Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frankreich

546

Frankreich (Geschichte: Karl VIII., Ludwig XII., Franz I.).

seinem Hof auf, welche auch in F. den Anstoß zu jener gewaltigen humanistischen Bewegung gaben, die zur Renaissance, zur Wiedergeburt der schönen Künste und wahrer Wissenschaftlichkeit, führte.

Ludwigs einziger Sohn, Karl VIII. (1483-98), stand bei seiner Thronbesteigung erst in seinem 14. Jahr, fand aber an seiner ältern Schwester, Anna von Beaujeu, eine treffliche Führerin. Die Opposition der übrigen Prinzen gegen ihre Herrschaft wußte sie ebensowohl zu unterdrücken wie den Versuch der Generalstände von 1484, eine Art parlamentarischer Regierung durchzuführen. Der Herzog Franz II. von der Bretagne wurde durch den trefflichen königlichen General La Trémoille bei St.-Aubin (1488) so entscheidend geschlagen, daß damit die alte Unabhängigkeit dieses Landes ihr Ende erreichte. Die Erbin Franz' II., die junge Herzogin Anna, die verlobte Braut des römischen Königs Maximilian, wurde 1491 dem jungen Karl VIII. vermählt und so die Bretagne mit der Krone Frankreichs vereinigt. Damit war das letzte der großen Kronlehen der nationalen Einheit zum Opfer gefallen. Nach diesem bedeutenden Erfolg faßte Karl VIII. den Entschluß, die Ansprüche des Hauses Anjou, die er durch Besitznahme der Provence auf die Valois übergegangen meinte, auf Neapel und selbst Jerusalem mit Waffengewalt geltend zu machen. Deshalb erkaufte er den Frieden von England durch Entrichtung einer großen Geldsumme, von Spanien durch Rückgabe von Roussillon und Cerdagne, von Maximilian durch Rückgabe von Artois und der Freigrafschaft im Vertrag zu Senlis (1493). Dann zog er an der Spitze einer großen Arme ^[richtig: Armee] im Herbst 1494 nach Italien und nahm Anfang 1495 das Königreich Neapel den Herrschern aus dem Haus Aragon ohne große Schwierigkeiten ab. Da indes Kaiser Maximilian, die Republik Venedig und Ferdinand der Katholische von Spanien sich gegen ihn verbündeten, mußte er das eroberte Reich, wo die Franzosen sich gründlich verhaßt gemacht hatten, ebenso schnell wieder räumen. Nur mit Mühe erkämpfte er bei Fornuovo (6. Juli 1495) gegen das Heer seiner Feinde den freien Durchzug nach der Heimat. Indem er seinen Kummer über den Mißerfolg seines Unternehmens durch Ausschweifungen zu betäuben suchte, starb er schon 7. April 1498, erst 27 Jahre alt.

Rivalität mit dem Haus Habsburg.

