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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fouquet; Fouquier-Tinville

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Fouquet - Fouquier-Tinville.

teil und lebte dann privatisierend seinen poetischen Neigungen. Durch A. W. v. Schlegel mit den "Dramatischen Spielen", die unter dem Pseudonym Pellegrin (Berl. 1801) erschienen, in die Litteratur eingeführt, trat er nacheinander mit den "Romanzen vom Thal Ronceval" (das. 1805), dem Roman "Historie vom edlen Ritter Galmy und einer schönen Herzogin von Bretagne" (das. 1806), dem Roman "Alwin" (das. 1808) und dem Heldenspiel "Sigurd, der Schlangentöter" (das. 1808) hervor, Werken, welche in Stoff, poetischer Auffassung und Darstellungsweise seine spätere Dichtung bereits kennzeichneten. Die Reckensagen des Nordens und die französischen Rittergeschichten des Mittelalters regten Fouqués Phantasie gleichzeitig an und flossen ihm zu einer wunderlich phantastischen Welt zusammen. Zwischen den Jahren 1808-20 nahm Fouqués Leben und Dichten den größten Aufschwung. Patriotische Begeisterung führte ihn 1813 in die Reihen der preußischen Armee zurück; er nahm als Leutnant und Rittmeister bei den freiwilligen Jägern an den Schlachten des Befreiungskriegs teil, erhielt 1815 den Abschied als Major und lebte dann wieder auf seinem Gut Nennhausen bei Rathenow, Gastfreundschaft übend und im lebendigen Verkehr mit allen romantischen Zeitgenossen rasch produzierend. Für sein bestes Werk gilt mit Recht "Undine" (Berl. 1811, 24. Aufl. 1881), eine Erzählung, deren Frische und schlichter, nur an einigen Stellen gekünstelter Märchenton über die wenigen schatten- und spukhaften Stellen leicht hinwegsehen ließen. Dann folgten die Ritterromane: "Der Zauberring" (Nürnb. 1813; neue Ausg., Braunschw. 1865) und "Die Fahrten Thiodulfs, des Isländers" (Hamb. 1815, 2. Aufl. 1848), die neben wirklich kräftigen Szenen schon viel Manier und künstliche Reckenhaftigkeit aufwiesen. Die "Kleinen Romane" (Berl. 1814-19, 6 Bde.), "Sängerliebe" (Stuttg. 1816), "Die wunderbaren Begebenheiten des Grafen Alethes von Lindenstein" (Leipz. 1817) wurden durch "Neue Schauspiele" ("Alf und Yngwi", "Die Irmensäule", "Runenschrift"), ritterliche Tragödien ("Die Pilgerfahrt", "Der Jarl der Orkneyinseln"), epische Gedichte, wie: "Corona" (Stuttg. 1814), "Karls d. Gr. Geburt und Jugendjahre" (Nürnb. 1814), "Bertrand du Guesclin" (Leipz. 1821), und zahllose kleinere Erzählungen, Dramen und Abenteuer ergänzt; in allen wirkte die gleiche Mischung von "süßlicher Kraft und minniglicher Tugendhaftigkeit". Nach dem Jahr 1820 ward Fouqués Produktion immer unerquicklicher und verlor alle Frische, so daß sich das Publikum von dieser Manier mehr und mehr abwandte. Nach 1830 siedelte F., der Nennhausen verkaufen mußte, nach Halle über, wo er unter anderm auch mit öffentlichen Vorlesungen über und gegen den Zeitgeist hervortrat. Seine harmlose Romantik verwandelte sich in eine gallige feudale und frömmelnde Verdammung der modernen Welt. Unter seinen spätern Schriften gehören "Ritter Elidouc", altbretagnische Sage (Leipz. 1823), "Die Saga von Gunlaugar, genannt Drachenzunge, und Rafn dem Skalden. Eine Islandskunde des 9. Jahrhunderts" (Wien 1826), "Jakob Böhme", ein biographischer Denkstein (Greiz 1831), "Die Weltreiche zu Anfang der Jahre 1835-40", Dichtungen (Halle 1835-40, 6 Hefte), "Preußische Trauersprüche und Huldigungsgrüße für das Jahr 1840" (das. 1840), "Der Pappenheimer Kürassier; Szenen aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs" (Nordh. 1842; 2. Aufl., Bautzen 1853) zu den besonders charakteristischen. Auch nachdem F. äußern Lebenssorgen durch die Munifizenz Friedrich Wilhelms IV. von Preußen entrückt und wieder nach Berlin übergesiedelt war, fuhr er fort, sich als litterarischer Don Quichotte zu gebärden, und gab (in Gemeinschaft mit L. v. Alvensleben) die "Zeitung für den deutschen Adel" (Leipz. 1840-42) heraus. F. starb verlassen und vergessen 23. Jan. 1843 in Berlin. Seine "Lebensgeschichte" (Halle 1840) hatte er ebenso wie die Sammlung seiner "Ausgewählten Werke" (das. 1841, 12 Bde.) noch selbst veröffentlicht. Nach seinem Tod erschienen der Roman "Abfall und Buße oder die Seelenspiegel" (Berl. 1844); "Geistliche Gedichte" (das. 1846, 2. Aufl. 1858) und "Christliche Gedichte" (das. 1862).

