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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Franceschino; Francesco; Francescone; Franche-Comté; Francheville; Franchi

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Franceschino - Franchi.

unter anderm in seinem Hauptwerk, Krönung Mariä, in Santa Annunziata zu Florenz, bemerkt. F. besaß eine leichte Erfindungsgabe und einen gewandten Vortrag, dem freilich die solide Durchbildung fehlte. In kleinern Bildern sagt er deshalb weniger zu als in großen. Er starb 1689 in Florenz.

2) Marc Antonio, ital. Maler, geb. 1648 zu Bologna, Schüler von C. Cignani, ging 1704 nach Genua, 1711 nach Rom, wo er die Kartons für die Musivarbeiten in der Peterskirche zeichnete, und kehrte 1714 nach Genua und dann nach Bologna zurück, wo er 1729 starb. Franceschinis Werke tragen den Stempel der letzten Carraccisten: leichte Auffassung, heitere, gefällige Farbe, angenehme Zeichnung, aber alles höchst oberflächlich. Von seinen Fresken sind diejenigen im Palais Liechtenstein zu Wien, von seinen Ölgemälen ^[richtig: Ölgemälden] die büßende Magdalena in Dresden und der heil. Bartholomäus in Wien hervorzuheben.

Franceschino (spr. -tscheskino), toscan. Silbermünze, = 2,27 Mk., nur 1839 geprägt.

Francesco (ital., spr. -tschesko), s. v. w. Franz; im Diminutiv Franceschino, Ceco, Cechino.

Francescone (ital., spr. -tscheskone), toscan. Silbermünze, unter Franz III. und Leopold (daher auch Leopoldino) geprägt, = 4,54 Mk.

Franche-Comté (spr. frangsch-kongté, Freigrafschaft Burgund, Hochburgund), ehemalige franz. Provinz, grenzte im O. an die Schweiz, im N. an Elsaß und Lothringen, im W. an die Champagne und das eigentliche Burgund und im S. an die Bresse, umfaßte zur Zeit ihrer Vereinigung mit Frankreich die heutigen Departements Doubs (mit Ausnahme des damals württembergischen Mömpelgard), Jura und Obersaône, welche auf 15,561 qkm (283 QM.) (1881) 891,995 Einw. zählen. Die Landschaft wurde in die Oberämter (bailliages) Besançon, Amont oder Vesoul und Aval oder Lons le Saunier geteilt. Hauptstadt war Besançon. - Das Land, das Gebiet der Sequaner, bildete zur Römerzeit eine eigne Provinz, Maxima Sequanorum, die seit der dortigen Ansiedelung zahlreicher germanischer Scharen auch Germania tertia hieß. Im 5. Jahrh. wurde das Land dem burgundischen Reich einverleibt, kam mit diesem durch Chlodwigs Nachfolger an die fränkische Monarchie, gehörte von 887 an zum neugestifteten Reich Burgundia transjurana und wurde später, nach dem Kleinburgund, d. h. die westliche Schweiz, davon abgetrennt worden war, 1156 als "Freigrafschaft" oder Hochburgund durch Beatrix dem Kaiser Friedrich Barbarossa zugebracht. 1169 wurde sie zur Pfalzgrafschaft Burgund erhoben. 1200 kam das Land durch Heirat an Otto II. von Meran, 1248 nach Aussterben des meranischen Mannesstamms an die Grafen von Châlons, 1316 durch Heirat König Philipps V. an die französische Krone, jedoch nach Philipps Tod 1322 wieder an Burgund, nach dem Erlöschen der altburgundischen Dynastie (1361) an Margarete von Flandern und 1363 mit dem französischen Lehen Niederburgund an deren Schwiegersohn Philipp den Kühnen von Valois, den Begründer des neuburgundischen Herzogtums (vgl. Burgund, S. 666). Nach Karls des Kühnen Tod 1477 bemächtigte sich Ludwig XI. auch der F., Karl VIII. gab sie jedoch als deutsches Reichslehen 1493 an den Kaiser Maximilian I. zurück. Sie blieb nun habsburgischer Besitz, kam 1555 an die spanische Linie, wurde 1618 und 1674 von Ludwig XIV. erobert und im Nimwegener Frieden 1678 an Frankreich definitiv abgetreten. Vgl. "Mémoires et documents inédits pour servir à l'histoire de la F." (hrsg. von der Akademie zu Besançon, 1838-44, 3 Bde., und 1868); Rousset, Dictionnaire géographique, historique et statistique des communes de la F. (1853-58, 6 Bde.); Clerc, Histoire de la F. (2. Aufl., Besançon 1870, 2 Bde.); Derselbe, Histoire des États-Généraux et des libertés publiques en F. (Lons le Saunier 1883, 2 Bde.).

