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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Friedland; Friedländer

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Friedland - Friedländer.

Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis F., an der Alle, hat eine evang. Pfarrkirche, ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt, eine Ölmühle und 1885 mit der 1886 verlegten Garnison (2 Eskadrons Ulanen Nr. 12) 3182 Einw. Der Ort ward 1312 gegründet und ist historisch merkwürdig durch den am 14. Juni 1807 erfochtenen Sieg Napoleons I. über die Russen und Preußen unter Bennigsen. -

9) Preußisch-F., Stadt im preuß. Regierungsbezirk Marienwerder, Kreis Schlochau, an der Dobrinka, hat ein Amtsgericht, ein Progymnasium, eine evangelische und eine kath. Kirche, ein evang. Schullehrerseminar und (1885) 3472 meist evang. Einwohner.

Friedland, Valentin, von seinem Geburtsort gewöhnlich Trotzendorf genannt, berühmter humanistischer Schulmann, geb. 14. Febr. 1490 zu Trotzendorf (Troitschendorf) in der Oberlausitz, besuchte die Schule zu Görlitz, studierte in Leipzig und kam 1515 als Lehrer wieder nach Görlitz, wo er die Kenntnis des Griechischen verbreitete. Luthers Auftreten bewog ihn, sein Amt niederzulegen und 1518 nach Wittenberg zu gehen, wo er sich den Reformatoren, namentlich Melanchthon, innig anschloß. Im J. 1523 folgte er dem Ruf als Rektor des Gymnasiums zu Goldberg in Schlesien, ging vier Jahre darauf als Lehrer nach Liegnitz und von da 1529 wieder nach Wittenberg, 1531 aber zum zweitenmal nach Goldberg. Unter seiner 33jährigen Leitung gelangte die Schule daselbst zu europäischer Berühmtheit. Ausschließliche Unterrichts- und Umgangssprache war das Lateinische. Der Schulcötus war nach dem Muster der römischen Republik organisiert: da gab es Konsuln, Senatoren, Zensoren, Quästoren, Senat und Komitien; über dem ganzen kleinen Staat stand Trotzendorf selbst als gestrenger Dictator perpetuus. "Er war", wie Melanchthon von ihm sagt, "zum Rektor geboren, wie der ältere Scipio Africanus zum Feldherrn." Als 1554 das Schulhaus zu Goldberg abbrannte, zog er mit seiner Schule nach Liegnitz, wo er 26. April 1556 starb. Vgl. Pinzger, Valentin F., genannt Trotzendorf (Hirschb. 1825); Löschke, Val. Trotzendorf (Bresl. 1856).

Friedländer, 1) David, geb. 6. Dez. 1750 zu Königsberg i. Pr., kam 1771 nach Berlin, wo er 25. Dez. 1834 starb. Er gehört zu dem Kreis begeisterter Israeliten, die, von Moses Mendelssohn angeregt, das Werk der geistigen und leiblichen Emanzipation ihrer Glaubensgenossen fortsetzten. Im Sinn Mendelssohns übersetzte er wenige Teile der Bibel, schrieb einzelnes über die Verbesserung der jüdischen Verhältnisse und machte in seinem Sendschreiben an den Propst Teller in Berlin Front gegen unberechtigte Angriffe und Proselytenmacherei. F. war der erste jüdische Stadtrat Berlins wie Mitbegründer der Zeitschrift "Mnassef" und errichtete unter Mitwirkung seiner begüterten Familie die jüdische Freischule in Berlin. Vgl. Ritter, Geschichte der jüdischen Reformation, Bd. 2: "David F." (Berl. 1862).

