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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Franchise; Francia; Franciabigio

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Franchise - Franciabigio.

er plötzlich 30. Juli 1878 durch einen Anfall von Sumpffieber (nicht ohne Verdacht der Vergiftung) dahingerafft wurde.

2) Ausonio, ital. Philosoph, geb. 24. Febr. 1821 zu Pegli bei Genua, mit seinem eigentlichen Namen Cristoforo Bonavino, widmete sich dem geistlichen Stand, legte jedoch das geistliche Kleid ab, um in den beiden Werken: "Il razionalismo del popolo" (Genf 1856; 3. Aufl., Mail. 1864) und "La religione del secolo XIX" (Genf 1853; neue Ausg., Mail. 1859) als der erste gegen die nationale scholastische und orthodoxe Philosophie Front zu machen. Sein Werk "La filosofia delle scuole italiane" (Capolago 1852, Flor. 1862; ein "Appendice" dazu, Genua 1853, Mail. 1866) polemisiert namentlich gegen Mamianis "Bekenntnisse eines Metaphysikers", deren platonisierende Richtung Franchis kühl-rationalistischer Denkart widerstrebte. F. begründete damals auch ein Journal: "La ragione" (Turin 1854-57, 7 Bde.), in welchem er mit gleichem Freimut vorging. Trotz seiner scharfen Polemik gegen die orthodoxe Philosophie übertrug ihm die neue italienische Regierung 1860 die Professur der Philosophie der Geschichte an der Akademie zu Pavia und später (1863) an der Accademia scientifico-letteraria zu Mailand. In dieser Stellung veröffentlichte F. die "Letture su la storia della filosofia moderna" (Mail. 1863, 2 Bde.) und "Prolusione al corso di filosofia nell' accademia scientifico-letteraria di Milano" (Turin 1868), die weniger allgemeinen Beifall fanden als seine frühern polemischen Schriften. In dem spätern Werk: "Sulla teorica del giudizio" (Mail. 1870, 2 Bde.), versuchte er die Natur der "a priori synthetischen Urteile" Kants zu begründen. Weiter erschienen: "Saggi di critica e polemica" (Mail. 1870-72, 3 Bde.); "Nuovi elementi di grammatica generale applicati alla lingua italiana" (das. 1866, 2. Aufl. 1874) und die Broschüre "La caduta del principato ecclesiastico e la restaurazione dell' imperio germanico" (das. 1871).

Franchise (franz., spr. frangschihs'), Freimütigkeit, Freiheit; Befreiung von Abgaben, besonders von Zöllen; certificat de f., Zollfreischein.

Francia, latinisierter Name des Frankenlandes, insbesondere der Grafschaften um Paris (s. Francien), woraus der Name der spätern Provinz Isle de France entstand.

Francia (spr. frantscha), 1) eigentlich Francesco Raibolini, ital. Maler, geb. 1450 zu Bologna, war ursprünglich Goldschmied und wurde 1483 Obmann der Goldschmiedsgilde, welches Amt er wiederholt (1489, 1506-1508 und 1512) bekleidete. 1514 ward er Obmann der vier Künste. Von den Bentivogli zum Münzmeister bestellt und vom Papst Julius als solcher bestätigt, gewann F. bedeutenden Ruf im Stempelschnitt, Silberornament und Niello. Zwei Nielloteller von ihm befinden sich in der Akademie zu Bologna. Berühmter ist er in der Malerei, in welcher er durch Lorenzo Costa beeinflußt worden ist. In der Folge wirkte die Richtung Peruginos bestimmend auf ihn ein und ganz zuletzt noch das Beispiel Raffaels, der mit F. in ein freundschaftliches Verhältnis getreten war (Briefwechsel von 1508); er starb 5. Jan. 1518 in Bologna. F. besaß keine reiche Erfindungsgabe, wohl aber Sinn für heilige, empfindungsvolle Schönheit. Es genügen ihm meist wenige Figuren, in die er einen gemessenen, weihevollen Ausdruck, ein zartes Seelenleben, besonders bei den weiblichen Gestalten, zu bringen wußte. Seine Ausführung mit ihrem glatten, firnisartigen Schmelz und ihren saubern Umrissen erinnert, besonders in den Werken seiner frühern Jahre, an sein Herauswachsen aus der Goldschmiedekunst. Bilder von ihm sind ziemlich häufig, besonders finden sich viele zu Bologna (Madonna von 1490 in der Misericordia, Madonna von 1499 in der Bentivogli-Kapelle von San Jacopo Maggiore, der tote Christus und eine Madonna in der Pinakothek, Fresken aus der Geschichte der heil. Cäcilia im Oratorio di Santa Cecilia etc.). München besitzt die Madonna im Rosenhag, Dresden die Anbetung der heiligen drei Könige, Berlin eine Madonna von 1502 und eine heilige Familie aus seiner Jugendzeit, die Nationalgalerie zu London eine Madonna, das Louvre zu Paris Christus am Kreuz mit Hiob, die Galerie zu Parma eine Kreuzabnahme etc. Francias Söhne Giacomo (geboren vor 1487, gest. 1557, der bedeutendere) und der jüngere, Giulio (geb. 1487, gestorben nach 1543), arbeiteten im Stil des Vaters, aber mit geringerm Talent. Ihre Werke werden häufig für die des Vaters ausgegeben; verschiedene haben die Brüder auch gemeinsam gemalt, wie sie auch an den Werken des Vaters mitgearbeitet haben.