Da mit Karl VIII. die direkte Linie der Valois ausstarb, folgte ihm aus der Seitenlinie Valois-Orléans Ludwig XII. (1498-1515), Urenkel Karls V., ein wohlmeinender, besonnener, thätiger und gerechter Monarch, der zumal die Lage der untern Klassen seines Volkes zu heben bedacht war, aber nur zu sehr unter dem Einfluß seiner Günstlinge stand. Durch die Ordonnanz von Blois (März 1499) dehnte er die Freiheiten der französischen Nationalkirche aus und machte den ärgsten Mißbräuchen in Verwaltung und Rechtspflege ein Ende. Sein eigentliches Ziel war aber Italien, wo er, außer auf Neapel, auch auf Mailand (hier durch seine Großmutter Valentine Visconti) Rechte besaß. Im Herbst 1499 nahm er zunächst Mailand ein, dessen Herzog Ludwig Moro er als Gefangenen nach F. sandte. Über Neapel hatte er sich mit Ferdinand von Aragonien verständigt, und beide Könige hatten beschlossen, das Reich gemeinschaftlich zu erobern und zu teilen. Die Eroberung erfolgte 1501, aber schon 1503 wurden die Franzosen von den Spaniern aus Neapel vertrieben. In Oberitalien gründete Papst Julius 1510 gegen Ludwig die Heilige Liga. Zwar erfocht der französische Feldherr Gaston von Foix bei Ravenna über die Spanier einen glänzenden Sieg (1512); derselbe blieb aber ohne Resultat, da auch England und der Kaiser sich der Heiligen Liga anschlossen. Dem ganzen Europa war F. nicht gewachsen. Vielmehr eroberte Ferdinand 1512 das mit F. verbündete kleine Königreich Navarra, von dem nur der vierte Teil, der nördlich von den Pyrenäen liegende, unabhängig blieb; Mailand aber wurde von den Schweizern durch die Schlacht bei Novara (1513) den Franzosen abgenommen. Die Engländer und Deutschen drangen in die Picardie ein und besiegten unter Kaiser Maximilians persönlicher Führung die Franzosen bei Guinegate. Frankreichs Erschöpfung nötigte darauf Ludwig XII., mit dem Papst, England und Spanien Frieden zu schließen (1514). Wenige Monate darauf starb er, 1. Jan. 1515, vom Volk auf das tiefste betrauert, für dessen Wohl er in der That ununterbrochen gesetzgeberisch thätig geblieben war. In der auswärtigen Politik hatte er freilich mit allen seinen Anstrengungen nichts erreicht.

Es folgte ihm aus der jüngern Linie der Orléans, Angoulême, Franz I. (1515-47), ausgerüstet mit den bestechendsten Gaben des Körpers und des Geistes, aber zugleich voll Eitelkeit, zügelloser Genußsucht und despotischer Herrschbegier. Zunächst stand er gänzlich unter der Leitung seiner klugen und ehrgeizigen Mutter Luise von Savoyen. Durch geschickte Verträge sicherte Franz sich die Neutralität der wichtigern Staaten; dann brach er in das Mailändische ein, wo er den Schweizern bei Marignano (September 1515) eine große Niederlage beibrachte und darauf das ganze Herzogtum in Besitz nahm. Um die eroberte Stellung in Italien nicht wieder zu verlieren und das Haus Habsburg nicht zu einer F. erdrückenden Macht gelangen zu lassen, bewarb sich Franz in der Hoffnung, dadurch Karls V. Wahl zu vereiteln, 1519 um die deutsche Kaiserkrone. Er unterlag aber, und so begann 1521 zwischen den beiden Nebenbuhlern um die Vorherrschaft in Europa, F. und Österreich-Spanien, ein 250jähriger Kampf, indem Karl V. von Franz die Rückgabe von Burgund und Mailand forderte, dieser seine Ansprüche auf Neapel erneuerte. Der erste Krieg (1521-26) verlief für F. unglücklich. Der französische General Lautrec wurde im Mailändischen bei Bicocca geschlagen und zum Rückzug über die Alpen genötigt (1522). Der tüchtigste Feldherr Frankreichs, der Connetable von Bourbon, wurde durch die Intrigen der Königin-Mutter bewogen, zu Karl V. überzutreten. Franz I. versuchte das schon verlorne Mailand wiederzuerobern, indem er sich selbst an die Spitze einer Armee stellte, wurde aber bei Pavia 24. Febr. 1525 von dem kaiserlichen General Prosper Colonna vollständig geschlagen und nach tapferm Kampf selbst gefangen genommen. Nach Madrid geführt, mußte er seine Freiheit durch den Frieden von Madrid erkaufen (1526), in welchem er dem Kaiser das Herzogtum Burgund sowie die Souveränität Frankreichs über Flandern und Artois abtrat und auf alle Ansprüche auf Neapel und Mailand verzichtete. Allein kaum war er wieder in Freiheit, als er die Herausgabe von Burgund verweigerte und mit dem über Karls drohende Übermacht erschreckten Papst Clemens VII. und Heinrich VIII. von England ein Bündnis schloß. Karl, durch diese Treulosigkeit auf das höchste gereizt, ließ zu, daß sein Heer unter Führung des Connetable von Bourbon, der dabei fiel, Rom erstürmte und plünderte (1527). Eine französische Armee, die unter Lautrec in Nea-^[folgende Seite]