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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fürstenberg; Fürstenbund

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Fürstenberg - Fürstenbund.

der Kammer und guter Redner eine hervorragende Stellung ein. Dennoch erfuhr er vielfache Anfeindungen und ward bei Ausbruch der Revolution von 1848 verunglimpft. Nachdem er noch am ersten Landtag nach Unterdrückung des Aufstandes teilgenommen, schied er aus der Kammer aus und lebte abwechselnd in Böhmen, Wien und Berlin. Er starb 22. Okt. 1854 im Bad Ischl. Er hatte viel Sinn für Musik. In seiner Kapelle dirigierten Konradin Kreutzer und Wenzel Kalliwoda. Ein dichterisches Denkmal setzte ihm sein Bibliothekar K. E. Ebert (Prag 1855). Ihm succedierte sein Sohn Karl Egon von F., geb. 4. März 1820 (s. oben).

Fürstenberg, alte freiherrliche Familie, in Westfalen und dem Rheinland begütert, genannt nach dem Schloß F. an der Ruhr; als Stammvater erscheint 1219 Hermann von F. urkundlich. Viele Glieder der Familie kämpften als Ordensritter in Livland, und im 16. Jahrh. ließ sich ein Zweig der Fürstenberge in Kurland nieder, wo er 1780 erlosch. Die in Deutschland gebliebene Linie ward 1660 in den Reichsfreiherrenstand erhoben und blüht in zwei Linien: der ältern westfälischen oder freiherrlichen und der jüngern oder rheinländischen, seit 1840 gräflichen Linie. Namhafte Glieder dieser Familie sind:

1) Theodor von, Sohn des kölnischen Rats Friedrich III. von F., geb. 1546, ward Domherr zu Trier, Propst zu Paderborn und Meschede und 1585 Bischof zu Paderborn. Als solcher unterwarf er diese Stadt mit Gewalt der bischöflichen Regierung, baute 1605 den Jesuiten eine Kirche, ein Kollegium und Noviziathaus, übergab ihnen auch die 1615 von ihm gegründete Akademie, drückte auf alle Weise die Protestanten, machte sich indessen durch gute Finanzverwaltung um das Bistum verdient und starb mit Hinterlassung eines großen Schatzes 1618.

2) Ferdinand von, Sohn des kurzmainz. ^[richtig: kurmainz.] Rats Friedrich von F., 1661 Bischof von Paderborn, guter lateinischer Dichter und Herausgeber der "Monumenta Paderbornensia" (1672). Seine Poesien finden sich in "Poëmata VII illustrium virorum" (Amsterd. 1672).

3) Franz Friedrich Wilhelm, Freiherr von, ausgezeichneter Staatsmann, aus der ältern Linie, geb. 7. Aug. 1729 auf Schloß Herdringen bei Arnsberg, studierte in Paderborn und Köln die Rechte, machte dann längere Reisen in Italien und Deutschland und ward 1749 Kanonikus in Münster, später auch in Paderborn. 1762 ward er von dem Kurfürsten von Köln und Bischof von Münster, Maximilian Friedrich, zum Minister und 1770 zum Generalvikar ernannt, wobei ihm besonders die Regierung des gänzlich erschöpften und verschuldeten münsterschen Landes übertragen wurde. F., fast unumschränkt herrschend, stellte sehr bald den Kredit wieder her, förderte Ackerbau und Gewerbe, namentlich den Leinwandhandel, verbesserte die Justizverwaltung, regelte das Polizeiwesen, munterte die Geistlichkeit zu Erwerbung höherer Bildung auf, reformierte die Schulen, verbesserte das Militärwesen durch eine der Landwehr ähnliche Volksbewaffnung und durch Gründung einer Militärakademie und gab durch Hofmann dem Land eine Medizinalordnung, die erste und vorzüglichste ihrer Art in Deutschland. Als 1780 der Erzherzog Maximilian Franz zum Koadjutor ernannt wurde, legte F. seine Ministerstelle nieder, blieb aber als Generalvikar ununterbrochen für die Wohlfahrt des Landes thätig und machte sich namentlich durch Verbesserung des Volksunterrichts, Reform des Gymnasiums und Errichtung einer vollständigen Universität zu Münster sowie eines Priesterseminars sehr verdient. Nachdem er 1807 auch das Generalvikariat niedergelegt hatte, starb er 16. Sept. 1811 in Münster. Vgl. Esser, Franz von F. (Münst. 1842).