2) José Gaspar Tomas Rodriguez da, gewöhnlich "Dr. Francia" genannt, Diktator von Paraguay, geb. 1756 in der brasilischen Provinz São Paolo, von teilweise indianischem Blut, besuchte, von seinem Vater, einem Portugiesen, zum geistlichen Stand bestimmt, die von Franziskanern geleitete Universität zu Cordova de Tucuman, ward aber sodann Advokat und ließ sich in Asuncion nieder. Hier erwarben ihm seine Gelehrsamkeit, Uneigennützigkeit und Energie bald die Achtung seiner Mitbürger. Zum Alcalden der Stadt ernannt, zeigte er auch in dieser Stellung strenge Rechtlichkeit. Als sich 1811 Paraguay von der spanischen Herrschaft losgerissen, wurde F. Sekretär der vom Kongreß ernannten Junta und 1813 mit Don Fulgencio Yegros zum Konsul, 1814 aber zum alleinigen Diktator ernannt, zuerst für drei Jahre und 1817 für Lebenszeit. Obwohl die Verfassung des Staats eine republikanische war, so führte F. doch ein absolutes Regiment und unterdrückte jede Opposition mit blutiger Grausamkeit. Hunderte ihm Mißliebiger ließ er auf bloße Verdächtigungen hin hinrichten. Besonders mißtrauisch war er gegen die Spanier, auch gegen die Geistlichkeit und die Mönche, wie er denn auch 1824 alle Klöster des Landes aufhob und ihre Güter zum Besten des Staats einzog. Wiederholte, aber stets entdeckte Verschwörungen machten seine Schreckensregierung noch schonungsloser. Dabei widmete er aber dem Anbau des Landes besondere Sorgfalt, verbot alle Auswanderung und allen Handel mit dem Ausland, zwang die Grundbesitzer zu bestimmten Anpflanzungen und setzte auch die industriellen Kräfte, gleichviel durch welche Mittel, in Bewegung. Die Absperrung des Landes führte er um so strenger durch, je mehr in den angrenzenden Republiken geordnete Verwaltungsreformen ins Leben traten, von denen seine Unterthanen keine Kunde bekommen sollten. Fremde duldete er nur unter großer Beschränkung; so wurde A. Bonpland (s. d.), der in Sant' Ana eine Indianerkolonie zur Kultur des Thees gegründet hatte, Francias Gefangener und die ganze Kolonie zerstört. Erst seit er seine Herrschaft gesichert glaubte, etwa seit 1824, ward dieselbe milder. Er starb 20. Sept. 1840, vom Volk tief betrauert. Vgl. Paraguay, Geschichte.

Franciabigio (spr. frantschabidscho), eigentlich Francesco di Cristofano Bigi, ital. Maler, geb. 1482