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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Friedrich

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Friedrich (Preußen: F. III.).

maßregeln nun doch nichts fruchteten und von den Provinziallandtagen der ostpreußische und der rheinische energisch Erweiterung ihrer Rechte verlangten, endlich eine Anleihe notwendig wurde, entschloß sich F. W., durch das Patent vom 3. Febr. 1847 die längst verheißenen Reichsstände zu berufen. In seiner Rede bei der Eröffnung dieses "vereinigten Landtags" (11. April) sprach er aber offen aus, "daß es keiner Macht der Erde je gelingen solle, ihn zu bewegen, das natürliche, gerade in Preußen durch seine innere Wahrheit so mächtige Verhältnis zwischen Fürst und Volk in ein konventionelles, konstitutionelles zu verwandeln". Umsonst nahm eine Protestation der Stände die durch das königliche Wort Friedrich Wilhelms III. garantierten Rechte der Nation in Schutz, umsonst fochten die glänzendsten Redner der Opposition für das konstitutionelle Prinzip. Erst die Revolution vom März 1848 trieb den König zu entschiedenem Vorgehen auf der Bahn der Reformen. Dem blutigen Straßenkampf in Berlin (18. März), während dessen er aus Scheu vor Blutvergießen keine Energie entfaltete, folgten der Umritt des Königs mit der deutschen Fahne (21. März) und die bekannte Erklärung, welche die Sache Schleswig-Holsteins zur Angelegenheit Preußens machte. Die tumultuarischen, für ihn beleidigenden Vorgänge des Jahrs 1848 ertrug der König mit einer Art von duldender Resignation, bis er die Macht gewann, mit der Verlegung der preußischen Nationalversammlung (November 1848) seine Autorität wiederherzustellen. Die ihm vom Frankfurter Parlament angebotene Kaiserkrone lehnte er als ein Geschenk der verhaßten Revolution erst bedingt, bald aber unbedingt ab, worauf er, von Radowitz beraten, das Bündnis vom 26. Mai 1849 abschloß und ein neues Parlament nach Erfurt berief. In Preußen selbst ward die Verfassungsangelegenheit durch eine Revision des am 5. Dez. 1848 oktroyierten Entwurfs fürs erste abgeschlossen (31. Jan. 1850). Aber die Verwirklichung seiner romantischen Ideale für unmöglich erkennend, leitete F. W. seit 1848 den Staat ohne lebhafteres Interesse. Er hatte das Vertrauen zu sich und zu seinem Volk, das er nie verstand, verloren und überließ daher die Regierung mehr und mehr einer reaktionären Büreaukratie und einer engherzigen, egoistischen Adelspartei. Auch seine auswärtige Politik, namentlich im Krimkrieg, in dem er zu Rußland hielt, obwohl er neutral blieb, fand nicht den Beifall der Nation. Neuenburgs wegen 1856 einen Krieg zu beginnen, wurde er zum Glück noch abgehalten. Nach dem Attentat Tschechs (26. Juli 1844) stand er noch einmal in Lebensgefahr 22. Mai 1850, indem ein abgedankter Soldat, Sefeloge, ihn erschießen wollte; beide Attentate waren ohne politische Motive. Seit dem Spätsommer 1857 an Gehirnerweichung leidend, übertrug er im Oktober die Stellvertretung in der Regierung seinem Bruder Wilhelm, Prinzen von Preußen, provisorisch, sodann, nachdem er vergeblich in Meran Hilfe gesucht, 7. Okt. 1858 definitiv. Auch ein längerer Aufenthalt in Italien im Winter 1858-59 hatte den erwünschten Erfolg nicht; F. W. starb 2. Jan. 1861 in Sanssouci. Seine Regierung ist zwar erfüllt von wichtigen Ereignissen, sein Anteil daran indes meist ein passiver. F. Wilhelms bedeutende geistige Anlagen, welche sich auch in seinem lebhaften Interesse für alles und seinem witzigen, anregenden Gespräch kundgaben, haben sich vorteilhaft geltend gemacht in seinen künstlerischen Bestrebungen, denen Preußen und namentlich Berlin herrliche Schöpfungen zu verdanken hat. Sie werden sein Andenken der Nachwelt erhalten, während die berechtigte Unzufriedenheit des deutschen und des preußischen Volkes mit seiner widerspruchsvollen Politik im Innern und seiner unentschlossenen Haltung nach außen durch die Thaten seines Nachfolgers beschwichtigt worden ist. Seine Reden, Proklamationen etc. seit 6. März 1848 bis 31. Mai 1851 erschienen zu Berlin 1851. Vermählt war er seit 29. Nov. 1823 mit der Prinzessin Elisabeth von Bayern; die Ehe blieb kinderlos. Ihm folgte sein Bruder Wilhelm I. Vgl. v. Schmettau, F. W. IV., König von Preußen (2. Aufl., Berl. 1864); v. Ranke, Briefwechsel F. Wilhelms IV. und Bunsens (2. Aufl., das. 1874); Derselbe, Biographie F. Wilhelms IV. (das. 1878); Friedberg, Die Grundlagen der preußischen Kirchenpolitik unter König F. W. IV. (das. 1882); v. Reumont, Aus König F. Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen (Leipz. 1885).