4) Franz Egon, Graf von F.-Stammheim, geb. 24. März 1797 zu Herdringen bei Arnsberg, der jüngern Linie angehörig, ward 1840 in den Grafenstand erhoben und machte sich als warmer Freund der Kunst sowie durch seine Beteiligung an den politischen Fragen der Zeit bekannt; seine Kunstliebe hat er namentlich durch Beförderung des Kölner Dombaues und durch die Erbauung der Apollinariskirche bei Remagen bethätigt. Nachdem er einigen Provinziallandtagen und auch den Vereinigten Landtagen von 1847 und 1848 beigewohnt, trat er 1849 in die Erste Kammer. Aufsehen erregte Fürstenbergs freisinnige Erklärung wegen seiner Nichtbeteiligung an der Wahl zum Provinziallandtag vom 25. Aug. 1851 sowie sein Auftreten in den Debatten über die Bildung der Ersten Kammer in Preußen und über die Petitionen um Beseitigung der ganzen Verfassung und die Entbindung des Königs von dem auf dieselbe geleisteten Eid. Er war Mitbegründer des "Preußischen Wochenblatts" und legte im Herrenhaus stets ein lebhaftes Interesse für die Angelegenheiten der katholischen Kirche an den Tag. Er starb 20. Dez. 1859; sein Sohn, Graf Gisbert von F.-Stammheim, geb. 29. März 1836, ist gegenwärtig das Haupt des Fürstenbergschen Hauses rheinischer Linie.

Fürstenberg, Moritz, veterinärärztlicher Schriftsteller, geb. 15. Mai 1818 zu Berlin, studierte seit 1839 in Berlin Tierheilkunde, wurde 1848 Repetitor an der dortigen Tierarzneischule, 1850 Departementstierarzt in Liegnitz, 1853 Lehrer und 1865 Professor an der landwirtschaftlichen Akademie zu Eldena; starb daselbst 13. Sept. 1872. Er schrieb: "Über die Steine und Konkremente im Körper der Tiere" ("Magazin für Tierheilkunde", Bd. 10, 12, 13, 21); "Über Fettgeschwülste" (das., Bd. 17); "Die Krätzmilben der Menschen und Tiere" (Leipz. 1861); "Die Milchdrüsen der Kuh" (das. 1868); "Die Anatomie und Physiologie des Rindes" (Berl. 1868 ff.; neu bearbeitet von Müller, 1876). F. übte auf die Entwickelung der Tierheilkunde der neuern Zeit einen bedeutenden Einfluß aus, indem er in seinen Werken die Resultate sehr gründlicher eigner wissenschaftlicher Forschung niederlegte und außerdem den jüngern Tierärzten ein Vorbild bei wissenschaftlichen Untersuchungen war. Auch lieferte er in seinen Arbeiten, namentlich in dem klassischen Werk über die Krätzmilben, zahlreiche Beiträge zur vergleichenden Pathologie.

Fürstenbund, die Verbindung deutscher Reichsfürsten, welche Friedrich d. Gr. 1785 stiftete, um den Absichten Kaiser Josephs II., die bestehende Reichsverfassung zu verändern und die österreichische Macht in Süddeutschland auszubreiten, wie sie sich besonders im Projekt, Belgien gegen Bayern auszutauschen, kundgaben, entgegenzutreten. Derselbe sollte nach Friedrichs eignen Worten "kein Trutzbündnis" sein, sondern nur den Zweck haben, "die Rechte und Freiheiten der deutschen Fürsten zu behaupten, die Besitzungen eines jeden zu sichern und zu verhindern, daß ein herrschsüchtiger und unternehmender Kaiser einmal die ganze deutsche Verfassung umstürze, indem er sie stückweise zerbricht". Der Vorteil des Bundes beruhe darin, "daß, wenn der Kaiser seine Macht mißbrauchen wolle, die vereinigte Stimme des ganzen Reichskörpers ihm Gesinnungen der Mäßigung einflößen könnte, oder, wenn er Gewalt brauchte,