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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fumoir - Fundão.

same Erhitzung oder Verbrennung von Harz und andern Stoffen erzeugten Rauch gegen eine bestimmte Stelle des Körpers entweichen ließ. Fumigieren, beräuchern, durchräuchern.

Fumoir (franz., spr. fümoahr), Räucherkammer, Rauchzimmer, Rauchkoupee.

Fumös (lat.), rauchig, dunstig.

Fun (spr. fönn), s. Fen.

Funambulist (lat. funambulus), Seiltänzer.

Funaria Schreb. (Drehmoos, Wettermoos), Laubmoosgattung der akrokarpen Moose, niedrige, einjährige, monözische Moose mit meist einfachem Stämmchen und breiten Blättern, endständiger, langhalsiger, birnförmiger, stark gekrümmter Büchse und kapuzenförmiger Haube; der lange Stiel der Büchse zeichnet sich durch empfindliche Hygroskopizität aus, indem er bei Feuchtigkeit der Luft sich strickförmig dreht. Die gemeinste Art, F. hygrometica Hedw., wächst gesellig und rasenartig auf Mauern sowie auf nackter Erde und hat eiförmig-längliche, ganzrandige, oben knospenartig zusammengelegte Blätter; ist fast über die ganze Erde verbreitet.

Funariaceen, Familie der Laubmoose, s. Moose.

Funchal (spr. fungschal), Hauptstadt der portug. Insel Madeira, auf der Südküste, an einer den Südwinden völlig preisgegebenen Bai mit schlechtem Ankergrund und starker Brandung, welche bei dem Nichtvorhandensein eines Hafendammes das Landen sehr erschwert, hübsch gelegen, aber schmutzig und winkelig, ist Sitz des Gouverneurs und eines Bischofs sowie eines deutschen Konsuls, hat eine Kathedrale, eine englische protest. Kirche und (1878) 19,752 Einw. In der Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters ist die sogen. Schädelkapelle mit gegen 3000 in den Wänden eingemauerten Schädeln merkwürdig. F. ist Haupthandelsplatz von Madeira (s. d.); in seinem Hafen verkehrten 1883: 725 Handelsschiffe, darunter 573 Dampfer. Als Gesundheitsstation wird F. jährlich von etwa 300 Kurgästen besucht, deren Verpflegung die Hauptbeschäftigung der Bewohner ist.

Funck-Brentano, Theophil, philosoph. Schriftsteller, geb. 20. Aug. 1830 zu Luxemburg, studierte in Paris, Brüssel und an deutschen Universitäten die Rechte, Philosophie und Medizin und ist seit 1873 Professor des Völkerrechts an der École des sciences politiques zu Paris. Er schrieb: "Les pensées et maximes nouvelles" (Würzb. 1858); "Les sciences humaines: la philosophie" (Brüss. 1868); "La pensée exacte en philosophie" (Par. 1869), in welchem er seine Methode als eine mathematische, und "La civilisation et ses lois" (1876), in welchem er seine Moral der Gesellschaft auseinandersetzte; "Les droits des gens" (1878, mit A. Sorel); "Les sophistes grecques et les sophistes anglais contemporains" (1879); "Les principes de la découverte" (Leipz. 1885). F. als Philosoph legt das Hauptgewicht auf die Methode, ohne welche Philosophie keine Wissenschaft, sondern bloße Sophistik sei.

Fund (engl., spr. fönnd), s. v. w. Fonds (s. d.).