55) F. III., deutscher Kaiser und König von Preußen, als Prinz und Kronprinz F. Wilhelm genannt, geb. 18. Okt. 1831 im Neuen Palais bei Potsdam, einziger Sohn des damaligen Prinzen Wilhelm und der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar, erhielt durch Ernst Curtius eine tüchtige wissenschaftliche Bildung, besuchte 1850-52 die Universität Bonn, ward 1856 Oberst und Kommandeur des 11. Infanterieregiments in Breslau, vermählte sich 25. Jan. 1858 mit Viktoria, Princeß Royal von Großbritannien (geb. 21. Nov. 1840), ward zum General ernannt und durch die Thronbesteigung seines Vaters, König Wilhelms I. (2. Jan. 1861), Kronprinz von Preußen. Im dänischen Krieg 1864 ward er ohne Kommando im Frühjahr auf den Kriegsschauplatz geschickt, wo er die Schwierigkeiten, die Wrangels Oberleitung hervorrief, mit Takt und Geschick beseitigte. Mild und gutmütig, war er mit der schroffen Haltung der Regierung im Militärkonflikt mit dem Abgeordnetenhaus nicht einverstanden, ebensowenig mit der schleswig-holsteinschen Politik Bismarcks. 1866 wurde er zum Oberbefehlshaber der zweiten Armee ernannt, welche sich in Schlesien sammelte und Ende Juni den Einmarsch in Böhmen erzwang, und entschied 3. Juli durch sein rechtzeitiges Eintreffen bei Chlum den Sieg von Königgrätz. Im französischen Krieg von 1870/71 befehligte er die dritte Armee, welche drei preußische Korps und die süddeutschen Truppen umfaßte, und erfocht an deren Spitze die blutigen, aber glänzenden Siege bei Weißenburg (4. Aug.) und bei Wörth (6. Aug.); hierdurch erlangte er besonders bei den süddeutschen Kriegern eine solche Beliebtheit, daß er allgemein "unser Fritz" genannt wurde. Er marschierte darauf gegen Paris, bewerkstelligte Ende August die große Rechtsschwenkung nach Norden und hatte den Hauptanteil am Erfolg von Sedan. Am 19. Sept. bewirkte er die Einschließung von Paris und hatte während der Belagerung sein Hauptquartier in Versailles. Hier wurde er 28. Okt. zum Generalfeldmarschall, 18. Jan. 1871 zum Kronprinzen des Deutschen Reichs ernannt. Nach dem Frieden erhielt er das Großkreuz des Eisernen Kreuzes und wurde Generalinspekteur der 4. Armeeinspektion des deutschen Reichsheers; er hatte namentlich die süddeutschen Truppen zu inspizieren. Im Auftrag des Kaisers und im Interesse des Reichs unternahm er viele Reisen, so zur Eröffnung des Suezkanals, nach Palästina, nach Spanien etc.; 4. Juni bis 5. Dez. 1878 nach Kaiser Wilhelms I. Verwundung durch Nobiling war er mit der Stellvertretung seines Vaters beauftragt. In seiner Muße widmete er sich den wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen der Gegenwart und war im Ver-^[folgende Seite]