Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frederiksoord; Frederiksstad; Frederiksvaern; Fredman; Fredon; Fredro; Fredum; Free Church; Freeden; Freeholders

633

Frederiksoord - Freeholders.

Ausfuhr kommen besonders Butter (1884 für 2 Mill. Mk.), Rindvieh (1½ Mill. Mk.) und Schweine (nach England); die Einfuhr enthält Holz, Getreide, Eisen, Baumwollgarn etc. Der Verkehr mit Deutschland wird meist durch die Eisenbahn vermittelt. F. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Es steht mit Kopenhagen, Gotenburg, Christiania und Christiansand in Dampferverbindung.

Frederiksoord, freie Armenkolonie in der niederländ. Provinz Drenthe, unweit Zwolle und Steenwijk, wurde 1818 mit zwei andern Kolonien (Willemsoord und Wilhelmineoord) durch die Maatschappij van weldadigheid ("Gesellschaft der Wohlthätigkeit") begründet und nach dem Vorsteher derselben, dem Prinzen Friedrich der Niederlande, benannt. Der Verein, dessen Mitgliederzahl bald auf 20,000 stieg, ließ in der morastigen Provinz Drenthe binnen zwei Jahren 600 holländische Morgen unfruchtbaren Landes anbauen und 200 Häuser errichten, wo über 1000 Arme Zuflucht und Beschäftigung fanden. F. ist Sitz der Direktion der drei Kolonien, die jetzt 400-450 Hauser mit etwa 2000 Einw. zählen. Jede Familie erhält ein Häuschen und 2½-3 Hektar Land.

Frederiksstad, 1) s. Friedrichstadt. -

2) Stadt und Festung im norweg. Amt Smaalenene, an der Mündung des Glommen in den Christianiafjord und an der Eisenbahn Christiania-Frederikshald, wurde 1570 von König Friedrich II. angelegt, hat einen guten Hafen und (1876) 9672 Einw. Im S. der Stadt liegt die Feste Kongsteen, die aber keine militärische Bedeutung hat. F. ist einer der wichtigsten Plätze für die Ausfuhr der Holzprodukte, welche aus den großen Wäldern Österdalens auf dem Fluß hierher gebracht werden (1883 für 9½ Mill. Kronen). F. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Frederiksvaern, befestigter Hafenort im norweg. Amt Jarlsberg und Laurvik, am Eingang des Laurvikfjords, hat mit dem angrenzenden Flecken Stavaern 1200 Einw. Der Hafen von F. war früher die Hauptstation der norwegischen Flotte.

Fredman, Pseudonym, s. Bellman.

Fredon (franz., spr. frödóng), kurze Roulade, Triller im Gesang; Fredonnement, Gesumme, Gemurmel; fredonnieren, trillern; vor sich hin summen.

Fredro, 1) Alexander, Graf, namhafter poln. Lustspieldichter, geb. 1793 bei Przemysl in Galizien, Sprößling einer alten polnischen Adelsfamilie, trat 1809 in das polnische Militär, beteiligte sich als Offizier an den Feldzügen unter Napoleon I. 1812-13 und kehrte 1814 nach Galizien zurück, wo er sich nun ganz der Litteratur widmete und durch seine Lustspiele bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog. Mit Recht nennt man F. den "polnischen Molière"; er hat erst das national-polnische Lustspiel geschaffen, da alle vor ihm lediglich nach französischen Mustern arbeiteten. Sogleich sein Erstlingswerk: "Geldhab" (1821), begründete seinen Ruhm, den die rasch nachfolgenden Stücke: "Maž i žona", "Przyjaciele", "Damy i huzary", "Zemsta", "Pan Jowialski", "Sluby panienskie" u. a. nur vergrößern konnten. Seit Ende der 30er Jahre lebte der Dichter in stiller Zurückgezogenheit zu Lemberg, wo er erst 16. Nov. 1876 starb. Aus seinem Nachlaß wurden 15 neue Lustspiele, darunter: "Wielki człowiek etc.", "Wychowanka", "Dwie bilzny etc.", mit großem Erfolg auf den polnischen Bühnen aufgeführt. Die beste Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1880 zu Warschau in 13 Bänden.

