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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Friaul; Friburger; Frič; Fricassée; Friccius

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Friaul - Friccius.

der 36 Herzogtümer derselben gemacht. F. umfaßte damals das Land zwischen dem Tagliamento, den Norischen und Julischen Alpen und dem Fluß Formio (Risano). Dazu kamen in der fränkischen Zeit, wo F. in eine Mark verwandelt wurde, im Osten noch Istrien und im Westen mehrere Städte diesseit des Piave; Hauptstadt war Cividale (Civitas Austriae Italiae), das alte Forum Julii. Des Langobardenkönigs Alboin Neffe Gisulf (569-610) war nach dem Bericht des langobardischen Geschichtschreibers Paulus Diaconus der erste von jenem eingesetzte Herzog von F. Unter ihm brachen die Avaren 610 verwüstend in F. ein und verbrannten die Hauptstadt; Gisulf starb den Heldentod. Auf ihn folgten seine beiden ältesten Söhne, Taso und Kako, denen auch das slawische Gebiet von Cilia (wahrscheinlich das Gailthal Kärntens) und Medaria (vielleicht Matereia, Windisch-Matrei) unterworfen war, welche aber um 626 von dem römischen Patricius Gregorius zu Oderzo hinterlistig umgebracht wurden. An Stelle ihrer unmündigen Brüder Roduald und Grimuald übernahm nun ihr Oheim Grasulf, der Bruder Gisulfs, die Regierung. Unter den folgenden Herzögen sind hervorzuheben: Lupus, der sich 663 gegen den Langobardenkönig Grimuald, den Sohn Herzog Gisulfs, empörte, jedoch gegen die Avaren, die der König gegen ihn zu Hilfe rief, fiel; Wechtari aus der Stadt Vicenza, dessen Güte und Milde gerühmt werden; Pemmo, der glücklich gegen die Slawen kämpfte, aber, weil er den Patriarchen von Aquileja, Calixtus, wegen eines Gewaltstreichs hatte gefangen setzen lassen, 737 von dem Langobardenkönig Luitprand der Herzogswürde entsetzt ward; Ratchis, Sohn des vorigen, der einen glücklichen Kriegszug nach Krain unternahm und 744 zum König der Langobarden erwählt wurde; St. Anselm (bis 753), der das reiche Kloster Nonantola bei Modena stiftete und als ein Hauptgegner des Königs Desiderius erscheint; Rodgaud, der sich, nach Besiegung des Langobardenkönigs Desiderius durch Karl d. Gr., diesem unterwarf, aber bald mit den Herzögen von Chiusi, Spoleto und Benevent eine Verschwörung gegen ihn machte und deshalb 776 enthauptet ward. Seitdem bildete F. eine der Marken des fränkischen Reichs; seinen Verwaltern, die aber bei weitem nicht mehr so unabhängig waren wie unter der langobardischen Herrschaft und bald als Markgrafen, bald als Herzöge bezeichnet werden, war zeitweise auch die Obhut über den südlichen Teil der avarischen oder pannonischen Mark anvertraut, und sie hatten viel mit den Slawen, Bulgaren und andern barbarischen Nachbarvölkern zu kämpfen. Markgraf Cadolah unternahm 819 einen ruhmlosen Zug gegen die Slowenen; sein Nachfolger Balderich (819-828) wurde 828, da er einen verheerenden Einfall der Bulgaren nicht verhindert hatte, abgesetzt, und nun ward die bisherige Mark F. in vier Grafschaften (mutmaßlich: F., Istrien, Krain und die veronesische oder trevisanische Mark) geteilt. Markgraf oder Herzog Berengar von F., durch seine Mutter Gisela ein Enkel Ludwigs des Frommen, erklärte sich 888 zum König von Italien, konnte aber nicht zum ruhigen Besitz der Herrschaft gelangen, da er mit seinen Nebenbuhlern, den Herzögen Wido und Lambert von Spoleto, dem deutschen König Arnulf, den Königen Ludwig von Nieder- und Rudolf von Hochburgund fortwährende Kämpfe um die Krone zu bestehen hatte, die nicht eher endeten, als bis Berengar (924) meuchlings ermordet wurde. Nach dem ersten Zug Ottos I. nach Italien wurden 952 die Markgrafschaften von Verona und F., welch letztere jetzt auch als Mark von Aquileja bezeichnet wird, dem Herzog Heinrich von Bayern unterstellt; von 952 bis 962 galt F. als ein Teil Deutschlands. Dann, nach der Eroberung Italiens, gehörte es zwar wieder zu letzterm Reich; aber seine Verbindung, erst mit dem Herzogtum Bayern und seit 976 mit Kärnten, dauerte fort, bis 1077 Heinrich IV. die herzoglichen und gräflichen Rechte in F. dem Patriarchen von Aquileja verlieh. Gegen die Übergriffe der Patriarchen von dem friaulischen Adel zu Hilfe gerufen, demütigte Venedig zwar jene, machte aber allmählich, teils durch freiwillige Unterwerfung des Adels und der Städte, teils durch gewaltsame Eroberungen (z. B. der Hauptstadt Udine 1420), den größern Teil von F. (der seitdem das venezianische F. genannt wurde) zu einer venezianischen Provinz. Im Besitz eines andern Teils, des sogen. österreichischen F., blieb bis 1500 das Geschlecht der Grafen von Görz, bis nach deren Aussterben Kaiser Maximilian I. vermöge alter Verträge die ihm ohnehin schon verpfändete Grafschaft in Besitz nahm. Das venezianische F. blieb bis zum Frieden von Campo Formio (1797) bei Venedig, kam dann an Österreich und 1805 durch den Frieden von Preßburg an das von Napoleon I. errichtete Königreich Italien, von welchem es zugleich mit einem Teil des österreichischen F. das Departement Passariano (mit der Hauptstadt Udine) bildete. 1809 verlor Österreich auch noch den übrigen Teil von F. durch Abtretung an die illyrischen Provinzen. Im Krieg von 1814 aber gewann der Kaiser von Österreich ganz F. wieder und führte seitdem den Titel Herzog von F. und das Wappen des Landes (einen gekrönten Adler in blauem Felde). Das Jahr 1866 trennte das venezianische F. von dem Staatskörper Österreichs. Vgl. Manzano, Annali del Friuli (Udine 1858-79, 7 Bde.); Derselbe, Compendio di storia friulana (das. 1876); Antonini, Il Friuli orientale (Mail. 1865); v. Zahn, Friaulische Studien (Wien 1878).

