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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frankfurt an der Oder

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Frankfurt an der Oder.

Kriegk, Geschichte von F. (das. 1871); Stricker, Neuere Geschichte von F. seit 1806 (das. 1874-81, 4 Bücher); Horne und Grotefend, Geschichte von F. (2. Aufl., das. 1882); Grotefend, Quellen zur Frankfurter Geschichte (das. 1884); Ph. Gwinner, Kunst und Künstler in F. (das. 1862, Zusätze 1867); "Aktenstücke zur neuesten Geschichte von F." (2. Aufl., Stuttg. 1866); "Frankfurts Bauten", herausgegeben vom Architektenverein (Frankf. 1886); "Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst" (Heft 1-8, das. 1839-58; neue Folge 1860 ff.); "Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichte und Altertumskunde", seit 1858, und die "Neujahrsblätter" dieses Vereins.

Frankfurt an der Oder, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Brandenburg, 20 m ü. M., am linken Ufer der Oder, Knotenpunkt für die Linien Berlin-Sommerfeld, Eberswalde-Wriezen-F., F.-Küstrin, F.-Posen und F.-Kottbus der Preußischen Staatsbahn, besteht aus der eigentlichen Stadt und drei Vorstädten: der Gubener Vorstadt im S., Lebuser Vorstadt im N. u. der Dammvorstadt auf dem rechten Oderufer, die mit der Stadt durch eine 274 m lange hölzerne Brücke verbunden ist. Die Stadt hat geradlinige, breite Straßen, meist mehrstöckige Häuser und sogar auch ihre "Linden". Oberhalb eines der ehemaligen Festungswälle ist ein neuer Stadtteil mit hübschen Bauten entstanden, die sogen. halbe Stadt, die bedeutend höher als die übrige Stadt liegt und mit dieser durch einen schönen Park verbunden ist. In diesem (ursprünglich ein alter Friedhof) befindet sich das Denkmal des Dichters Ewald v. Kleist, der 1759 an seinen Wunden in F. starb. Unter den 6 Kirchen der Stadt (5 evangelische und eine katholische) verdienen die Marienkirche (fünfschiffige Hallenkirche aus dem 13. Jahrh., mit vortrefflichen Glasgemälden) und die Nikolaikirche (dreischiffige gotische Hallenkirche) Erwähnung. Die israelitische Gemeinde hat eine 1822 erbaute Synagoge. Die stattlichsten Gebäude von F. sind das ansehnliche Rathaus, das Herrenmeisterhaus, der frühere Bischofshof, das Regierungsgebäude, die Kommandantur, das Schauspielhaus (seit 1842). Außerdem ist noch das Denkmal des bei einem Rettungsversuch 27. April 1785 in der Oder ertrunkenen Herzogs Leopold von Braunschweig am rechten Oderufer zu erwähnen. Die Einwohnerzahl betrug 1885 mit Einschluß der Garnison (2 Regimenter Infanterie Nr. 8 und 12, ein Regiment Dragoner Nr. 12 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 18) 54,084, darunter (1880) 2824 Katholiken und 890 Juden. Die Industrie ist nicht unbedeutend. F. hat umfangreiche Maschinen-, Eisen-, Stahl- u. Metallwarenfabrikation, renommierten Orgelbau, Fabriken für chemische Präparate, Steingutwaren, Öfen, Tabak, Zigarren, Schokolade, Zuckerwaren, Kartoffelstärke, Sirup, Spiritus, Wollhüte, Leder, Holzwaren, Papier und Pappe, Bierbrauerei und Branntweinbrennerei. Nicht minder ansehnlich ist der Handel Frankfurts, der besonders durch die drei Messen (zu Reminiscere, Margareten und Martini) befördert wird. Haupthandelsgegenstände derselben sind: Leder, besonders Schafleder, Lausitzer Tuche und Buckskins und Rauchwaren. Die Schiffahrt auf der Oder ist für F. ebenfalls bedeutend, wiewohl es an einem Hafen zur Zeit noch gänzlich fehlt. Es gingen 1884 ein 342 Segelfahrzeuge, 309 Dampfschleppschiffe und aus 61 Segelfahrzeuge und 186 Dampfschleppschiffe. Aus den in der Nähe der Stadt befindlichen Braunkohlengruben wurden 1884: 1,384,295 hl Kohlen gefördert. F. hat ein königliches Gymnasium, ein Realgymnasium und ist Sitz einer königlichen Regierung, der Generalkommission für die Provinzen Brandenburg und Pommern, eines Landgerichts (für die elf Amtsgerichte zu Beeskow, Buchholz, Drossen, F., Fürstenwalde, Müncheberg, Reppen, Seelow, Sonnenburg, Storkow und Zielenzig), einer Oberpostdirektion, eines Hauptsteueramts, einer Reichsbankstelle, Handelskammer, des Stabes der 5. Division, der 9. und 10. Infanterie- und der 5. Kavalleriebrigade. Das Magistratskollegium besteht aus 16, die Stadtverordnetenversammlung aus 54 Mitgliedern. F. ist der Geburtsort der Dichter Ringwaldt (1530), Heinrich v. Kleist (1776) und Franz v. Gaudy (1800). 4 km südlich von F. liegt der Vergnügungsort Buschmühle in reizender Gegend.

