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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Freundschaftsinseln; Frevel; Frevelstämme; Frévent; Frey; Freya; Freyberg

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Freundschaftsinseln - Freyberg.

macht, nun erst recht als F. fortbesteht. Bei den Griechen sind Achilleus und Patroklos, Orestes und Pylades sprichwörtlich geworden. Unter den Barbaren wurden die Skythen als treue Pfleger der F. gerühmt. Bei den alten Germanen wurden Freundschaften zwischen zwei einzelnen Personen, häufiger noch zwischen ganzen Gesellschaften auf Leben und Tod geschlossen. Die Geschichte unsers Volkes liefert in Konradin dem Hohenstaufen und Friedrich von Baden, in Ludwig dem Bayern und Friedrich von Österreich ähnliche Beispiele. Das Gegenteil der F. ist die Feindschaft als auf dem Bewußtsein der (äußern und innern) Gleichartigkeit beruhende Abneigung (Blutsfeindschaft: feindliche Brüder; Geschäftsfeindschaft zwischen Konkurrenten; Gelehrten-, politische und andre Feindschaften mehr). Bleibt die der Abneigung zu Grunde liegende Gleichartigkeit unbewußt, so heißt die Feindschaft Antipathie.

Freundschaftsinseln, s. Tongaarchipel.

Frevel, im allgemeinen s. v. w. Unrecht, namentlich ein solches, welches in besonders leichtfertiger Weise begangen wird; im ältern deutschen Recht Bezeichnung für leichtere Vergehen polizeilicher Art, auch die Buße, welche auf solche F. gesetzt war; wie man denn noch jetzt von Wald-, Holz-, Feldfrevel etc. spricht.

Frevelstämme, im Forstwesen die von Holzdieben gefällten Stämme, auch die im Boden zurückgebliebenen Wurzelstöcke solcher Stämme.

Frévent (spr. -wang), Stadt im franz. Departement Pas de Calais, Arrondissement St.-Pol, an der Nordbahn, hat (1876) 3792 Einw., Nagelschmieden, Eisengießerei und Baumwollspinnerei.

Frey, 1) Heinrich, Anatom und Zoolog, geb. 15. Juni 1822 zu Frankfurt a. M., studierte 1840-45 in Bonn, Berlin und Göttingen Medizin, ward an letzterer Universität Assistent des physiologischen Instituts und 1848 Professor der Histologie und vergleichenden Anatomie in Zürich, wo er auch die Professur der Zoologie an der polytechnischen Schule übernahm. F. gilt als einer der ersten Mikrolepidopterologen Deutschlands. Er schrieb zum "Lehrbuch der Zootomie" von R. Wagner den 2. Band, welcher die wirbellosen Tiere behandelt (mit Leuckart, Leipz. 1847); "Beiträge zur Kenntnis wirbelloser Tiere" (mit Leuckart, Braunschw. 1847); "Histologie und Histochemie des Menschen" (Leipz. 1859, 5. Aufl. 1875); "Das Mikroskop und die mikroskopische Technik" (8. Aufl., das. 1886); "Grundzüge der Histologie" (3. Aufl., das. 1885); "Die Tineen und Pterophoren der Schweiz" (Zürich 1856); "Die Lepidopteren der Schweiz" (Leipz. 1880) u. a. Zahlreiche entomologische Arbeiten veröffentlichte er in der "Linnaea entomologica" und in Verbindung mit Stainton in London, ferner in der Zeitschrift der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft, deren Präsident er wiederholt war.

2) Jakob, schweizer. Schriftsteller, geb. 13. Mai 1824 zu Gutenschwyl im Kanton Aargau, studierte in Tübingen, München und Zürich Philologie und Philosophie, redigierte von 1851 an in Aarau den "Schweizerboten" und wurde von seiner Gemeinde in den Großen Rat und zum Sekretär desselben gewählt. Da er indessen dem Staatsdienst keinen Geschmack abgewinnen konnte, siedelte er 1856 nach Bern über, wo er die Redaktion der "Berner Zeitung" übernahm, lebte hierauf eine Zeitlang in Basel, seit 1868 wieder in Aarau und starb 30. Dez. 1873 daselbst. Als Novellist hat F. keine große Fruchtbarkeit entwickelt; aber seine Leistungen auf diesem Gebiet: "Zwischen Jura und Alpen" (Leipz. 1858, 2 Bde.; Bd. 3: "Die Waise von Holligen", Basel 1864), "Schweizerbilder" (Aarau 1864) und "Neue Schweizerbilder" (Bern 1877), gehören zu den Perlen der schweizerischen Litteratur. -

Sein Sohn Adolf, geb. 18. Febr. 1855, jetzt Professor in Aarau, veröffentlichte: "Schweizersagen" (Leipz. 1881); "Erzählungen aus Sage u. Geschichte" (Kreuzn. 1883) u. a.

