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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frenchman's Bay; Frenesīe; Frenghistan; Frensdorff; Frentaner; Frenŭlum; Frenzel; Freppel

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Frenchman's Bay - Freppel.

an der Kriegsschule von St.-Cyr), wurde 1833 Assistent bei Gay-Lussac, 1837 bei Pelouze und 1842 außerordentlicher Professor am naturgeschichtlichen Museum. Seit 1846 fungiert er als Professor an der polytechnischen Schule und seit 1850 als Professor am naturgeschichtlichen Museum als Nachfolger Gay-Lussacs. 1864 gründete er in Frankreich das erste Laboratorium (im naturwissenschaftlichen Museum), welches ausschließlich dem Studium und wissenschaftlichen Untersuchungen gewidmet ist, und in welchem seine Schüler vollständig kostenfrei arbeiten. F. lieferte ungemein zahlreiche Untersuchungen, er entdeckte die Metaantimonsäure, die Ammoniakkobaltverbindungen und eine Methode zur Darstellung künstlicher Edelsteine, ferner die Palmitinsäure, das Olein. Er arbeitete über Weinsäure, Milchsäure, Pektinkörper, Cellulose, Chlorophyll, über die Zusammensetzung der Knochen, des Eiweißes, der Muskeln. Als er nach dem Tod Pelouzes in die Verwaltung der großen Glasfabriken von St.-Gobain gewählt wurde, unternahm er Versuche zur Darstellung von Schwefelsäure aus Gips, über die Zersetzung der Salzsäure durch Luft und eine Untersuchung der Funktionen des sogen. Gay-Lussac-Turms in der Schwefelsäurefabrikation; namentlich entdeckte er auch die Verseifung der Fette durch Schwefelsäure für die Stearinkerzenfabrikation. Andre Arbeiten beziehen sich auf die Glasindustrie, die Erzeugung künstlicher Dünger, Zement-, Eisen- und Stahlindustrie, ferner auf die pflanzlichen Gespinstfasern und die Papierfabrikation. Mit Pelouze veröffentlichte er mehrere Lehrbücher der Chemie; auch gibt er im Verein mit Fachgenossen eine "Encyclopédie chimique" heraus.

Frenchman's Bay (spr. fréntschmens beh), Bai an der Küste des nordamerikan. Staats Maine, nach welcher ein Zollbezirk der Vereinigten Staaten genannt wird. In ihr liegt Mount Desert Island, 260 qkm groß, im Mount Adam bis 670 m ansteigend und von Felswänden umgürtet, mit 6 Dörfern.

Frenesīe, frenētisch, s. Phrenesie.

Frenghistan, s. Ferengistan. ^[richtig: Ferenghi.]

Frensdorff, Ferdinand, namhafter Germanist, geb. 17. Juni 1833 zu Hannover, studierte die Rechte auf den Universitäten Heidelberg, Göttingen, Berlin und Leipzig, habilitierte sich 1860 in Göttingen als Privatdozent und wurde 1866 außerordentlicher, 1873 ordentlicher Professor des deutschen Rechts. Seine Schriften, durch gediegene und geschmackvolle Behandlung ausgezeichnet, sind: "Die Stadt- und Gerichtsverfassung Lübecks im 12. und 13. Jahrhundert" (Lüb. 1861), der sich die gehaltvolle und ergebnisreiche Jubiläumsschrift "Das lübische Recht nach seinen ältesten Formen" (Leipz. 1872) sowie die beiden Aufsätze: "Die beiden ältesten hansischen Rezesse" und "Über die Vorarbeiten zu einer neuen Ausgabe des lübischen Rechts" in den "Hansischen Geschichtsblättern" (1871 u. 1873) anschließen; ferner "Die Chroniken der Stadt Augsburg" (Leipz. 1865-1866, 2 Bde.) in den "Chroniken der deutschen Städte" (Bd. 4 u. 5) und "Ein Urteilsbuch des geistlichen Gerichts zu Augsburg aus dem 14. Jahrhundert" in Doves "Zeitschrift für Kirchenrecht" (Bd. 10, 1871); endlich das Lebensbild des hannöverschen Staatsmanns "Karl Bertram Stüve" in den "Preußischen Jahrbüchern" (1872-73, Bd. 30-32). In den "Hansischen Geschichtsquellen" (Bd. 3) gab er heraus: "Dortmunder Statuten und Urteile" (Halle 1882).