3) Karoline Auguste, Freifrau de la Motte-, Schriftstellerin, zweite Gemahlin des vorigen, geborne v. Briest, geb. 1773 zu Nennhausen bei Rathenow, vermählte sich 1789 mit einem Herrn v. Rochow und, nachdem diese Ehe 1800 getrennt worden, mit dem vorigen; sie starb 20. Juli 1831 in Nennhausen. Von ihren zahlreichen Romanen und Erzählungen erwähnen wir: "Roderich" (Berl. 1807); "Das Heldenmädchen aus der Vendée" (das. 1816); "Frauenliebe" (Nürnb. 1818); "Ida" (Berl. 1820); "Die Vertriebenen" (Jena 1823, 3 Bde. und "Valerie" (Berl. 1827). Von ihren übrigen Schriften sind die "Briefe über Zweck und Richtung weiblicher Bildung" (Berl. 1811) beachtenswert.

Fouquet (spr. fuka), 1) Nicolas, franz. Finanzminister, geb. 1615 aus einer alten parlamentarischen Familie, schloß sich, klug und ehrgeizig, eng an Mazarin an, wurde von demselben zum Armeeintendanten ernannt und, nachdem er während des Frondeaufstandes treue Dienste geleistet, zum Generalprokurator und 1653 zum Oberintendanten der Finanzen und zugleich zum Staatsminister befördert. Indem er die unersättliche Habgier Mazarins befriedigte, bereicherte er sich selbst zugleich aus den öffentlichen Geldern mit ungeheuern Summen. Er verwendete dieselben teils, um sich durch Bestechung Anhänger zu verschaffen und für seine Sicherheit einige feste Plätze zu erwerben, teils, um einen prahlerischen Luxus zu treiben. Er baute zahlreiche Schlösser mit großen Parken und Wasserwerken, gab glänzende, ausschweifende Feste, hatte eine Menge Mätressen, zum Teil aus dem Adel, und begünstigte die Dichter. Nach dem Tod Mazarins 1661 beabsichtigte er, leitender Minister zu werden, und traf Vorkehrungen, um Ludwig XIV. ganz unter seine Gewalt zu bringen. Aber dieser wurde durch Colbert von Fouquets Veruntreuungen und verräterischen Absichten unterrichtet und ließ ihn, nachdem er ihn durch einen Besuch auf seinem Schloß Vaux bei Melun, wo F. ihm ein Souper für 120,000 Livres auf 36 Dutzend goldener und 500 Dutzend silberner Teller gab, in Sicherheit gewiegt, 5. Sept. 1661 plötzlich verhaften. Er wurde nach langer Untersuchung durch eine besondere Kommission im Dezember 1664 nur zur Verbannung verurteilt, aber auf Befehl Ludwigs nach Pignerol gebracht, wo er in harter Gefangenschaft 23. März 1680 starb. Die Mitwelt glaubte nicht an die jetzt bewiesene Schuld und beklagte sein Schicksal. Vgl. Chéruel, Mémoires sur la vie publique et privée de F. (Par. 1865, 2 Bde.); E. Bonnaffé, Le surintendant F. (das. 1882).

2) Charles Louis Auguste F., Graf von Belle-Isle, s. Belle-Isle.

3) Jean, Maler, s. Foucquet.

Fouquier-Tinville (spr. fukjeh-tängwil), Antoine Quentin, berüchtigter öffentlicher Ankläger während der französischen Revolution, geb. 1747 im Dorf Hé-^[folgende Seite]