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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fraser River - Frauenburg.

(Ausfuhr von Heringen) und (1881) 6583 Einw. Sitz eines deutschen Konsulats.

Fraser River (spr. frehser riwer, Frasersfluß), der Hauptstrom von Britisch-Columbia in Nordamerika, entspringt auf der Höhe des in 52° 55' nördl. Br. über die Rocky Mountains führenden Yellow Head oder Lederpasses (1142 m ü. M.) und ergießt sich nach einem Laufe von 1100 km gegenüber der Vancouverinsel in den Georgiagolf. Zwischen Lytton und Yale (140 km vom Meer) durchbricht er in tiefer Schlucht das Kaskadengebirge. Unterhalb sowie auf weite Strecken oberhalb ist er schiffbar. Sein wichtigster Nebenfluß ist der aus dem Kamloopssee kommende Thompsonfluß.

Fräsierung, im Befestigungswesen ein Hindernismittel, bestehend in einer Reihe am obern Rande der Eskarpe oder Kontreskarpe auf etwa ein Drittel ihrer Länge eingegrabener palissadenähnlicher, zugespitzter Pfähle (Sturmpfähle), die das Hinab- oder Hinaufsteigen an der Böschung erschweren oder zum Sprung zwingen soll. Ihrer mühevollen Herstellung wegen, und weil sie die Grabenbreite verringert und dadurch dessen Überbrückung oder Überspringen erleichtert, wird die F. nur als Notbehelf angewendet.

Frasnes (spr. frahn, F. lez Buissenal), Dorf in der belg. Provinz Hennegau, Arrondissement Ath, an der Ronne und der Eisenbahn St.-Ghislain-Gent, mit (1885) 4145 Einw., die Wollstrumpf- und Tuchfabriken, Spitzen- und Leinwandweberei betreiben. Die Trümmer des Schlosses Desmettes (einst Aufenthaltsort Karls V.) sind jetzt Meierhof.

Fraß, im Jagdwesen, s. Geäse.

Frassine, Fluß in Venetien, entspringt westlich von Recoaro an der tirolischen Grenze, heißt anfangs Agno, dann Fiume Nuovo, fließt bis Cologna, wo er schiffbar wird, südlich, dann in der Provinz Padua bis Este östlich, wobei er mit dem Bacchiglione durch Kanäle in Verbindung tritt, hierauf wieder südlich und endlich abermals östlich, indem er nach Aufnahme der Fratta in kanalisiertem Lauf als Kanal Gorzone bei Brondolo ins Meer mündet. Er ist 102 km lang.

Frastanz, Dorf in Vorarlberg, Bezirk Bludenz, an der Ill und der Eisenbahn Bludenz-Feldkirch, mit (1880) 1580 Einw., wichtig durch seine Baumwollspinnerei u. -Weberei, Eisengießerei und mechanische Werkstätte. Hier siegten im Schwabenkrieg 20. April 1499 die Eidgenossen unter Heinrich Wohlleb über die verbündeten Kaiserlichen und schwäbischen Herren.

Frate (ital., "Bruder"), Mönch; vgl. Fra.

Frater (lat., Mehrzahl: fratres), Bruder, besonders Ordensbruder; auch Mitglied eines Ritterordens sowie ein Mönch, der nicht Priester (pater) ist. F. consanguineus, Bruder von Vaters, wie f. uterinus, Bruder von der Mutter Seite her; fratres matrueles, Söhne von Schwestern, wie fratres patrueles, Söhne von Brüdern. Fratres arvales, Arvalbrüder (s. d.); fratres calendarii, Kalandsbrüder (s. d.); fratres minores, Minoriten (s. d.); fratres pontifices, Brückenbrüder (s. d.); fratres praedicatores, Dominikaner (s. d.); fratres vitae communis, Brüder des gemeinsamen Lebens (s. d.).

Fraternell (lat.), brüderlich; fraternisieren, sich verbrüdern, brüderlich miteinander umgehen; Fraternisation, Verbrüderung; Fraternität (franz. fraternité), Brüderlichkeit; Brüderschaft.

Fratres (lat.), s. Frater.

Fratriagium (mittellat., auch Freragium, Fraternitas), Erbteil nachgeborner Brüder.