Francheville (spr. frangsch-wil, Franqueville, Francavilla), Pierre, franz. Bildhauer, geb. 1548 zu Cambrai, verließ aus Neigung zur Kunst im 16. Jahr das väterliche Haus und begab sich nach Paris, dann nach Deutschland, wo er in Innsbruck am Erzherzog Ferdinand einen Gönner fand, der ihn in den Stand setzte, bei Giovanni Bologna weitere Studien zu machen. Er erwarb sich durch die für den Dom in Genua gefertigten Statuen der vier Evangelisten sowie durch die allegorischen Figuren der Klugheit, Demut und Keuschheit für die Kapelle Niccolini in Florenz einen geachteten Namen. Im J. 1601 wurde er erster Bildhauer Heinrichs IV. von Frankreich. Als solcher schuf er zahlreiche Statuen, Büsten und Vasen für die königlichen Gärten und Paläste. 1604 fertigte er das Reiterstandbild Heinrichs IV. und 1612 David mit dem Haupt Goliaths (im Louvre); 1614 lieferte er für das eherne Denkmal Heinrichs IV. die vier Eckfiguren des Fußgestells, die besiegten Nationen darstellend (ebenfalls im Louvre). Er starb um 1616 in Paris. Trotz eigentümlicher Begabung stand er unter dem Einfluß der manieriert gewordenen Kunstanschauung seiner Zeit.

Franchi (spr. -ki), 1) Alessandro, Kardinalstaatssekretär, geb. 25. Juni 1819 zu Rom als Sohn eines Notars, ward im römischen Seminar erzogen, wo er sich durch seine bedeutende Begabung und erfolgreichen Fleiß auszeichnete, erlangte die Gunst des Kardinalstaatssekretärs Lambruschini, ward von Pius IX. 1846 zum Monsignore und Kämmerer erhoben und 1848 an den Kaiser Ferdinand von Österreich geschickt, um diesen zur freiwilligen Abtretung seiner italienischen Länder zu bewegen, was ihm aber nicht gelang. 1853 wurde er zum interimistischen Geschäftsträger in Madrid, 1856 zum Erzbischof von Salonichi in partibus infidelium und zum Nunzius in Florenz ernannt, wo er einen hervorragenden Anteil an der Bekämpfung der Politik Cavours hatte. Nach dem Sturz des Großherzogtums 1859 kehrte F. nach Rom zurück und ward Staatssekretär für die kirchlichen Angelegenheiten. 1868 ging er zum zweitenmal nach Madrid als Nunzius; nach Isabellas Vertreibung 1869 zurückberufen, beteiligte er sich an den Vorarbeiten zum vatikanischen Konzil. Als 1871 das Schisma in der armenischen Kirche ausbrach und die Pforte die Anti-Infallibilisten begünstigte, ward F. nach Konstantinopel gesendet, um den Sultan für den Vatikan zu gewinnen und dem infallibilistischen Patriarchen Hassun wieder zur allgemeinen Anerkennung zu verhelfen. Er erreichte auch durch Verhandlungen mit dem Großwesir Aali Pascha seinen Zweck, doch vereitelte der Tod des letztern die Ausführung der verabredeten Maßregeln. Am 22. Dez. 1873 ward F. zum Kardinal ernannt und 1874 Präfekt der Propaganda, in welcher Stellung er eine eifrige und erfolgreiche Thätigkeit entwickelte. Nach Pius' IX. Tod beförderte er 20. Febr. 1878 die Wahl Leos XIII. und ward von diesem zum Staatssekretär ernannt. Im Gegensatz zu dem schroffen Auftreten Pius' IX. schlug er mit Zustimmung des Papstes eine gemäßigte Politik gegen die Mächte ein und hatte in Bayern und Preußen dadurch schon nicht unbedeutende Erfolge erzielt, als