F. entstand im 13. Jahrh. aus einer Ansiedelung fränkischer Kaufleute und wurde durch Urkunde vom 14. Juli 1253 vom Markgrafen Johann I. von Brandenburg zur Stadt erhoben, die von Berlin das magdeburgische Recht übernahm, durch ihre günstige Lage rasch aufblühte und bald befestigt wurde. Als während der Wirren unter der Herrschaft des ersten Wittelsbachers in der Mark die Polen auf Veranlassung des Bischofs Stephan von Lebus verwüstend in das Land einbrachen, überfielen die Bürger von F. die bischöfliche Residenz Göritz und brannten sie nieder. Deshalb wurde F. vom Papst Johann XXII. mit dem Interdikt belegt, 1334 zwar davon befreit, aber 1338 und 1350 von Benedikt XII. von neuem damit heimgesucht, und erst 1354 ward dasselbe aufgehoben. 1348 wurde die Stadt, weil sie treu zu Markgraf Ludwig hielt, von dem Heer des falschen Waldemar belagert, zu dem auch Kaiser Karl IV. stieß, hielt aber tapfer stand, bis die Feinde abzogen. Siegmund sicherte der Stadt 1379 die freie Schiffahrt auf der Oder zu. Seit 1368 gehörte sie auch zur Hansa, fand aber bei dem Bund nicht die gehofften Vorteile für ihren Handel und zog sich seit der Mitte des 15. Jahrh. von demselben zurück. Die Hussiten belagerten F. zweimal (1429 und 1432) vergeblich, desgleichen 1450 die Polen. Herzog Hans von Sagan belagerte die Stadt 1477 und verbrannte nach einem mißlungenen Ausfall des Kurprinzen Johann die Oderbrücke, konnte aber F. nicht erstürmen. Am 26. April 1506 eröffnete Kurfürst Joachim I. die vom Papst Julius II. 15. März errichtete Universität (Viadrina), die bald 450 Studierende zählte, 1516 aber nach Kottbus verlegt und erst 1539 in F. wiederhergestellt wurde. Damals wurde auch die Reformation in F. eingeführt. Während des Dreißigjährigen Kriegs nahm Gustav Adolf von Schweden die schlecht befestigte und von 6000 Mann kaiserlicher Truppen verteidigte Stadt 3. April 1631 im Sturm und hielt eine Besatzung bis 11. Aug. 1632 daselbst, worauf die Schweden durch brandenburgische Truppen abgelöst wurden. Nach dem verlornen Treffen von Steinau zog die Besatzung nach Zerstörung der Oderbrücke nach Küstrin, worauf Wallenstein 11. Okt. 1633 die Stadt besetzte. Doch zwang der Kurfürst, verstärkt durch schwedische Truppen, den befehligenden Obersten v. Manteuffel nach hartnäckiger Verteidigung 23. Mai 1634 zur Übergabe der Stadt. Nach einer kurzen Ruhe von 1637 bis 2. Febr. 1640 besetzten sie die Schweden unter Joachim Radicke, dessen Vertreibung der

^[Abb.: Wappen von Frankfurt a. d. Oder.]