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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fritfliege; Frith; Frithjofssage; Fritillaria

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Fritfliege - Fritillaria.

dung wie zur Rechtfertigung beider Rechtsmittel eine Notfrist von einer Woche gegeben ist. Richterliche Fristen werden vom Richter zur Vornahme gewisser Rechtshandlungen nach billigem Ermessen gesetzt, während vertragsmäßig Fristen aus der freien Übereinkunft der Parteien hervorgehen. Mit Ausnahme der Notfristen ist im Zivilprozeß eine Verlängerung (Erstreckung) der F. durch Vereinbarung der Parteien zulässig. Hat die Verabsäumung einer F. einen prozessualischen Nachteil zur Folge, wie dies bei allen Notfristen der Fall ist, z. B. Ausschluß des betreffenden Rechtsmittels, so wird die F. eine peremtorische, außerdem wird sie eine dilatorische genannt. Das Strafprozeßrecht kennt keine besondern Notfristen, weil alle Fristen im Strafverfahren unabänderliche sind, soweit nicht das Gesetz ausdrücklich eine Ausnahme statuiert. Für den Strafprozeß wie für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten gilt aber jetzt die Regel, daß bei Berechnung der F., welche nach Tagen bestimmt ist, der Tag nicht mitgerechnet wird, auf welchen der Zeitpunkt oder das Ereignis, z. B. die Verkündigung des Urteils, fällt, wonach der Anfang der F. sich richten soll. Eine F., welche nach Wochen oder Monaten bestimmt ist, endigt mit Ablauf desjenigen Tags der letzten Woche oder des letzten Monats, welcher durch seine Benennung oder Zahl dem Tag entspricht, an welchem die F. begonnen hat. Fehlt dieser Tag in dem letzten Monat, so endigt die F. mit Ablauf des letzten Tags dieses Monats. Fällt das Ende der F. auf einen Sonn- oder Feiertag, so endigt die F. mit Ablauf des nächstfolgenden Werktags. Im Zivilprozeß wird der Lauf der F. durch die Gerichtsferien gehemmt, abgesehen von Notfristen und Fristen in Feriensachen (s. Gerichtsferien). Vgl. Deutsche Zivilprozeßordnung, § 198 ff.; Strafprozeßordnung, § 42 f.

Fritfliege (Oscinis Frit L.), Fliege aus der Ordnung der Zweiflügler und der Familie der Fliegen (Muscariae), 1,7 mm lang, mit quergestelltem Kopf, sehr breiter Stirn, fast senkrechtem, am Mundrand nicht vortretendem Untergesicht und knieartig gebogener Fühlerborste, glänzend schwarz, mit Ausschluß des Endgliedes gelben Hinter- und braungelben Vordertarsen und glashellen Flügeln. Die F. ist sehr lebendig und legt ihre Eier an ganz junge Gerstenähren; die Larven leben von den noch weichen Körnern, so daß diese nach dem Reifen eine leichte Ware (schwedisch "Frit") liefern. Die ausfliegenden Weibchen legen ihre Eier an die Wintersaat, und man findet die Puppen etwa 4 cm hoch an den Seitentrieben. Die Larven dringen bei der Wintersaat zwischen den Blattscheiden bis tief an den Wurzelknoten, zernagen die jüngsten Blättchen an ihrer Basis und zerstören endlich die Terminalknospe, wodurch die Pflanze getötet wird. Bei üppiger Vegetation und nicht zu großer Anzahl von Larven dringt die Zerstörung nicht so weit vor. Andre Arten derselben Gattung werden auch Wiesengräsern schädlich.

Frith, s. Firth.

Frith, William, engl. Maler, geb. 1819 zu Studley (Yorkshire), trat 1835 als Schüler in die Londoner Akademie ein und entwickelte sich bald zu einem der bedeutendsten Genremaler. Anfangs behandelte er Motive aus Dichtern und Romanschriftstellern, dann Stoffe aus dem Leben. Er ward ein großer Liebling des heimischen Publikums durch seine Fähigkeit, den spezifisch nationalen Charakter des englischen Lebens im Volk wie in der höhern Gesellschaft mit größter Treue und feinem Humor wiederzugeben. Im Vortrag sind seine Gemälde elegant, in der Farbenwirkung von einer nicht gerade unharmonischen, wohl aber der Wahrheit nicht immer entsprechenden Buntheit, ein Fehler, den er mit vielen seiner Landsleute teilt. Seine Hauptwerke sind: der Derby day (1858, London, Nationalgalerie), das Seeufer zu Ramsgate (der Königin Viktoria gehörig), Lord Foppington seine Abenteuer erzählend, die Verhaftung auf der Eisenbahnstation (1861), die Vermählung des Prinzen von Wales (1863) und der Weg zum Verderben, eine Reihe von fünf Bildern. F. ist Mitglied der königlichen Akademie in London, der belgischen und der Wiener Akademie.