Fratricellen (lat. Fratres de paupere vita, ital. Fraticelli della opinione), s. Franziskaner.

Fratricida (lat.), Brudermörder; Fratricidium, Brudermord.

Fratta, Fluß, s. Frassine.

Fratta Maggiore, Stadt in der ital. Provinz Neapel, Kreis Casoria, 13 km nördlich von Neapel, an der Eisenbahn Foggia-Neapel, mit zahlreichen Landhäusern der Neapolitaner, reichem Wein- und Hanfbau, Seidenzucht, Fabrikation von Seilerwaren und (1881) 10,848 Einw.

Frattsein, s. Afterfratt.

Frau, s. Weib.

Fraudator (lat.), der sich eine Fraus (s. d.) oder Fraudation (Betrügerei, Übervorteilung) zu schulden kommen läßt; fraudulént, betrügerisch; Fraudulenz, betrügerisches Wesen; fraudulös, trugvoll.

Frauenarbeit, s. Frauenfrage und Fabrikgesetzgebung.

Frauenberg, 1) ein aussichtsreicher Gipfel der Hainleite in Thüringen, bei Sondershausen, 411 m hoch. Auf seinem Gipfel erbaute 878 Ludwig der jüngere, Sohn Ludwigs des Deutschen, ein Schloß und eine Kirche, die 933 von den Ungarn zerstört wurden. Eine später von Otto d. Gr. am Berge gegründete Propstei ging im Bauernkrieg zu Grunde. Jetzt liegt an der Stelle das Dorf Jechaburg. -

2) Berg im preuß. Regierungsbezirk Kassel, bei Beltershausen, der höchste Punkt der Lahnberge (379 m hoch), die sich im O. der Lahn von der Mündung der Ohm an bei Marburg vorüberziehen. Früher stand auf dem Gipfel des Bergs die Burg F., um 1252 von der Herzogin Sophie von Brabant gebaut und seit 1489 verfallen. -

3) (Bischofsberg) Berg vor dem Paulsthor der Stadt Fulda (s. d.), auf dessen Gipfel ein Franziskanerkloster steht. Bonifacius hatte hier eine Kapelle erbaut, woraus später ein weltliches Chorherrenstift hervorging, dessen Kirche 809 eingeweiht wurde. Abt Ebbo hob das Stift in der Mitte des 11. Jahrh. auf und übergab die Gebäude Benediktinermönchen. Im 14. Jahrh. wurde der F. mit Festungswerken umgeben, im Bauernkrieg 1525 zerstört und 1623 von neuem den Franziskanern übergeben. Im ehemaligen Konventsaal die Porträte sämtlicher Bischöfe von Fulda. -

4) Großes, prächtiges Schloß in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Budweis, dem Fürsten Schwarzenberg gehörig, 1840 bis 1847 im englisch-gotischen Stil an der Stelle der alten, festen Burg erbaut, auf einer Anhöhe über der Moldau und an der Linie Budweis-Wessely der Franz Joseph-Bahn gelegen, mit zahlreichen Kunstgegenständen, Bibliothek, Schloßkapelle, Waffensammlung und schönem Park. Am Fuß des Bergs liegt der Marktflecken Podhrad mit gotischer Pfarrkirche, Bezirksgericht und (1880) 2965 Einw.

Frauenbiß, s. Veronica.

Frauenbreitungen, Marktflecken im sachsen-meining. Kreis Meiningen, am linken Werraufer, mit evang. Pfarrkirche, bildet gegenwärtig mit Altenbreitungen eine Gemeinde von (1885) 1605 Einw., kommt schon im 10. Jahrh. als Hofgut der deutschen Könige vor und hieß ehemals Königsbreitungen, ward 1500 vom Kaiser Maximilian zum Marktflecken erhoben und erhielt seinen jetzigen Namen von dem dortigen, 1150 gestifteten Augustiner-Nonnenkloster, das 1554 aufgehoben wurde.

Frauenburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Braunsberg, am östlichen Ufer des Frischen Haffs, hat. 3 Kirchen, eine merkwürdige (angeblich von Kopernikus errichtete) Wasserleitung, eine Dampfschneidemühle u. Flachsbereitungsanstalt und (1885) 2617 Einw. (darunter 204 Evangelische). Un-^[folgende Seite]