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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Frömmigkeit; Fron; Fronde

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Frömmigkeit - Fronde.

große Verbreitung fanden. Im J. 1829 zum Galeriedirektor ernannt, ordnete er die reichen Sammlungen von Karlsruhe und betrieb den Bau einer Kunsthalle, die 1846 vollendet ward. Diesem von ihm zur Blüte gebrachten Institut stand er bis 1858 vor. Er starb 6. Febr. 1863 in Ispringen bei Pforzheim. Seine Landschaften sind gefühlvoll aufgefaßt, voll Anmut und zarten Duftes. Mehrere derselben befinden sich in der großherzoglichen Kunsthalle zu Karlsruhe. Seine Stiche zeichnen sich durch charakteristische Auffassung und kräftige und dabei gleichwohl zarte Ausführung aus. Die besten sind: Ariccia bei Rom, Blick von der Villa d'Este auf Tivoli, eine Landschaft mit Ziegen und flötenden Hirten (nach Claude Lorrain), Ansicht des Vesuvs von den Elysäischen Feldern aus, Ansicht des Ätna von Taormina aus, sechs Originalradierungen: Landschaften mit Staffage. F. gab auch ein Werk für den Unterricht im Zeichnen in 48 Blättern heraus (1844) sowie mit Lindemann "Skizzen aus Rom und der Umgegend" (neue Aufl., Stuttg. 1854-56, 8 Hefte). - Auch sein jüngster Sohn, Otto, sowie sein Adoptivsohn Karl Lindemann-F. haben sich als Maler, letzterer namentlich durch seine Skizzen aus Italien und Skizzen und Bilder aus Potsdam und der Umgegend, vorteilhaft bekannt gemacht.

2) Emil, Theolog und Volksschriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 5. Jan. 1828 zu Karlsruhe, studierte in Halle, Erlangen und Heidelberg Theologie, bekleidete in der Folge Pfarrämter in Altlußheim bei Heidelberg, Karlsruhe und Barmen und wurde 1869 als Garnisonpfarrer nach Berlin berufen, wo er 1872 zum Hofprediger ernannt wurde. An dem Krieg 1870/71 nahm er als Feldprediger unter General v. Werder teil. Außer zahlreichen Predigten und dem Beitrag zur Kirchengeschichte Badens: "Aus dem Leben des Dr. A. Henhöfer" (Barmen 1865) sowie einer Schrift: "Von der Kunst im täglichen Leben" (das. 1867; 4. Aufl., Berl. 1880), hat er eine große Reihe von Volksschriften veröffentlicht, die ihm wegen ihrer schlichten Frömmigkeit, ihrer gesunden Sprache und des köstlichen Humors einen weit geachteten Namen gemacht haben. Sie erschienen in verschiedenen Sammlungen unter den Titeln: "Erzählungen für das Volk" (Berl. 1873-83, 8 Bdchn.); "Erzählungen" (Gesamtausgabe, Stuttg. 1877-78); "Allerlei Sang und Klang", Erzählungen und Skizzen (Berl. 1883), etc. Sehr verbreitet ist seine Anthologie "In drei Stufen" (7. Aufl., Iserlohn 1880). Auch ist er Mitherausgeber der "Neuen Christoterpe".

Frömmigkeit (Religiosität, Pietas in Deum), das Bestimmtwerden unsrer Gesinnungen und Handlungen durch die das Bewußtsein erfüllende Idee der Gottheit. Man unterscheidet: innere F. (s. Andacht und Religion), äußere F. (Gottesverehrung, Gottesdienst), den Ausdruck der innern Religiosität in Gebärden, Gesängen, Gebeten etc., und praktische F. (religiöses Leben). Nur noch selten wird das Wort fromm in der Bedeutung: harmlos, unschuldig von gewissen Tieren (z. B. Pferd, Lamm) sowie in der ältern Bedeutung: tapfer (z. B. ein frommer Landsknecht) gebraucht.

Fron (altdeutsch frôno, von frô, "Herr"), dem Herrn zugehörig, herrlich, herrschaftlich, heilig, kommt besonders in ältern zusammengesetzten Wörtern vor, wo es sich auf ein herrschaftliches oder heiliges Verhältnis bezieht; z. B. Fronbote, heiliger, unverletzlicher Bote, dann s. v. w. Henker, daher in manchen Gegenden noch Bezeichnung für den Abdecker (Hundefron); Frondienst, herrschaftlicher Handdienst (s. Fronen); Fronfeste, öffentliches Gefängnis; Fronhof, Herrenhof; Fronleichnam, der heilige oder des Herrn (Christi) Leichnam, u. a.

