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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frankreich

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Frankreich (Kolonien, Nationalfarben etc.; geograph. Litteratur).

86 Fregatten und 148 kleinere Kriegsschiffe mit zusammen 14,000 Kanonen und einer Bemannung von 78,000 Mann vorhanden. Beim Beginn des Krimkriegs verfügte F. über eine Flotte von 252 Segelschiffen und 112 Dampfern. Dieser Krieg gab Napoleon III. Veranlassung zum Bau gepanzerter schwimmender Batterien, welche sich beim Bombardement von Kinburn 17. Okt. 1854 so bewährten, daß sie zum Bau der ersten gepanzerten Fregatte, Gloire, welche 1858 vom Stapel lief, Veranlassung wurden. Im J. 1861 verfügte die französische Kriegsmarine bereits über 20 Panzerschiffe. F. hat großes Verdienst um die Entwickelung des Baues von Panzerschiffen.

Die Küste Frankreichs ist gegenwärtig in fünf Bezirke und die Marine dementsprechend in fünf Marinedivisionen geteilt, davon je eine in den fünf Kriegshäfen Cherbourg, Brest, Lorient, Rochefort u. Toulon. An der Spitze der Kriegsmarine steht der Marineminister, ihm zur Seite ein Kabinettschef und ein Admiralsrat (conseil d'amirauté). Das Personal besteht aus etwa 32 Vizeadmiralen, 50 Konteradmiralen, 110 Kapitänen zur See, 240 Fregattenkapitänen, 700 Leutnants und 490 Schiffsfähnrichen. Diesem Offizierkorps entspricht ein Mannschaftsstand von 47,000 Mann, darunter 28,000 Mann an Bord.

Vgl. v. Pfister, Das französische Heerwesen (2. Aufl., Kassel 1877); Jähns, Das französische Heer von der großen Revolution bis zur Gegenwart (Leipz. 1873); Dussieux, L'armée en France, histoire et organisation (1884, 3 Bde.); v. Busse, Die Heere der französischen Republik 1870-71 (Hannov. 1874); Duc d'Aumale, Les institutions militaires de la France (Brüss. 1867); Vinoy, L'armée française (Par. 1873); "Frankreichs Kriegsbereitschaft, eine Studie" (3. Aufl., Berl. 1884); "Die Befestigung und Verteidigung der deutsch-französischen Grenze" (das. 1879); "Frankreichs Landesbefestigung" (Bd. 88 des "Archivs für die Artillerie- und Ingenieuroffiziere des deutschen Reichsheers", das. 1881); Obermair, Die Befestigungen Frankreichs (das. 1886); "Registrande des Großen Generalstabs" (das. 1875 ff.); v. Löbell, Jahresberichte (das. 1874 ff.); Chassériau, Précis historique de la marine française (1876); J. Delabarre ^[richtig: Jules Delarbre], La marine militaire de la France, organisation et administration (1877); v. Kronenfels, Das schwimmende Flottenmaterial der Seemächte (Wien 1881); Derselbe, Die Kriegsschiffbauten 1881-82 (das. 1883).

Kolonien.