2) Julius, Numismatiker, geb. 1813 zu Berlin, machte seine Studien an den Universitäten zu Bonn und Berlin, bereiste 1838 und 1839 Italien und erhielt 1840 eine Anstellung an der königlichen Sammlung der antiken Münzen zu Berlin. Durch ansehnliche Erwerbungen während neuer Reisen in Italien (1844-47) legte er den Grund zur jetzigen Bedeutung des Münzkabinetts des Berliner Museums, wurde 1854 Direktor desselben und entwickelte als solcher durch Ankäufe großartiger Sammlungen (so der des Generals Fox in London 1873 und des Grafen Prokesch in Graz 1875), durch Publikationen, zweckmäßige Anordnung und Nutzbarmachung der zusammengebrachten Schätze eine verdienstliche Thätigkeit. Seit 1872 Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, starb er 14. April 1884. Er schrieb außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften: "Die Münzen der Ostgoten" (Berl. 1844); "Die oskischen Münzen" (Leipz. 1850, mit 10 Tafeln); "Das königliche Münzkabinett, Geschichte und Übersicht der Sammlung" (mit v. Sallet, 2. Aufl., Berl. 1877, mit 11 Taf.); "Die italienischen Schaumünzen des 15. Jahrhunderts" (das. 1880-82, 4 Hefte, mit 42 heliographischen Tafeln); "Verzeichnis von griechischen Münzen, welche aus modernen Stempeln geprägt sind" (das. 1883) u. a. Aus seinem Nachlaß gab Weil das "Repertorium zur antiken Numismatik" im Anschluß an Mionnets "Description des médailles antiques" (Berl. 1885) heraus.

3) Ludwig, Philolog und Archäolog, geb. 24. Juli 1824 zu Königsberg, machte seine Studien 1841-45 hier, in Leipzig und in Berlin, habilitierte sich 1847 zu Königsberg und wurde 1856 außerordentlicher, 1859 ordentlicher Professor der klassischen Philologie und der Beredsamkeit daselbst. Sein Hauptwerk sind die im besten Sinn des Wortes populären "Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms" (Leipz. 1862-71, 3 Bde.; 5. Aufl. 1881). Sonst veröffentlichte er über altrömisches Leben: "Über den Kunstsinn der Römer in der Kaiserzeit" (Königsb. 1852) und den Abschnitt über die Spiele der alten Römer in dem "Handbuch der römischen Altertümer" von Becker und Marquardt (Bd. 4, Leipz. 1856; in der Umarbeitung desselben von Marquardt und Mommsen, Bd. 6, das. 1878). Außerdem hat er sich besonders um die Homerische Kritik verdient gemacht. Hierher gehören: "Die Homerische Kritik von Wolf bis Grote" (Berl. 1853); "Analecta Homerica" (Leipz. 1859); "Zwei Homerische Wörterverzeichnisse" (das. 1861) sowie "Nicanoris perì 'Iliakês stigmês ^[περι 'Ιλιακης στιγμης] reliquiae emendatiores" (Königsb. 1850) und "Aristonici Alexandrini perì semeíon 'Iliádos ^[περι σημειων 'Ιλιαδος] reliquiae emendatiores" (Götting. 1853).

4) Friedrich, Maler, geb. 10. Jan. 1825 zu Kohljanowitz in Böhmen, studierte an der Wiener Akademie, dann bei Waldmüller, besuchte 1850 Italien, 1852 Düsseldorf und endlich Paris. Zuerst Historienmaler, wandte er sich seit 1854 dem Genre zu. Er malte namentlich Szenen aus dem Wiener Volks- und dem Soldatenleben und aus dem schwäbischen Volksleben. Zwischen seinen beiden für das Belvedere erworbenen Werken: Volk aus einem Amtsgebäude auf die Straße strömend (1859) und Erdbeerlieferanten (1872), liegt eine reiche Zahl von fein charakterisierten und gemütvoll aufgefaßten Genrebildern, von welchen das Versatzamt (1866), die Politiker (1866), die reuige Tochter (1867), Rückkehr ins Vaterhaus (1868), der neue Kamerad (1869), die Invaliden (1871), die Liebeserklärung (1872), der Zither spielende Invalide u. a. hervorzuheben sind. Seine Spezialität besteht in der Schilderung des beschaulichen Lebens in den Invalidenhäusern.

5) Max, namhafter Publizist, geb. 18. Juni 1829 zu Pleß in der Provinz Schlesien, besuchte Schulpforta, widmete sich dann gleichzeitig mit seinem Vetter Ferd. Lassalle juristischen Studien auf den Universitäten von Berlin, Breslau und Heidelberg und ward nach deren Vollendung als Assessor am Stadtgericht in Breslau angestellt. Sein bald darauf veröffentlichtes Buch über das geistige Eigentum: "Der ausländische und einheimische Rechtsschutz gegen Nachdruck und Nachbildung" (Leipz. 1857) erregte Aufsehen in juristischen Kreisen. Als Publizist trat er zuerst 1856 mit Beiträgen für die Wiener "Presse"