Fronde (franz., spr. frongd', "Schleuder"), Spottname der vom Pariser Parlament geleiteten Partei, welche sich während der Minderjährigkeit Ludwigs XIV. von Frankreich und der Regentschaft der Königin-Mutter Anna von Österreich der Politik Mazarins (s. d.) widersetzte und von 1648 bis 1653 bedeutende innere Unruhen erregte. Man nannte die Partei des Parlaments F. nach den Pariser Straßenjungen, die sich mit Schleudern unschädliche Kämpfe zu liefern pflegten. Der königliche Absolutismus, den Richelieu begründet hatte und den Mazarin weiter durchführte, erregte in den bisher bevorzugten Ständen, dem Adel und den Mitgliedern der Parlamente (der höchsten Gerichtshöfe), lebhaften Unwillen. Die ganze Nation war unzufrieden, daß die Regentin, selbst eine Fremde, die Regierung fast ausschließlich Fremden von geringer Geburt anvertraute, und daß der schon so lange dauernde Krieg gegen den Kaiser und Spanien immer drückendere Steuern erforderte. 1647 fing das wichtigste der Parlamente, das Pariser, an, sich mehreren neuen Steueredikten zu widersetzen, indem es ihnen die Eintragung in seine Register verweigerte. Da der Hof die Steuern doch erhob, da ferner im Anfang des Jahrs 1648 der verhaßte Generalintendant der Finanzen, d'Emeri (ein Italiener), in einer königlichen Sitzung, wo keine Opposition stattfinden durfte, neue Steuern einregistrieren ließ, begann der Streit heftiger zu werden, und als die Königin zwei Parlamentsräte verhaften und vier andre verbannen ließ (26. Aug. 1648), entstand in Paris ein allgemeiner Aufstand, welcher schon 27. Aug. die Freilassung der Räte zur Folge hatte. Der Hof verließ darauf die Hauptstadt und begab sich nach Ruel, wo nach langen Verhandlungen 24. Okt. 1648 ein Vergleich zwischen der Regierung und dem Parlament zu stande kam, in welchem erstere auf 20 Mill. jährlicher Steuern verzichtete. Der Hof kehrte nach Paris zurück. Als aber der ruhmvolle Besieger der Spanier, der Prinz von Condé, sich dem Hof anschloß, zog sich derselbe wieder nach dem abgelegenen St.-Germain zurück (6. Jan. 1649) und verlegte das Parlament nach dem kleinen Städtchen Montargis. Aber letzteres weigerte sich, dem nachzukommen, und nicht nur das Pariser Volk, sondern auch die unzufriedenen Großen, wie der Prinz von Conti, die Herzogin von Longueville (die jüngern Geschwister Condés), der Herzog von Beaufort und der Koadjutor des Erzbistums Paris, der schlaue und ehrgeizige Retz, nahmen seine Partei. Es erklärte also 8. Jan. Mazarin für einen Feind des Staats und befahl die Bewaffnung der Hauptstadt. Da indessen der Prinz von Condé an der Spitze der königlichen Truppen den Parisern die Zufuhr erschwerte und ihnen bei Charenton eine Niederlage beibrachte, ließ das Parlament sich mit dem Hof in Verhandlungen ein, welche 1. April 1649 zu dem Vergleich von Ruel führten, der den Leitern der F. zahlreiche persönliche Vorteile zugestand und die neuen Steuern durch Anleihen zu ersetzen versprach; dagegen blieb Mazarin Minister und die Fremden im Amt.

Eine neue Gefahr drohte Mazarin, als sich Condé, der sich von ihm nicht genug belohnt glaubte, mit ihm überwarf; da aber Condé durch sein hochfahrendes Benehmen auch die Frondeurs (die Partei des Parlaments) abstieß, wußte der kluge Minister sie für sich zu gewinnen. Mit ihrer Zustimmung ließ er 18. Jan. 1650 den Prinzen von Condé, dessen Bru-^[folgende Seite]