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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Futter

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Futter (Zubereitung, Verdaulichkeit, Nährwirkung; Fütterungsmethoden).

Unter den Stroharten besitzt das der Leguminosen die am schwersten verdauliche Rohfaser. Die Ausnutzung der stickstofffreien Extraktstoffe schwankt zwischen 98 und 40 Proz., je nachdem dieselben von den Körnern der Cerealien und Leguminosen, der Ölpflanzen und Wurzelfrüchte oder von den Grün- und Rauhfutterstoffen herkommen. Die stickstofffreien Extraktstoffe der erstern Gruppe können als fast ganz verdaulich angesehen werden, während von denen der letztern nur 40-60 Proz., am wenigsten vom Stroh der Cerealien, am meisten vom Heu der Gramineen und Leguminosen, verdaut werden. Die Zusammensetzung des zur Verdauung gelangenden Teils der Nfr. Extraktstoffe ist ungefähr die des Stärkemehls. Die Menge desselben ist annähernd gleich der Menge der durch Wasser aus den Futterstoffen ausziehbaren Stoffe, ohne daß letztere mit den Nfr. Extraktstoffen identisch sind. Eine große Reihe von Versuchen hat ferner dargethan, daß die Summe von verdaulichen Nfr. Extraktstoffen, inkl. Rohfett und verdaulicher Rohfaser, etwa gleich ist der Summe der Nfr. Extraktstoffe im F., inkl. Rohfett, so daß die analytische Bestimmung der letztern einen Anhalt gibt zur Beurteilung der Verdaulichkeit der Nfr. organischen Bestandteile überhaupt.

Wichtig ist der Einfluß der Zubereitung der Futterstoffe und der Futterzusammensetzung auf die Verdaulichkeit der Futtermittel. Besteht das F. aus Einem Futterstoff, so scheint die Menge desselben bis zu einer gewissen, durch das Verdauungsvermögen der Tiere gegebenen Grenze ohne Einfluß auf die Verdaulichkeit zu sein. Es ist ferner für die Ausnutzung der Futtergewächse gleichgültig, ob dieselben in grünem oder in heutrocknem Zustand verfüttert werden, falls das betreffende Heu aus derselben Vegetationsperiode stammt wie das Grünfutter und bei seiner Behandlung keine Nährstoffe verloren hat. In der Praxis möchte letztere Annahme selten sich verwirklichen, vielmehr durch Verlust an zartern Pflanzenteilen mit ihren leichter verdaulichen Nährstoffen fast immer eine Abnahme der Verdaulichkeit eintreten, die natürlich um so geringer ist, je vollkommener die Methoden der Ernte und Heubereitung sind. Durch die Zubereitungsmethoden (vgl. Futterbereitung) wird die Verdaulichkeit der Futtermittel nur wenig erhöht. Hingegen wirkt die Zeit der Ernte auf die Verdaulichkeit der Futterpflanzen insofern bestimmend, als die jüngsten Pflanzen auch am leichtesten verdaulich zu sein pflegen. Enthält ein F. neben Rauh- und Grünfutterstoff leichtverdauliche Futtermittel, z. B. die Körner der Getreidearten, Wurzelfrüchte, reine Nährstoffe, wie Öl, Stärke, Eiweiß etc., so äußert das Nährstoffverhältnis einen Einfluß auf die Ausnutzung der Rauhfutterstoffe. Werden nämlich die Nfr. Stoffe des Futters im Verhältnis zum Proteingehalt über eine gewisse Grenze hinaus gesteigert, so tritt für die schwerer verdaulichen Futterstoffe eine Verdauungsdepression ein. Eine solche wird z. B. beobachtet bei Zufütterung großer Mengen von Stärke oder Zucker in Substanz oder in Form von Kartoffeln, Rüben etc. zu Wiesenheu, Kleeheu u. a. Dieselbe hört auf, sobald das Nährstoffverhältnis durch Abbrechen an Nfr. Nährstoffen oder Erhöhung des Futterproteins ein engeres wird. Die Eiweißsteigerung im F., sei es durch Zugabe von Kleber, Albumin oder durch starke Beifütterung von stickstoffreichen Körnern etc., beeinflußt dagegen die Verdaulichkeit des Futters ebensowenig wie die Zugabe von Fett als solches oder in fettreichen Futterstoffen innerhalb gewisser Grenzen. Allzu fettreiches F. ruft Verdauungsstörungen, Durchfall etc. hervor. Auch die Zufütterung von Kochsalz etc. übt auf die Verdaulichkeit der Futterbestandteile keinerlei Einfluß aus. Die folgende Tabelle enthält die mittlern Verdaulichkeitskoeffizienten für die Hauptnährstoffgruppen der wichtigern Futtermittel:

