratur eingeführt und wirkte hauptsächlich (teils allein, teils mit Dennery, Desnoyers u. a.) für die Boulevardtheater, deren Repertoire er um etwa 70 romantische Dramen von sehr ungleichem Wert und Erfolg bereicherte. Bleibend dürfte sich von denselben nur "Notre Dame de Paris" (nach dem Roman von V. Hugo) auf den Brettern behaupten. Als langjähriger Pariser Hauptkorrespondent der "Indépendance belge" war F. auch in der politischen Welt der französischen Hauptstadt eine sehr bekannte und beliebte Persönlichkeit. Er starb 25. Jan. 1875 in Paris.

Foucher de Careil (spr. fūscheh dö karäj), Louis Alexandre, Graf, franz. philosophischer Schriftsteller, geb. 1. Mai 1826 zu Paris, machte nach gründlichen Universitätsstudien bedeutende Reisen, wurde Mitglied des Generalrats für Calvados, wo er bedeutende Besitzungen hatte, 1870 Präfekt zuerst des Departements Côtes du Nord, dann des Departements Seine-et-Marne, 1873 von Broglie abgesetzt, lebte seit 1876 als Senatsmitglied zu Paris und wurde im August 1883 zum Botschafter der französischen Republik in Wien ernannt. F. ist ein gründlicher Kenner der Leibnizschen Philosophie und bereitet seit Jahren eine neue, vollständige, auf 20 Bände berechnete Ausgabe der "Œuvres de Leibniz" vor, von welcher (seit 1859) 7 Bände erschienen sind. Dieselbe wird auch sein von der Akademie mit einem Preis gekröntes "Mémoire sur la philosophie de Leibniz" enthalten. Seine Befähigung dazu hat F. durch verschiedene Leibniziana und einschlägige Untersuchungen bewiesen. Dahin gehören die "Lettres et opuscules de Leibniz" (1854); "Nouvelles lettres et opuscules de Leibniz" (1857); "Lettres de Leibniz, Bossuet, Pellisson, etc." (1859 zum erstenmal nach den Originalmanuskripten veröffentlicht, den ersten Band der "Œuvres" bildend); "Réfutation inédite de Spinoza par Leibniz" (1854); "Leibniz, la philosophie juive et la Cabbale" (1861); "Leibniz, Descartes et Spinoza" (1863) u. a. Man hat von ihm ferner: "Descartes et la princesse Palatine" (1862); "Hegel et Schopenhauer" (1862); "Goethe et son œuvre" (1865); "Descartes, la princesse Élisabeth et la reine Christine" (1878) u. a.

Foucquet (spr. fukä), Jean, franz. Maler, geboren um 1415 zu Tours, bildete sich in Italien, wo er unter anderm ein Bildnis des Papstes Eugen IV. (1445) malte, war vor 1460 in Paris ansässig, trat später in den Dienst Ludwigs XI. und starb um 1485. Von seinen geschmack- und empfindungsvoll ausgeführten Tafelbildern haben sich nur wenige erhalten, so: ein Diptychon mit der Madonna und dem knieenden Stifter Etienne Chevalier und St. Stephan (für die Kathedrale in Melun, jetzt zur Hälfte im Museum zu Antwerpen, zur Hälfte bei L. Brentano in Frankfurt a. M.), ein männliches Brustbild von 1456 (Wien, Galerie Liechtenstein) und die Bildnisse von Karl VII. und seinem Kanzler Juvenal des Ursins (Paris, Louvre). Zahlreicher sind seine Miniaturen. Die Pariser Nationalbibliothek besitzt eine französische Übersetzung von Josephus' "Geschichte der Juden" mit neun Bildern von ihm und zwei französische Übersetzungen des Livius, an deren Illumination F. beteiligt ist, die Münchener Hofbibliothek eine französische Übersetzung von Boccaccios Buch von der berühmten Unglücklichen mit einem großen Bild von ihm. Sein Hauptwerk war ein Gebetbuch für Etienne Chevalier, von dem sich nur die Miniaturen erhalten haben (40 bei L. Brentano in Frankfurt a. M.).

Foudre (franz., spr. fuhdr), Blitz, Donnerschlag; foudroyieren (spr. foudrŏaji-), donnern, fluchen; foudroyant, niederschmetternd.

Fougade (spr. fugād, Fougasse, franz.), Flattermine und Steinmine, s. Mine.

Fougeray (spr. fūsch'rä, Le Grand F.), Marktflecken im franz. Departement Ille-et-Vilaine, Arrondissement Redon, an der Westbahn, mit Ruinen eines 1354 von Duguesclin eroberten Schlosses und mit (1876) 1083 Einw., welche Gerberei betreiben.

Fougères (spr. fūschähr), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Ille-et-Vilaine, am Nançon, durch die Flügelbahn nach Vitré mit der Französischen Westbahn verbunden, hat ein prächtiges mittelalterliches Schloß, zwei gotische Kirchen, ein Collège und einen Belfried, (1881) 13,895 Einw., Granitsteinbrüche, umfangreiche Fabrikation von Schuhmacherwaren, Segeltuch, Packleinwand, Gerberei und in