Frentaner, ein sabellischer Volksstamm, bewohnte ein fruchtbares, wohlbewässertes Küstenland am Adriatischen Meer vom Fluß Frento (jetzt Fortano) bis zum Aternus, unterwarf sich früh den Römern und blieb denselben treu; nur im Bundesgenossenkrieg erhoben sie nochmals die Waffen gegen Rom.

Frenŭlum (lat.), Bändchen, z. B. F. linguae, das Zungenbändchen.

Frenzel, Karl Wilhelm, Romanschriftsteller und Essayist, geb. 6. Dez. 1827 zu Berlin, studierte seit 1849 daselbst Philosophie und Geschichte, widmete sich dann der Litteratur und beteiligte sich von 1858 an bei der Redaktion von Gutzkows "Unterhaltungen am häuslichen Herd", deren Leitung er 1863-64 allein übernahm. Im J. 1861 trat er in die Redaktion der Berliner "National-Zeitung" ein, der er als Leiter des Feuilletons und Berichterstatter über die königlichen Schauspiele noch jetzt angehört. Vorübergehend (1866-67) war F. auch Mitherausgeber des von R. Prutz begründeten "Deutschen Museums". Seine selbständige litterarische Laufbahn eröffnete er mit den feinsinnigen und farbenreichen historischen Essays: "Dichter und Frauen" (Hannov. 1859-66, 3 Bde.) und "Büsten und Bilder" (das. 1864), denen sich später die "Neuen Studien" (Berl. 1868) sowie die Schriften: "Deutsche Kämpfe" (Hannov. 1874) und "Renaissance und Rokoko" (Berl. 1878) anschlossen. Seine Bühnenkritiken wurden unter dem Titel: "Berliner Dramaturgie" (Hannov. 1877, 2 Bde.) gesammelt herausgegeben. Die modernen Romane: "Melusine" (Bresl. 1860), "Veritas" (das. 1861) und "Die drei Grazien" (das. 1862) zeigten weniger die Stärke seines auf feine Detaillierung und historisches Kolorit angewiesenen Talents. Dieselbe trat erst voll hervor in einer Reihe von historischen Romanen und Novellen aus dem 18. Jahrh., der Zeit der Aufklärung und französischen Bildung. Hierher gehören: "Papst Ganganelli" (Berl. 1864, 3 Bde.); "Watteau" (Hannov. 1864, 2 Bde.); "Charlotte Corday" (das. 1864); "Freier Boden" (das. 1868, 3 Bde.); "La Pucelle" (das. 1871, 3 Bde.); "Lucifer, ein Roman aus der Napoleonischen Zeit" (Leipz. 1873, 5 Bde.). Weitere belletristische Schriften sind: "Auf heimischer Erde" (Berl. 1866); "Deutsche Fahrten" (das. 1868); "Im goldenen Zeitalter" (das. 1870, 4 Bde.); "Geheimnisse", Novellen (Leipz. 1872, 2 Bde.); "Lebensrätsel", Novellen (das. 1875, 2 Bde.); die Romane: "Frau Venus" (Berl. 1880, 2 Bde.), "Die Geschwister" (das. 1881, 4 Bde.) und "Nach der ersten Liebe" (das. 1884, 2 Bde.); die Erzählungen: "Das Abenteuer" (Leipz. 1882), "Chambord" (Berl. 1883), "Zwei Novellen" (Leipz. 1884), "Der Hausfreund" (das. 1884).

Freppel, Charles Emile, franz. Bischof und Kirchenhistoriker, geb. 1. Juni 1827 zu Oberehnheim (Niederelsaß), wurde auf dem Seminar in Straßburg zum Priester ausgebildet und 1854 an die theologische Fakultät zu Paris berufen, 1867 Dekan der Kirche Ste.-Geneviève, 1870 Bischof von Angers. Auf dem vatikanischen Konzil spielte er eine hervorragende Rolle als einer der Vorkämpfer für die Unfehlbarkeitslehre. Besonders aber thut sich F. als französierter Elsässer durch seine Feindseligkeit gegen Deutschland hervor, und seine Einmischung in den preußischen Kirchenstreit mußte von der französischen Regierung unterdrückt werden. Am 7. Juni 1880 zu Brest in die Abgeordnetenkammer gewählt, trat er hier an Stelle Dupanloups an die Spitze der klerikalen Partei. Unter seinen vielen kirchengeschichtlichen Tendenzschriften erwähnen wir: "Examen critique de la Vie de Jésus-Christ par E. Renan" (14. Aufl. 1864; deutsch, Wien 1864) und "Examen critique des Apôtres de M. Renan" (1866). Gesammelt erschienen seine "Œuvres oratoires" (1869-^[BINDESTRICH!]