Frithjofssage (Fridthiofs Saga), altnord. Sage von dem norwegischen Helden Frithjof (eigentlich Fridhthjofr, "Friededieb") und seiner Liebe zu der schönen Ingebjörg, der Tochter Beles, Königs von Sogn am Sognefjord. Frithjof, eines Bonden (freien Bauern) Sohn, ward mit Ingebjörg bei Hilding erzogen und warb nach ihres Vaters Tod bei ihren Brüdern Helge und Halfdan um ihre Hand. Diese aber vermählten die Schwester an den alten König Hring, während Frithjof zur Strafe, daß er sich an Helge vergangen, Angantyrs Schatz holen mußte. Landflüchtig infolge des von ihm veranlaßten Brandes von Balders Tempel, kam er zu König Hring, der den edlen Kämpen liebgewann und ihm bei seinem Tod sein Gemahl Ingebjörg und sein Reich, Ringerike im südlichen Norwegen, hinterließ. Das letztere gab Frithjof Hrings Söhnen, mit Ingebjörg aber zog er nach seiner Heimat, sühnte hier seinen Frevel durch den Bau eines Tempels, tötete den wilden Helge in der Schlacht und zwang Halfdan zur Abtretung von Sogn, wo er nun herrschte und sich auch Hördaland unterwarf. Das Zeitalter Frithjofs wird ins 3., von andern ins 7. oder 8. Jahrh. verlegt. Die isländische Urschrift der Sage fällt in das Ende des 13. oder in den Anfang des 14. Jahrh., obgleich die in ihr vorhandenen Lieder älter sein mögen. Herausgegeben wurde sie am besten von Rafn im 2. Bande der "Fornaldar Sogur Nordhrlanda etc." (Kopenh. 1829), ins Deutsche übersetzt von Gottl. Mohnike (Strals. 1830), W. Leo (Heilbr. 1879) und J. C. ^[Josef Calasanz.] Poestion (Wien 1879). Der in der Sage enthaltene poetische Stoff gab schon früher zwei dänischen Dichtern, Samsöe und Sötoft, Veranlassung, sie teils in Romanzenform, teils dramatisch zu bearbeiten; am berühmtesten aber ist die gleichnamige Dichtung von E. Tegnér (s. d.).

Fritillaria L. (Schachblume, Kaiserkrone), Gattung aus der Familie der Liliaceen, Zwiebelgewächse mit häutigen oder dick fleischigen Zwiebelschuppen, linealischen bis lanzettlichen, manchmal teilweise wirbelständigen Blättern, großen, einzeln oder zu mehreren traubig oder doldig geordneten, glockigen Blüten mit großer, weißer Honiggrube am Grunde der Blumenblätter und kantiger, vielsamiger Kapsel. Etwa 50 Arten in der nördlichen gemäßigten Erdhälfte. F. imperialis L., aus Persien und der Türkei, 1570 aus Konstantinopel eingeführt, bis 1 m hoch, oben mit einem Büschel von herabhängenden, feuerroten Blumen geschmückt und über denselben in einem Blätterbüschel endend, wird in vielen Varietäten mit gelben, orangefarbenen und braunroten Blüten als Zierpflanze kultiviert und blüht im ersten Frühjahr. Die stärkemehlreiche, höchst unangenehm, fast betäubend riechende, sehr scharfe, selbst giftige Wurzel war ehedem offizinell. Auch der Honigsaft der Blüten soll brechenerregend sein. Die Zwiebeln werden alle drei Jahre verpflanzt. F. lanceolata Pursh, aus Kamtschatka und Nordamerika, 30 cm hoch, mit aufrecht stehenden Blumen mit lanzettför-^[folgende Seite]