3) Emil, schweizer. Diplomat, geb. 24. Okt. 1838 zu Arlesheim, studierte 1855-56 und 1858-60 in Jena Land- und Staatswirtschaft und reiste Ende 1860 nach den Vereinigten Staaten, wo er unter Friedrich Hecker den Sezessionskrieg mitmachte und vom einfachen Soldaten zum Major vorrückte. In der Schlacht von Gettysburg (1.-3. Juli 1863) fiel er den Südstaatlichen in die Hände und wurde als Geisel für den von den nordstaatlichen Gerichten zum Tod verurteilten Kapitän Gordon bis 14. Jan. 1865 teils in Richmond, teils in Salisbury unter harten Entbehrungen im Kerker gehalten. Nachdem er in Freiheit gesetzt worden war, kehrte er im August 1865 nach Europa zurück, trat als Staatsschreiber in den basellandschaftlichen Staatsdienst, wurde im Juni 1866 in die Regierung und zum Regierungspräsidenten gewählt und war sechs Jahre lang im Erziehungs- und Militärwesen sowie in der Verwaltung des Innern thätig, während er in der eidgenössischen Armee zum Obersten avancierte. 1872 trat F. aus der Regierung, um die Redaktion der "Baseler Nachrichten" zu übernehmen. Im gleichen Jahr wählte ihn Baselland in den schweizerischen Nationalrat, in welchem er alsbald eine hervorragende Stellung unter den Führern der Linken einnahm und 1875 zum Präsidenten ernannt wurde. 1882 ward er vom Bundesrat zu dem neugeschaffenen Posten eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers bei der nordamerikanischen Union berufen.

Freya, s. Freyja.

Freyberg, 1) Maximilian Prokop, Freiherr von F.-Eisenberg, deutscher Geschichtschreiber und Belletrist, geb. 3. Jan. 1789 zu München, studierte in Landshut die Rechte, ward 1816 Regierungsrat und Ministerialrat im Ministerium des Innern, 1825 Vorstand des Reichsarchivs, 1838 Staatsrat und führte 1840 interimistisch das Portefeuille des Innern. Als Deputierter in der Ständekammer seit 1835 zeigte er sich als eifriger Anhänger des ultramontanen Ministeriums und Verteidiger der Klöster. Von 1842 bis 1848 bekleidete er die Stelle eines Vorstandes der Akademie der Wissenschaften und starb als Staatsrat in außerordentlichem Dienst 21. Jan. 1851 in München. Von seinen historischen Arbeiten nennen wir: "Über das altdeutsche öffentliche Gerichtsverfahren" (Landsh. 1824); "Geschichte der bayrischen Landstände" (Sulzbach 1828-29, 2 Bde.); "Sammlung historischer Schriften und Urkunden" (Stuttg. 1827-39, 5 Bde.); "Pragmatische Geschichte der bayrischen Gesetzgebung und Staatsverwaltung seit den Zeiten Maximilians I." (Leipz. 1836-39, 4 Bde.); "Neue Beiträge zur vaterländischen Geschichte und Topographie" (Münch. 1837). Mit Hormayr setzte er Langs "Regesta sive rerum boicarum autographa", Bd. 5-12 (Münch. 1841-49), fort. Vgl. Höfler, M. P. Freiherr v. F.-Eisenberg (1852).

2) Konrad, Maler, geb. 14. März 1842 zu Stettin, bildete sich auf der Berliner Kunstakademie und trat dann in das Atelier Steffecks ein, nach dessen Vorbild er sich der Soldaten- und Pferdemalerei widmete. Er fand bald in dem einzelnen Reiterporträt wie in ganzen Reitergruppen in kleinerm Maßstab eine Spezialität, welche er mit großem Glück ausbildete, indem er Porträtähnlichkeit mit eleganter