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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frankreich

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Frankreich (Bodenbeschaffenheit).

die Ebene aus dem Sumpf- und Heidegebiet der ^[richtig: des] Landes, an der untern Garonne bis an die Charente aus dem hügeligen Gebiet, welches die berühmten Bordeauxweine hervorbringt. Nach NO. hin steht das Garonnebecken durch den fast genau von N. nach S. gerichteten Teil des Charentethals, darauf eine nur 150 m erreichende Schwelle und jenseit derselben durch den gleich gerichteten Clain, den Nebenfluß der Vienne, über Poitiers mit der großen nordfranzösischen Ebene im Loire- und Seinebecken in Verbindung. Diese Einsenkung zwischen Angoulême und Poitiers ist eine der wichtigsten, historisch berühmtesten Straßen von F., welche den Norden mit dem Südwesten und Spanien verband, daher bezeichnet durch zahlreiche Schlachten, die an derselben geschlagen wurden, namentlich an ihrem nördlichen Ende bei Poitiers. Die Ebene an der Loire breitet sich fast gleichmäßig zu beiden Seiten des Flusses aus (Orléans 93 m), zwischen Loire und Cher als das noch immer mit Seen und Sümpfen bedeckte und nicht völlig fieberfreie Gebiet der Sologne. Eine weite Ausbuchtung der Ebene begleitet südwärts die Vienne und den Cher bis Poitiers (190 m) und Bourges (130 m), eine noch größere im N. reicht an der Sarthe bis Le Mans; an der untern Loire verengert sich aber die Ebene wieder bis auf etwa 100 km und besteht nicht mehr aus tertiären und darunterliegenden, in den Flußthälern aufgeschlossenen Kreideschichten, sondern aus Granit, durch welchen sich die Loire unterhalb der Mündung der Maine in tiefer eingeschnittenem Thal einen Weg zum Meer gebahnt hat. Jene eben geschilderte Einsenkung nämlich ist eine in der Jurazeit vorhanden gewesene Meerenge zwischen dem granitischen Hochfrankreich und dem ebenfalls überwiegend granitischen Nordwestfrankreich. Doch hat letzteres kein eigentliches zusammenhängendes Gebirgssystem und unbedeutende Höhen; das kleine Plateau von Gâtine in Poitou, welchem westlich die Ebene der Vendée vorgelagert ist, erreicht kaum 300 m und die Montagne d'Arrée (s. d.) in der nordwestlichsten Bretagne nur 391 m. Zwei breite Granitzonen, deren eine mit Ostwestrichtung bei Alençon, die andre mit Südost-Nordwestrichtung mit dem Gâtineplateau beginnt, stoßen in dieser Montagne d'Arrée zusammen und bilden, paläozoische (silurische) Schichten in der Mitte, den Boden Nordwestfrankreichs, das somit auch in dieser Hinsicht wie in Bezug auf seine reiche Küstenbildung, sein winterlich mildes, stets feuchtes Klima und seine Bevölkerung eine Sonderstellung einnimmt. Dem Verkehr bieten sich hier bei der geringen Höhe der Granit- und Schieferplatte nur geringe Schwierigkeiten, Kanäle, die jetzt freilich für den Verkehr fast unnütz geworden sind, verbinden mitten durch das Land Nantes mit Brest und St.-Malo, letzterer hat nur eine Scheitelhöhe von 64 m. Ostwärts umfaßt dieses aus älterm Gestein bestehende Gebiet der Bretagne auch noch den Südwesten der Normandie und die Halbinsel Cotentin, ja dort finden sich bei Alençon Höhen von 417 m, die höchsten Punkte Nordwestfrankreichs. Wie aber das zentrale Hochland von einer Jurazone umgeben ist, welche auf dem ältern Gestein auflagert, so auch das nordwestliche gegen das Becken der Seine hin. Dieses letztere ist von der Loireebene nicht zu scheiden, und die Kanäle von Orléans und Briare, welche beide Flußsysteme verbinden, übersteigen mit ihren Scheitelpunkten 100 m nicht beträchtlich. Das Becken der Seine ist fast kreisrund und