Die außereuropäischen Besitzungen der Krone F. waren vor der Revolution von 1789 weit ansehnlicher als jetzt. Die bedeutendste derselben ist jetzt Algerien (s. d.) mit einem Flächeninhalt von 667,065 qkm (12,115 QM.) und (1881) 3,310,412 Einw. Eigentliche Kolonien (unter dem Marineministerium stehend) sind in Asien: Ponditscherri, Tschandarnagar, Karikal, Mahé und Janaon in Indien mit 508 qkm (9,24 QM.) und (1882) 273,283 Einw., das französische Kochinchina mit 59,800 qkm (1086 QM.) und (1882) 1,642,185 Einw., Kambodscha mit 83,860 qkm (1523 QM.) und 1,500,000 Einw. und Tongking mit 90,000 qkm (1634 QM.) und 9 Mill. Einwohnern; in Afrika: Senegal und Gabun mit 700,000 qkm (12,710 QM.) und 4 Mill. Einw., Obok mit 10,000 qkm (181 QM.) und (1884) 22,370 Einw., die Insel Réunion mit 2512 qkm (45,6 QM.) und (1882) 170,518 Einw., die Inseln Mayotta, Nossi Bé und Ste.-Marie mit 824 qkm (14,9 QM.) und (1882) 28,726 Einw.; in Amerika: St.-Pierre und Miquelon mit 235 qkm (4,3 QM.) und (1882) 5554 Einw., Martinique und Guadeloupe mit Dependenzen mit 2858 qkm (51,9 QM.) und (1882) 364,884 Einw., Französisch-Guayana mit 121,414 qkm (2205 QM.) und (1882) 24,656 Einw.; in Ozeanien: Neukaledonien und Dependenzen mit 19,950 qkm (362 QM.) und (1884) 60,703 Einw. und Tahiti nebst Dependenzen mit 3658 qkm (66 QM.) und (1884) 25,050 Einw. Schutzstaaten sind in Asien: das Königreich Anam mit 275,300 qkm (5000 QM.) und 6,045,000 Einw.; in Afrika: Tunis mit 116,348 qkm (2113 QM.) und 1,500,000 Einw. Die auswärtigen Besitzungen Frankreichs (s. Karte "Kolonien") beziffern sich sonach:

Besitzungen QKilom. QMeilen Einwohner

Algerien 667065 12115 3310412

Kolonien 1096010 19903 17117929

Schutzstaaten 391648 7113 7545000

Zusammen: 2154723 39131 27973341

Die Nationalfarben und die Flagge Frankreichs sind Weiß, Rot und Blau (Trikolore). Die Oriflamme (s. Fahne) dient seit Karl VII. nicht mehr als Reichspanier. Das alte bourbonische Wappen bildeten zwei zusammengeschobene Schilde, auf dem rechten blauen drei goldene Lilien. Während der Revolution wichen die drei Lilien dem gallischen Hahn und unter Napoleon I. dem goldenen, auf Blitzen fahrenden Adler; mit der Restauration kehrten sie zurück, wurden aber nach der Julirevolution abgeschafft. Napoleon III. brachte den Adler wieder ins Wappen zurück. Gegenwärtig enthält das Wappen eine die Republik darstellende allegorische Figur. Der einzige Orden in F. ist der Orden der Ehrenlegion (s. d.). S. die Tafeln "Flaggen", "Orden", "Wappen".

Litteratur.

Vgl. für die Geographie: "Dictionnaire topographique de la France" (auf Veranlassung des Unterrichtsministeriums herausgegeben; jedes Departement bildet einen Band, 1861 ff.); Gindre de Mancy, Nouveau dictionnaire complet des communes de la France, etc. (5. Ausg. 1874); Joanne, Dictionnaire géographique, administratif etc. de la France (3. Aufl. 1886); Derselbe, Géographies départementales de la France (87 Bdchn.); Maltebrun, La France et ses colonies (Par. 1857); Derselbe, La France illustrée (neue Ausg. 1879 ff.); Cortambert, Géographie physique et politique de la France (zuletzt 1886); Reclus, La France (1877, Bd. 2 der "Géographie universelle"); Levasseur, Précis de la géographie de la France et de ses colonies (1886); Heuzé, La France agricole (mit 46 Karten, 1875, offiziell); Hillebrand, F. und die Franzosen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (3. Aufl., Berl. 1879); Hellwald, F. in Wort und Bild (Leipz. 1884 ff.); Vignon, Les colonies françaises (1885); Rambaud, La France coloniale (das. 1886); Lebon, Das Staatsrecht der französischen Republik (Freiburg 1886); Voisin-Bey, Die Seehäfen Frankreichs (deutsch, Leipz. 1886); die offizielle "Statistique de la France"; "Annuaire statistique de la France" (seit 1878); Block, Dictionnaire de l'administration française (2. Aufl. 1875-79, mit jährlichen Supplementen) und den jährlich erscheinenden "Almanach national" (Staatshandbuch).

Kartenwerke (Spezialkarten): Cassini, Carte topographique de la France (1:86,400, Par. 1744-1793, in 182 Bl.); "Carte de la France" (1:80,000, das. 1818-82, in 267 Bl.; offiziell vom Depot de la guerre); seit 1881 wird eine neue Ausgabe dieser