2) Johann Alexander, Graf, poln. Lustspieldichter, Sohn des vorigen, geb. 1829 zu Lemberg, studierte die Rechtswissenschaft, trat aber 1848 in die polnisch-ungarische Legion, focht bei Torczal und Tura, ging nach dem Fall des ungarischen Aufstandes nach der Türkei, 1850 nach Paris, von wo er infolge der Amnestie 1857 nach Galizien zurückkehrte. Unter seinen zahlreichen Lustspielen erwähnen wir: "Przed śniadaniem" ("Vor dem Frühstück", 1864); "Piosnka wujaszka" ("Das Lied des Oheims", 1866; deutsch, Wien 1882); "Mentor" (1871; deutsch bei Reclam, Nr. 1569); "Obce zywioly" ("Fremde Elemente", 1872); "Wielkie bractwo" (1875); "Kalosze" (1879); "Ubogi czy bogaty" ("Arm oder reich", 1880); "Posažna jedynaczka" (auf deutschen Bühnen unter dem Titel: "Die einzige Tochter" aufgeführt). Die neueste Ausgabe seiner gesammelten Lustspiele erschien 1881 zu Warschau in 4 Bänden.

Fredum (Fredus, Fridus), das Friedensgeld, d. h. ein Strafgeld, welches nach altgermanischem Strafrecht der Verbrecher neben dem Wergeld (compositio), welches er zur Sühne an den Verletzten und bei Tötungen an die Familie des Getöteten zu zahlen hatte, an den Richter dafür entrichten mußte, daß dieser ihm nunmehr "Frieden wirkte", indem er jede weitere Fehde und Privatrache verbot. Das F. durfte von dem Richter erst nach vollständiger Bezahlung des Wergeldes erhoben werden. In den mittelalterlichen Rechtsbüchern wird das F. Wette (gewette) oder Buße genannt. Diese Buße betrug gewöhnlich den dritten Teil des an den Ankläger zu entrichtenden Sühngeldes und erhielt sich mit dem Charakter einer Art Besoldung des Richters bis in das 17. Jahrh.

Free Church (spr. frih tschörtsch, "freie Kirche"), s. Schottische Kirche.

Freeden, Wilhelm Ihno Adolf von, geb. 12. Mai 1822 zu Norden in Ostfriesland, studierte zu Bonn und Göttingen Mathematik und Naturwissenschaften, fungierte nach größern Reisen als Lehrer an den Gymnasien zu Norden und Jever, ward 1856 Rektor der Navigationsschule in Elsfleth und dirigierte 1867-75 die in Hamburg von ihm begründete norddeutsche (später deutsche) Seewarte. Hier entwickelte er eine ausgebreitete Thätigkeit nach allen Weltteilen in Bezug auf praktische Segelanweisungen, Ozeanographie, Schiffahrtsstatistik, ozeanische Meteorologie und Sturmwarnungen. Im Deutschen Nordpolarverein bemühte er sich um die Förderung deutscher Nordfahrten. 1871 gehörte er dem deutschen Reichstag an, in welchem er sich der nationalliberalen Partei anschloß. Seit 1877 lebt er in Bonn. Er schrieb: "Die Praxis der Methode der kleinsten Quadrate" (Braunschw. 1863); "Handbuch der Nautik" (Oldenb. 1864); "Die wissenschaftlichen Ergebnisse der ersten deutschen Nordfahrt von 1868" (Hamb. 1869); "Der nordwestdeutsche Wetterkalender" (das. 1869); "Dampferwege zwischen dem Kanal und New York" (das. 1870 und 1872); "Monatliche Wind-, Strom- und Temperaturkarten des Nord-Atlantic" (das. 1874); "Barometerbuch zum Gebrauch der Seeleute" (Oldenb. 1885). 1849-50 redigierte er mit Böckel die "Freien Blätter" zu Jever und seit 1870 die "Hansa, Zeitschrift für Seewesen".

Freeholders (engl., spr. frih-), in England die Freisassen, die freien Bauern, die Eigentümer der alten freien Bauerngüter (freeholds im Gegensatz zu copyholds, lassitische Bauerngüter). Sie schieden sich früher in zwei Klassen, in F. von 40 Schilling Grundrente und weniger. Nur jene leisteten den Geschwornendienst und bildeten die wahlberechtigte Körperschaft in der Grafschaft.