Fund, die Besitzergreifung einer verlornen, d. h. einer beweglichen Sache, deren Besitz ohne darauf gerichtete Absicht aufgehört hat; auch wohl Bezeichnung für die gefundene Sache selbst. Der Finder erwirbt weder Eigentum noch einen Besitz, welcher Grundlage der Ersitzung sein kann; er ist verbunden, bei der zuständigen Behörde (gewöhnlich der Polizei) Anzeige zu erstatten. Die rechtswidrige Zueignung einer gefundenen Sache (sogen. Funddiebstahl) fällt unter den Begriff der Unterschlagung (s. d.). Dem Finder gebührt nach manchen Gesetzen eine Belohnung (Finderlohn, Findelgeld, Fundgeld), welche z. B. nach preußischem Landrecht ein Zehntel des Wertes der gefundenen Sache nach Abzug der Kosten und bei Wertgegenständen von über 1500 Mk 1 Proz. beträgt. Meldet sich der Eigentümer oder frühere Besitzer nicht, so gehört nach preußischem Rechte die gefundene Sache dem Finder, wofern sie nicht mehr als 300 Mk. wert ist. Bei einem Mehrwert erhält der Finder 300 Mk. zum voraus, während die Sache im übrigen der Armenkasse des Fundorts zufällt. Nach andern Gesetzgebungen hat der Staat ein Anrecht auf gefundene Sachen, deren Eigentümer nicht zu ermitteln ist.

Fundamént (lat.), Grund, Grundlage, namentlich eines Baues (s. Grundbau); fundamentum agendi, Klaggrund; fundamentum probationis, Beweisgrund; fundamental, als Grundlage dienend; fundamentieren, den Grund zu einem Bau legen.

Fundamentalbaß (franz. Basse fondamentale), nach J. Ph. ^[Jean Philippe] Rameau ("Traité d'harmonie", 1722) die Bezeichnung der Akkorde durch ihren Hauptton, z. B.:

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Rameau wurde bei dieser Aufstellung durch die Erkenntnis geleitet, daß alle Akkorde im Sinn eines Dur- oder Mollakkords verstanden werden, dessen natürlichen Baßton er als F. bezeichnete; so gelangte er zur Lehre von der Umkehrung der Akkorde, welche Vallotti, Kirnberger, Abt Vogler u. a. adoptierten. Leider hat keiner von ihnen den Grundgedanken Rameaus fort entwickelt, der sich z. B. in der Bezeichnung von d f a c als F dur-Akkord mit Sexte (accord de la sixte ajoutée) und h d f als G dur-Akkord mit Septime, aber ausgelassenem Grundton ausspricht. Nur Gottfried Weber machte einen Versuch, über ihn hinauszukommen, konnte sich aber von der Kirnbergerschen Aufstellung einer größern Anzahl von Stammakkorden sowenig losmachen wie andre Theoretiker seiner Zeit. In neuester Zeit hat H. Riemann in seiner "Harmonielehre" (1880) Rameaus Grundgedanken aufgegriffen und im Zusammenhang mit den neuern Fortschritten der Theorie eine neue Art der Akkordbezifferung entwickelt.

Fundamentalsterne, diejenigen Fixsterne, von denen man Rektaszension und Deklination und die Veränderungen dieser Größen auf das schärfste bestimmt hat, um die andern Sterne auf dieselben beziehen zu können, indem man den Abstand eines andern Sterns von einem Fundamentalstern in Rektaszension durch den Unterschied ihrer Kulminationszeiten leicht bestimmen kann, worauf man durch Addition der bekannten Rektaszension des Fundamentalsterns die Rektaszension des andern Sterns findet, während eine direkte Ermittelung der letztern auf diesem Weg wegen der Unmöglichkeit der genauen Beobachtung der Kulmination des am Himmel nicht markierten Frühlingsnachtgleichenpunktes nicht ausführbar ist. Die Orte der F. sind zuerst von Bessel durch Verknüpfung seiner eignen Beobachtungen mit denjenigen Bradleys mit größerer Schärfe bestimmt worden.

Fundamentalton, s. v. w. Grundton (s. d.).

Fundão (spr. fungdaung), eine wegen ihrer reizenden Lage berühmte Stadt in der portug. Provinz Beira, Distrikt Castello Branco, am Nordabhang der Serra Guardunha, in getreide-, wein- und obstreicher Gegend, mit (1878) 2776 Einw.