Art des Futtermittels Rohprotein Rohfaser Rohfett Nfr. Extraktstoffe Organ. Trockensubstanz

Weidegras 78 67 64 78 70

Rotklee in der Blüte 69 50 61 72 -

" in voller Blüte 59 39 44 71 64

Grünmais 63 72 75 67 58

Kartoffeln 66 27 53 95 90

Futterrüben 77 44 - 98 90

Wiesenheu:

" weniger gut 50 57 30 50 50

" mittel " 56 58 41 62 58

" sehr " 63 59 45 69 65

" vorzüglich 68 68 45 74 71

Kleeheu:

" weniger gut 51 41 45 69 56

" mittel " 57 45 56 69 59

" sehr " 63 49 60 71 62

" vorzüglich 70 53 64 72 66

Wickenheu (sehr gut) 76 54 60 65 65

Luzerneheu " " 77 39 41 66 59

Lupinenheu " " 74 73 30 61 70

Stroh von:

" Sommerhalmfrüchten 36 63 33 42 51

" Winterhalmfrüchten 26 54 30 38 45

" Hülsenfrüchten 49 36 60 67 51

" Lupinen 38 51 30 65 56

Haferkörner 75 - 79 75 68

Gerstenschrot 79 - 66 90 84

Maisschrot 84 - 76 93 89

Erbsenschrot 85 - 69 95 89

Bohnenschrot 95 - 100 95 94

Weizenkleie 78 - 89 82 76

Leinkuchen 84 - 89 78 80

Rapskuchen 80 - 81 77 68

Baumwollsamenkuchen 74 - 91 46 50

Kokoskuchen 73 - 83 88 80

Palmkuchen 100 - 100 92 89

Fleischfuttermehl 96 - 84 - 94

Neben der Verdaulichkeit der einzelnen Nährstoffe ist die Nährwirkung der letztern (s. Ernährung, S. 795) entscheidend für den physiologischen Wert der Futterstoffe. Am wertvollsten sind hiernach die an verdaulichem Protein besonders reichen Futtermittel; die an Kohlehydraten reichen besitzen den geringsten physiologischen Wert, die fettreichen stehen in der Mitte. Auch der Handelswert stuft sich in derselben Richtung ab. Nach Settegast kosten in Norddeutschland die ganz verdaulichen Nfr. Nährstoffe in den konzentrierten Futterstoffen 32 Pf. pro Kilogramm, das etwa zur Hälfte verdauliche Rohprotein der Rauh- und Grünfutterstoffe 18 Pf., die Nfr. Extraktstoffe in allen Futtermitteln pro Kilogramm 8 Pf. Der Fettgehalt wird seiner geringen Größe wegen gewöhnlich in die Nfr. Extraktstoffe eingerechnet. Der Preis der einzelnen Futterstoffe läßt sich nach diesen Angaben selbstverständlich nur annähernd berechnen. Eine graphische Darstellung der mittlern chemischen Zusammensetzung der wichtigsten Futterstoffe gibt die Tafel "Futterstoffe"; vgl. dazu Tabelle, S. 809.

Fütterungsmethoden.

Die Fütterung ist die Zuteilung der Futterstoffe an die landwirtschaftlichen Nutztiere, Weidegang und Stallfütterung, Grün- und Trockenfütterung. Während für Schafe, welche die Pflanzen dicht über dem Boden abzunagen, also auch Stoppeln und ganz