ringsum von einem Gürtel von Jurakalksteinen umschlossen, welche nur an der Peripherie anstehen, nach innen aber das Liegende eines zweiten konzentrischen Ringes von Kreidekalken bilden, die ihrerseits überwiegend von tertiären Schichten bedeckt und nur an der Sohle der Flußthäler durch Erosion bloßgelegt sind. Der geologische Bau und die Entstehung des Seinebeckens sind eine ganz ähnliche wie die des Garonnebeckens. Es trägt den Charakter eines Hügellandes, das sich nur an den Rändern hier und da bis zu 300 m und mehr hebt. Paris, das nur noch 25-30 m ü. M. liegt, ist der Mittelpunkt; dort vereinigt sich die Marne mit der Seine, wenig unterhalb auch die Oise, dorthin konvergieren demnach alle Straßen, welche von NW., O., SO. und S. über den Rand in das Becken eingetreten sind. So erleichtert ist auch hier der Verkehr, daß Kanäle nicht nur das Seinegebiet mit dem der Loire und Saône, sondern auch mit Schelde, Maas und Rhein verbinden. So dem Verkehr mit dem Ausland günstig gelegen, wohlbewässert und fruchtbar, daß selbst die Abhänge des plateauartigen Kreidekalkgebiets der Champagne, das sonst nur als Weideland zu dienen vermag, noch die berühmten Weine hervorbringen, hat das Seinebecken und sein von der Natur so scharf bezeichneter Mittelpunkt schon früh die Führerrolle in F. zu übernehmen vermocht. Der Nordost- und Ostrand des Seinebeckens bildet nun zugleich einen Teil der vom Mittelmeer bis zum Kanal durch sich aneinander fügende Gebirge und Höhenzüge deutlich bezeichneten Ostgrenze Frankreichs. Dieselben beginnen an der engsten Stelle des Kanals (jenseit dessen sie sich in England fortsetzen), am Kap Gris Nez und bilden als ein niederer Höhenzug die Berge von Artois, die Wasserscheide zwischen dem belgischen Tiefland und der Somme und Oise. Kein Punkt in diesem Höhenzug erreicht 200 m, aber nach O. hin tritt an die Stelle der Kreide- und tertiären Bildungen die Kohlenformation, die eine bedeutende Industrie ins Leben gerufen hat. Hier ist also die Grenze Frankreichs eine völlig offene, hier liegen daher zahlreiche Schlachtfelder und starke Festungen. Günstiger ist das Verhältnis nach dieser Seite hin weiter nach SO., wo von den Quellen der Schelde und Sambre an sich die äußersten Ausläufer der Ardennen, des Westflügels des Rheinischen Schiefergebirges, anschließen, deren einförmige, paläozoische (devonische) Schieferplatte noch von dichten Wäldern bedeckt und von der Maas und ihren Nebenflüssen Chiers und Semoy in tief eingeschnittenen, vielgewundenen Thälern durchbrochen wird. Das ganze Ardennengebiet ist daher schwer zugänglich und von jeher vom Verkehr gemieden worden. In den südlichen Ardennen beginnt die Jurazone, welche das Seinebecken im O. und SO. umgrenzt und hier die Wasserscheide gegen die Maas bildet. Namentlich früher reichbewaldet, wird die höchste Erhebung derselben mit dem Namen Argonnen bezeichnet, welche die Westgrenze des Plateaus von Lothringen bilden. Im W. dem Jura, im O. der Trias angehörig, mitten von der Mosel durchflossen, dacht sich dasselbe nach N. ab, hat aber eine mittlere Höhe von 300-400 m. Im S. verwächst es mit den Monts Faucilles (Sichelbergen), im SO. mit den Vogesen, deren Kamm vom Mont Donon südwärts die Grenze bildet. Der Abfall der Vogesen ist nach O. zur Rheinebene ein steiler, zum westlichen Hochland ein sanfter; bei einer mittlern Kammhöhe von 1000 m erreichen die gewölbten Granitkuppen im S. 1400 m. Die westliche Abdachung bildet noch Buntsandstein. Nach S. fällt das Gebirge ziemlich steil zu der schon erwähnten Pforte von Belfort und Montbéliard ab, jenseit welcher sich der Jura erhebt. Die-^[folgende Seite]