Friaul, Herzog von, hieß seit 1807 der französische Marschall Duroc (s. d.).

Friburger, Michael, Miteinführer der Buchdruckerkunst zu Paris. S. Buchdruckerkunst, S. 555.

Frič (spr. fritsch), Joseph Vaclav, tschech. Schriftsteller und Dichter, geb. 5. Sept. 1829 zu Prag, nahm 1848-49 thätigen Anteil an den revolutionären Bewegungen in Österreich und zog sich dadurch mehrjährige Gefängnishaft und Verbannung nach Siebenbürgen zu. Seit 1859 lebte er in London, Paris und Berlin, wo er 1866 eine gegen Österreich gerichtete heftige Broschüre: "Wehklage der böhmischen Krone", 1868 eine tschechische Zeitschrift: "Blaník", mit slawisch-demokratischer Tendenz und dann die "Correspondance tchèque" herausgab. Anfang der 70er Jahre wandte er sich nach Budapest, redigierte hier bis 1877 die "Agramer Zeitung" und lebt seit 1879, endlich vollständig amnestiert, in Prag. Als Dichter trat er mit lyrisch-epischen Dichtungen im Geschmack Byrons, wie "Upir" ("Der Vampir", 1849), und mit Dramen ("Svatopluk", "Ulryk Hutten", "Mazeppa" etc.) hervor. Eine Sammlung seiner Werke: "Sebrané spisy", erschien in 4 Bänden (Prag 1879-80). Mit Leger gab er das Werk "La Bohême historique, pittoresque et littéraire" (Par. 1868) heraus.

Fricassée (franz.), s. Frikassee.

Friccius, Karl Friedrich, Generalauditeur der preußischen Armee, geb. 28. Juni 1779 zu Stendal, studierte Jura und war Assessor, als er 1806 Soldat und als Leutnant nach Danzig kommandiert wurde. Bei Belagerung dieser Festung 1806-1807 zeichnete